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Annabelle - Quartz - Das gewisse Savoir-Faire

8.3.2011

Texte

Wenn dieser Tage der Quartz, der wichtigste Filmpreis der Schweiz, verliehen wird, könnte schon wieder ein Werk aus der Romandie gewinnen. Was machen die Westschweizer besser?
Ökonomisch gesehen ist die Deutschschweiz das Zentrum des Schweizer Films. Hier finden sich die finanzstarken Förderinstitutionen, die das hiesige Filmschaffen alimentieren. Hier arbeiten die meisten Produzenten.
Und künstlerisch? Da lohnt sich eher der Blick in die Romandie, wo der junge Lionel Baier 2004 seine provokante Psychostudie GARÇON STUPIDE vorstellte und damit eine neue Welle des Westschweizer Kinos lostrat. Wenn das Ausland heute über den Schweizer Film spricht, meint es diese Werke. Filme wie HOME von Ursula Meier, der in 45 Ländern zu sehen war, inklusive den USA. Oder CLEVELAND VERSUS WALLSTREET von Jean-Stéphane Bron, der die Schweiz 2010 am Festival von Cannes vertrat – eine Ehre, auf die Deutschschweizer Filmemacher seit vielen Jahren vergeblich warten.
Aus der Romandie stammen auch die Regisseurinnen Stéphanie Chuat und Véronique Reymond, die jetzt ihren ersten Film LA PETITE CHAMBRE vorstellen, ein Sozialdrama von erstaunlicher Reife. Produziert wurde es von der Zürcherin Ruth Waldburger, einer der ganz Grossen der Branche, die mit Ikonen wie Jean-Luc Godard zusammenarbeitet. «Erst sagte sie, dass sie keine Filme von Debütanten produziere», erzählt Stéphanie Chuat mit verhaltenem Stolz. Doch dann war Waldburger von der Story und dem Durchhaltewillen der Regisseurinnen so beeindruckt, dass sie ihre Meinung änderte. Für den am 12. März in Luzern verliehenen Quartz, den wichtigsten Filmpreis der Schweiz, ist LA PETITE CHAMBRE gleich zweimal nominiert: bester Spielfilm, bestes Drehbuch. Die Chancen auf mindestens eine der Trophäen stehen gut.
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