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Die Taliban vom Albisgüetli haben wieder zugeschlagen

29.11.2009

Texte

Die Ohrfeige ist heftig und sie tut weh. Mit der Annahme der Minarettsinitiative wird sich die Schweiz wieder einmal weltweit isolieren, aber das sind wir uns mittlerweile gewohnt, denn der Mythos von der humantären Schweiz hat bald nur noch soviel Wirklichkeitsgehalt wie die Geschichte von Wilhelm Tell.
Gefährlicher sind die innenpolitischen Auswirkungen: Das klare Resultat wird die SVP ermutigen, mit weiteren noch absurderen Initiativen auf Minderheiten herumzuhacken. Denn die SVP und der politische Islamismus haben vieles gemeinsam: Ihnen ist beiden bewusst, dass es für die anstehenden Probleme der Globalisierung, der Energiekrise und der Klimakrise keine einfachen Lösungen gibt und es in den nächsten Jahrzehnten zu harten Verteilungskämpfen kommen kann. Bis anhin konnte jede Krise mit Wachstum befriedet werden; das wird jedoch in Zukunft nicht mehr gehen. Anstatt die anstrengende politische Arbeit aufzunehmen, gesellschaftlich annehmbare Kompromisse zu finden, suchen sie den kurzfristigen Wahlterfolg: Sie bauen auf Kommunitarismus, reden einen Kulturkampf herbei, säen Hass und schüren Misstrauen, propagieren Scheinlösungen und haben dazu offenbar unbeschränkte finanzielle Mittel. Rationale Argumente haben kein Gewicht mehr.
Man kann aber zwei hundert Jahre Aufklärung nicht über Bord werden und muss an den rationalen Argumenten festhalten. Es besteht Bedarf an politischer Analyse, die man in den Gratiszeitungen gar nicht und auch in der Tagespresse nur noch wenig findet. Dies ist auch ein Grund, warum wir in den nächsten Tagen den Film ENCERCLEMENT herausbringen, der die Geschichte und Ideologie des Neoliberalismus analysiert. Als Kulturschaffende haben wir uns lange an den Rand der Gesellschaft drängen lassen als Beauftrage für die Abendunterhaltung. Aber Film kann weit mehr als Unterhaltung, und etwas mehr Einmischung tut not.