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critic.de - „Verstören und bereichern“

20.1.2013

Texte

Ulrich Seidl: "Himmel und Hölle liegen offensichtlich sehr nahe zusammen. Das sieht man auch immer wieder in der bildenden Kunst. Ich glaube, der Mensch hat Abgründiges in sich, das in Situationen, in denen er keine Verantwortung mehr trägt, herauskommt. Dann kommt das Böse zu Tage. Kino sollte also im besten Sinne beides sein. Tor zum Himmel und zur Hölle. Es würde ja nichts bringen, wenn man dem Menschen nur die Hölle zeigt und sie dadurch nur desillusioniert und deprimiert. Aber was es auf der anderen Seite für mich auch nicht bringt, ist den Zustand nur zu bestätigen und beschönigen. Mir geht es schon darum, die Menschen zu verführen, sie gewisse Realitäten und Wahrheiten erkennen zu lassen, die sie beschäftigen. Ich versuche mit meinem Kino den Menschen etwas mitzuteilen, im Sinne einer Bereicherung, auch wenn es zunächst eine Verstörung ist. Ich habe immer wieder von Kritikern gelesen, es sei schwer, den Film anzusehen, „aber man muss ihn gesehen haben“. Das macht es aus. Es ist nicht eine Unterhaltung, die dann einfach vorbei ist."
PARADIES: LIEBE
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