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critic.de - Schweizer Albträume

8.8.2012

Texte

Es ist im weiten Sinne ein Dokumentarfilm, weil Inszenierungen als solche kenntlich gemacht werden und Leute „von der Straße weg“ interviewt und gefilmt werden. IMAGE PROBLEM gibt sich „investigativ“, höchstens aber in dem Maße, wie Michael Moore Fragen erforscht: Die Antworten stehen immer schon vorher fest. Wenn also Simon Baumann und Andreas Pfiffner sich aufmachen, um angeblich das Bild der Schweiz als Land eines minderbemittelten, spießigen, selbstverliebten und rassistischen Volkes aufzubessern, dann ist das lediglich ein rhetorischer Kniff, um genau das zu inszenieren. Indem sie Meta-Ebene um Meta-Ebene einziehen, sich immer selbst und das Filmprojekt mit in den Fokus rücken, stilisieren sie sich gewissermaßen selbst zu Rettern der Schweizer Ehre: Wer über sich selbst lachen kann, wird nicht ganz böse sein. (...)
Nur zu blöd, dass die Retter in der Not die Filmemacher selbst sind: Das aber ist als Haltung so unsympathisch wie eitel. Da hilft auch keine noch so bemühte Selbstironisierung. Sieht man davon ab – was durchaus möglich und wohl empfehlenswert ist –, dann erweist sich IMAGE PROBLEM gerade im Kontext des Schweizer Festivals als politisch starke Wahl. Wer ein wenig in Richtung regionaler und nationaler Filmpolitik horcht, kennt diese Fragen: Wieso sind so wenige Filme aus der Heimat hier zu sehen? Kann das Festival die lokale Filmwirtschaft nicht unterstützen? Der französische Festivalleiter Olivier Père scheint mit Image Problem spitzbübisch zu sagen: Wer von mir einen Schweizer Film im Wettbewerb verlangt, kann sich auf etwas gefasst machen.
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