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Fernand Melgar 2011 103'

In der Schweiz leben mehr als 200'000 Menschen in ständiger Angst: Ohne ein Verbrechen begangen zu haben, riskieren sie, gefesselt, mit Handschellen versehen und geknebelt per Sonderflug abgeschoben zu werden. Die Behörden des Staates, in dem sie sich ein neues Leben aufgebaut und eine Familie gegründet haben, können sie von heute auf morgen des Landes verweisen. Warum? Weil sie keine Papiere haben. Jedes Jahr werden Tausende von Männern und Frauen in eines der 33 Schweizer Ausschaffungsgefängnisse gebracht und bis zu zwei Jahre inhaftiert. Regisseur Fernand Melgar hat sich in die Haftanstalt Frambois in Genf, der Hauptstadt der Menschenrechte, begeben.

"Sein Film ist vor allem eine nüchterne Bestandsaufnahme des Alltags in Frambois, er erkundet die Beziehungen zwischen den Insassen und dem Aufsichtspersonal, zeigt mit viel Sinn für Details und beeindruckend statischen Einstellungen, die die Starrheit und Inflexibilität des Systems betonen, die verzwickten administrativen Akte, das aufeinander aufbauende Procedere, das zwar der Gesetzeslage genügen mag, das aber die Betroffenen systematisch demütigt, entwürdigt und zu reinen Verwaltungsakten degradiert. Zwar versucht das Aufsichtspersonal, dieser kalten Entmenschlichung mit Wärme und Fürsorge zu begegnen, doch die Spirale der Maßnahmen und die Hoffnungslosigkeit setzen dieser Mitmenschlichkeit enge Grenzen."
Joachim Kurz, Kino-Zeit