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Ausflug ins Gebirg

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Ausflug ins Gebirg (Showreel)


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Internet:
Website Peter Liechti

Originaltext AUSFLUG INS GEBIRG

Retrospektive Stadtkino Basel 1.-31. Mai 2006


ISAN: 0000-0003-AD0C-0000-7-0000-0000-G

Ausflug ins Gebirg

CH 1986 33'

Regie: Peter Liechti
Drehbuch: Peter Liechti
Kamera: Peter Liechti, Jörg Eigenmann
Ton: Peter Liechti
Schnitt: Peter Liechti
Musik: Res Wegmann

Peter Liechti 1986 33'

Während seiner Ferien macht einer einen Ausflug ins unbekannte Nachbarland. In der alpinen Enge dort findet er ein ideales Echo auf seinen mitgebrachten Koller: Bergkoller, Zivilisationskoller, Mentalitätskoller... zeitweise wird ihm dieses ungehemmte Kollern gar zum Vergnügen. - Er braucht diese Ausflüge ins Gebirg. Er braucht seinen Ärger, um seinem Unbehagen auf die Spur zu kommen.

«Glatz und Schlund. Saustein und Schätteregg. Üble Schlucht und Schrecken. Motten, Stollen, Tote, Eisengülle, Metzgertobel, Nonnenalp und Ritzenspitzen. Schmalzberg und Saustein. Höllritzeralp und Kackenköpfe. Gurgen, Wäldle, Töbele, Kratzer, Krottenkopf, Mädelegabel, Madloch, Schiggen, Totenfeld und Schrottenkopf. Krofen, Gufel, Schritzer, Schlipfbalden und Kahlrücken. Hoher Riffler, Knittelkarspitzel, Laufbichel, Schreierkopf und Sinnesbrunnen. Gungelgrün und Grottenkopf. Pestkapelle, Säuling, Faselfad und Gries und Schön. Köpfle, Mösle, Roter Schrofen, Schönjöchle, Schnatzerberg, Hintergiggel, Grins und Schweig. Hirschhals und Mutterkopf. Hexenkopf und Schruns. Beim Herrgott…»

"Da macht einer einen Ausflug ins Gebirg, mietet sich hoch oben in der Kahlheit der Berge ein und bleibt in der alpinen Enge stecken mitsamt dem mitgebrachten Koller, der in solcher Umgebung sich nur weiter in ihn frisst, ja seine Wut noch verstärken muss, denn er hasst die Berge, die «blöd» machen, diese Kofel und Schrunden und Steine und den Regen, wenn es nur schneien würde, der Schnee diese «Sauhänge» zudecken würde.Er hätte ja weiterfahren können, warum hat er es nicht getan, tut es nicht, und dann diese fürchterliche Himbeertorte, die man auffressen muss, damit sie einen nicht selber auffrist. Er ist kein Wanderer, ja alles andere als ein Wanderer, eine Sesselbahn wünscht er sich, überlang, um sich über Wüsten tragen zu lassen und sich in Meeren zu spiegeln...
Peter Liechti dokumentiert in 26 Minuten den eigenen Ärger, der, von Gipfeln und Kofeln bestätigt, wie ein Echo zurückgeworfen wird, und in ihnen Entsprechung findet: einen Ärger, den er misslaunig geniesst und in bissig-bösem Selbstgespräch in diese Landschaft hineinwirft und sich von ihr bestätigen lässt. Er weiss gar nicht, was er hier zu suchen hat, von etwas finden kann keine Rede sein, und doch bleibt er, bis er kein Geld und kein Filmmaterial mehr hat, angezogen und abgestossen von sich selber und dem, was ihn hier umgibt. Schliesslich fährt er noch zum «Lech» dem Fischteich in den Bergen, wo er - als letzte Bilder - das Sterben eines Fisches verfolgt. Damit bringt er die Belustigung der Zuschauer scharf zum Kippen.
Bild und Sprache (eine nach Österreich passende Eigensprache, die an eine Mischung aus Achternbusch und Bernhard denken lässt), Ton, Stil und Rhythmus situieren, ohne genau zu fixieren, und der dramaturgische Faden hält genaue Balance zwischen persönlich saurem Missbehagen und geschändeter Landschaft. In diesem kleinen geschlossenen, beeindruckenden Kunstwerk gibt es weder Störendes noch Überflüssiges."
Elsbeth Prisi, ZOOM

Dieser «Ostschweizer Achternbusch» frönt hier schamlos narzisstisch seiner Obsession durch die Berge, denen er offensichtlich nicht entfliehen kann, will, ist er nun mal unter ihnen zu Hause. Sein provokativer Ausspruch «Berge machen blöd», sein Ausflug ins Gebirge sind formuliertes und visualisiertes Unbehagen an seiner Umgebung, erinnern an den unverdauten 1980-Spruch «Weg mit den Alpen, freie Sicht aufs Mittelmeer».
Beatrice Leuthold, Tages Anzeiger

Je unwirtlicher die Städte, desto lockerer die Bergwelt: Fredi Murers HÖHENFEUER, Francis Reussers DERBORENCE, Xavier Kollers DER SCHWARZE TANNER - auf höherer Ebene schlägt das Schicksal offenbar telegener zu als in den Tälern. Mein Fast-Lieblingsfilm in Solothurn spielt auch in den Bergen: AUSFLUG INS GEBIRG, 26minütiger Super-8 von Peter Liechti. Noch keiner hat hässlichere Bilder von den blöden Bergen gemacht, wo dermassen nix läuft, dass jeder vorbeizurrende Helikopter zum freudigen Ereignis wird, wo's nicht mal richtig regnet, sondern nur gerade dämlich tröpfelt, wo einem unglaublich dumme Hänge immerfort elend anstarren. Eine Meistersatire vom Schlage eines Henscheid.
Marianne Fehr, WochenZeitung