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Weekend

Jean-Luc Godard F 1967 100'

Das streitsüchtige Ehepaar Corinne und Roland schliesst einen Waffenstillstand, um gemeinsam zu Corinnes sterbenden Vater aufs Land zu fahren: Sie wollen sich endlich ihre Erbschaft sichern, die sie sich seit einiger Zeit durch konstantes Vergiften des Mannes beschleunigen. Doch auf dem Weg zu Corinnes Eltern stolpert das Paar von einer Katastrophe in die nächste- Staus, Unfälle und gewalttätige Anhalter lassen die Fahrt zusehends zum Horrortrip werden.

Mit einem der der längsten Travellings der Kinogeschichte.

"WEEKEND ist eine Karikatur der Wohlstandsgesellschaft, wie sie extremer kaum vorstellbar ist. Godard verstößt dabei lustvoll gegen so ziemlich jede der westlichen Zivilisation bekannte Sehgewohnheit seit Griffith und inszeniert WEEKEND, wie auch andere seiner Filme, mit Schrifteinblendungen, experimenteller Montage und größtenteils in langen Totalen. Wirklichkeit und Film werden hier ununterscheidbar: Eine Actionszene verläuft inhaltlich wie im Hollywoodfilm, mit Blei in der Luft und Autos als Deckung – formal aber zeigt Godard die Szene extrem zurückgenommen und fast dokumentarisch in einer einfachen Plansequenz. Dieser Zusammenprall von Genrekonventionen, Realismus und Godards ausgefallenen Regieeinfällen ist charakteristisch für WEEKEND: Ein experimentelles Roadmovie, höchst respektlos dem Zuschauer gegenüber und maximal unkonventionell, mit Anspielungen an Freud und Marx gespickt. Das alles ist abgrundtief böse, hochgradig verstörend – und dabei übrigens tierisch witzig. WEEKEND ist vielleicht der abgefahrenste, radikalste und rundum unglaublichste Film, der es halbwegs in den allgemein anerkannten Kanon geschafft hat.."
Sven Lohmann, schnitt.de