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Requiem

Alain Tanner CH 1998 100'

An einem sommerlich heissen Sonntag trifft sich der Erzähler Paul um zwölf Uhr mittags mit einem Gast, der in Wahrheit der Geist des grossen portugiesischen Schriftstellers Fernando Pessoa ist. Es folgen seltsame Begegnungen von Menschen aus dem Lissabon von heute mit Schatten aus einer wiederbelebten Vergangenheit; eine merkwürdige Vermischung findet statt. Tote treffen mit Lebenden zusammen, der Begriff Zeit löst sich auf.

"Die Geschichte ereignet sich am letzten Sonntag im Juli zwischen zwölf Uhr mittags und zwölfUhr Mitternacht in Lissabon. Es scheint, als wäre jener Sonntag der heisseste Tag des Jahresgewesen. Er war vor allem ein besonderer, der Halluzinationen und erstaunlichste Begegnungenbegünstigende.Die Zeit hat sich unter dem Einfluss der schweren Hitze aufgelöst. Vergangenheit und Gegenwartsind eins geworden. Die Lebenden und die Toten begegnen einander und rechnen miteinander ab.Aus dem Blickwinkel des Poeten Fernando Pessoa führen die Personen der Gegenwart und dieGeister der Vergangenheit im menschenleeren Lissabon, irgendwo zwischen Traum und Realität,Dialoge, die leicht und schwer zugleich sind, und befreien sich von der Last der Schuldgefühle.Zwischen Mittag und Mitternacht, am letzten Sonntag im Juli…«In REQUIEM erhält die klassische Tannersche Grenze eine ausschliesslich zeitliche und nach innengekehrte Dimension. Keiner der ausnahmslos symbolischen Charaktere in dieser portugiesischenStadt kann Traum und Realität unterscheiden und die einzige Trennlinie, die sich mit einer gewissenDeutlichkeit abzeichnet, ist diejenige zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Dieses Lissabon,Stadt der Seele (und nicht des Unterbewussten, weil, wie ein Billetverkäufer der Lotterie betont«wir nichts mit Mitteleuropa zu tun haben, wir haben Seele»), und doch auch letztes Refugium, Endstation,Land, das sich ins Jenseits erstreckt im Namen des antiken ‹finis terrae›, Ende der Welt,das unausweichlich in seiner DNA verankert bleibt.»"
Paola Malanga, Filmmaker''

"Pauls schwerer Spaziergang bietet viele Ein- und Übergänge zwischen dem Realen, Manifesten und der Transzendenz des zeitlichen Jenseits, welches von den übrigen Hauptpersonen und den Dialogen angezeigt wird. Aus seiner erwähnten ungebrochenen Präsenz in der realen Lissabonner Umgebung ergeben sich aber auch Irritationen: Viele minime Bewegungen des Hauptdarstellers Francis Frappat und viele Dialogmomente lassen sich nur mit gutem Willen nahtlos als Teil des fiktionalen Zeitraums lesen. Sie schnüren den Film auf dem naturalistischen Sprungbrett fest, statt das physisch Gegebene zum Halluzinativen hin zu öffnen."
Ruedi Widmer, CINEMA''