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Pianomania

Prix de la Semaine de la Critique Locarno 2009

Pianomania

A/D 2009 90'

Regie: Robert Cibis, Lilian Franck
Kamera: Robert Cibis, Jerzy Palacz
Ton: Sabine Panossian, David Benedikt, Ina Nikolow
Schnitt: Michelle Barbin
Musik: David Benedikt, Ina Nikolow, Matthias Petsche


Internet:
Son direct rencontre Semaine de la Critique Locarno




Der Held von Robert Cibis und Lilian Frank hat eine einzige Leidenschaft: Er sucht den perfekten Klang. Er tut dies überall dort, wo ein Steinway-Flügel steht. Eine höchst vergnügliche Hörschule.

Was ist der perfekte Klang eines Klaviers? Wie ergeht es einem Starpianisten, der sich in einem Konzertsaal auf einem ihm fremden Flügel auf eine Vorstellung vorbereitet? Dies sind die Fragen, die in PIANOMANIA beantwortet werden: mit Stefan Knüpfer, dem Cheftechniker von Steinway in Österreich. Knüpfer ist in dieser Funktion verantwortlich für den Klang der Klavierinstrumente vieler weltberühmter Pianisten, die ohne ihn wohl verloren wären. Und wenn sich die Frage stellt, was die Star pianisten Lang Lang, Alfred Brendel und Pierre-Laurent Aimard gemeinsam haben, dann kann man sagen: eigentlich nur Stefan Knüpfer. Alle drei haben andere Vorstellung von der Klangfarbe ihres Flügels, die auch kongruent mit der zu spielenden Musik und dem Komponisten zu sein hat. Denn ein Bach hat andere Tonnuancen als ein Schubert.
Stefan Knüpfer steht im Zentrum dieses Dokumentarfilms. Wir begleiten ihn in seinem ungewöhnlichen Arbeitsalltag, sind bei ihm, wenn die Meisterpianisten ihre Wünsche anbringen, die für den Laien kaum wahrnehmbare Nuancen sind. Aber für den Klavierspieler sind sie zentral. Fast aufopfernd, aber im vollen Verständnis für ihre Anliegen, macht Klangmeister Knüpfer alles für seine Kunden, weil auch er ein Perfektionist ist, zuhört, versteht und am Schluss, wenn gemeinsam der perfekte Klang gefunden wurde, glücklich und zufrieden ist. Der gebürtige Hamburger, gelernter Klavierbauer und Konzerttechniker, bleibt bei seiner Arbeit geduldig, humorvoll, verständnisvoll und immer engagiert. Sein Einfühlungsvermögen, seine technischen Fähigkeiten, seine Hartnäckigkeit und nicht zuletzt sein Erfindungsgeist machen ihn für viele Star pianisten unentbehrlich. Mit den meisten Künstlern ist er freundschaftlich verbunden. Wenn es ihm gelinge, deren hohe Ansprüche zu erfüllen, könne kein Applaus diese Zufriedenheit aufwiegen, sagt Knüpfer. Dank ihm lernen wir auch den Konzertbetrieb grosser Häuser kennen, sehen hinter die Kulissen, vernehmen, dass die Konzertflügel Nummern haben; liebevoll werden sie genannt, und es gibt auch Stars unter ihnen. Manchmal wer den die Flügel verkauft, ins Ausland – traurige Augenblicke für den Klang­meister, denn er liebt seine Instrumente, wie seine zwei Kinder und seine Frau.
Den beiden Filmemachern, dem ganzen Team und vor allem ihren Tonmeistern ist es gelungen, die Klang nuancen fürs Kino hörbar zu machen. Und hier liegt die besondere Spannung dieses Films: Wenn einem klar und hörbar gemacht wird, warum Pierre-Laurent Aimard, wenn er «Die Kunst der Fuge» von Bach auf nimmt, den Klang so haben will und nicht anders.
Madeleine Hirsiger, Semaine de la Critique Locarno 2009

"Nach diesem Film werden Sie ein Klavier nie mehr so anhören wie zuvor. Klaviere werden oft als seelenlose Musikmaschinen bezeichnet. Der Klavierstimmer Stefan Knüpfer zeigt uns in diesem Film über seine Arbeit, dass Klaviere zwar hochkomplexe Maschinen sind, aber mit sehr viel Temparement. Knüpfer arbeitet an den Wiener Konzerthäusern und ist ein akribischer Techniker, der sich nie mit dem ersten Resultat zufrieden gibt. Seine Akribie wird nur noch übertroffen von den Ansprüchen der Pianisten, die ihre Stücke seit 40 Jahren spielen und genau wissen, welchen Ton sie hören möchten. Bei einer Bach-Einspielung, die ein Jahr vor den Aufnahmen schon vorbereitet wird, muss das Klavier nicht nur nach Klavier, sondern auch mal nach Cembalo oder Clavichord tönen können. Und so versucht Knüpfer mit allen seinen Instrumenten und auch eigenen Erfindungen das letzte aus dem Klavier herauszuholen... um dann vom Pianisten zu hören: "Das ist sehr interessant, aber..." Aber Knüpfer verliert seinen Humor nicht und versucht es wieder. Der Film ist sehr spielerisch, man versucht als Zuschauer die Klangunterschiede herauszuhören. Der Film ist sehr intelligent, weil er in die Tiefe geht und den Zuschauer ernst nimmt. Man weiss bei den Pianisten und beim Techniker oft nicht, ob sie neurotisch sind oder extreme Spezialisten, vermutlich beides. Und der Film ist oft auch sehr lustig, und nicht nur in den Momenten, wo japanische Performance-Pianisten das Kloavierspielen auf die Schippe nehmen. Man wünscht sich dem Film eine Kinoauswertung, die auf der Höhe des Films ist."
Matthias Bürcher, artfilm.ch