Deutsch   English   Français    S’inscrire  

Nénette

Visions du Réel Nyon 2010

Nénette

F 2010 67'

Réalisation: Nicolas Philibert
Image: Katell Dijan, Nicolas Philibert
Son: Julien Cloquet, Laurent Gabiot, Jean Umansky
Montage: Léa Masson, Nicolas Philibert
Musique: Philippe Hersant



Lange sehen wir in Grossaufnahme die Augen Nénettes, der 40-jährigen Orang-Utan-Dame, die 1972 aus ihrem heimatlichen Borneo in den Pariser Jardin des Plantes kam, ohne dass ihr scheinbar richtungsloser Blick uns streift. «Nenette, ça va?», flüstert dann eine Kinderstimme, und stellt damit die Frage, die uns während des ganzen Films im Kopf nachklingen wird. Denn auch wenn die konsequente Komposition von NENETTE sich ausschliesslich auf durch die Glasscheibe aufgenommene Bilder der Titelheldin und ihrer Artgenossen beschränkt und uns so erlaubt, Verhalten und Ausdruck der Tiere in aller Ausgiebigkeit zu studieren, so bleibt es uns doch unmöglich, aus ihren so familiären wie unergründlichen Zügen zu lesen, was wirklich in ihnen vorgeht.
Tagaus, tagein wird das berühmte Zootier begutachtet, begafft, begrüsst, bemitleidet und bestaunt, und dient als Spiegel und Projektionsfläche für die Vorstellungen der Tierwärter und Besucher, deren Stimmen als stark konstruierter Tonteppich die Bilder begleiten. Die dicke Glasscheibe trennt dabei nicht nur Tier- und Menschenreich, Freiheit und Gefangenschaft, Objekt und Subjekt – sie trennt auch Bild- und Tonspur und verweist implizit auf die Möglichkeit der Manipulation. Es wird klar, dass es Nicolas Philibert um die Auseinandersetzung mit seiner eigenen Tätigkeit geht, mit dem Film als Art und Kunst, das Gefilmte in Bilder umzusetzen, die nicht zwingend der Realität entsprechen,und um die inhärentenethischen Fragen.
Visions du Réel Nyon 2010