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Naive Träume

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Naive Träume

CH 2013 30'

Regie: Peter Scheiner, Susanne Scheiner
Produktion: AVA Scheiner AG

Peter Scheiner, Susanne Scheiner 2013 30'

Die jüdische Gemeinde im slowakischen Komárno feiert 2011 ihr 220-jähriges Jubiläum. 220 Jahre – eine beeindruckende Zahl. Viele Gäste, auch aus dem Ausland, sind gekommen, der Bürgermeister ist da und natürlich die Mitglieder, sie nur eine kleine Zahl. Das wäre an sich nichts Aussergewöhnliches, in Europa leiden zahlreiche religiöse Gemeinden unter Mitgliederschwund. Doch in diesem Fall ist der Grund ein tragischer.

Eine jüdische Gemeinde trotzt dem Untergang

Zu Beginn der 1940er Jahre lebten in Komárno 2743 Juden, nur 248 haben den Holocaust überlebt, heute zählt die Gemeinde 45 eingeschriebene Mitglieder.

Zwei Brüder, Tamás und András Paszternák, Angehörige der sog. "second generation", haben noch als Teenager die Intiative ergriffen, der Gemeinde Leben einzu-hauchen. Sie begannen Gottesdienste und kulturelle Veranstaltungen zu organisieren und schufen eine Gemeindezeitung. Der Film zeigt ihr Engagement, geht aber auch den Menschen nach, die Komárno verlassen haben, aber regelmässig am lokalen Holocaust-Gedenktag teilnehmen. Thematisiert ist zudem die Geschichte der Juden in Komárno, sowie der in Reden am Gedenktag und in Gesprächen mit Komárner Bürgern, jüdischen und nichtjüdischen, der verstärkt auftretende Antisemitismus. Trotz letzterem prägt Hoffnung das Bild, denn u.a. konnte das Gemeindezentrum mit seiner kleinen, schönen Synagoge mit Hilfe von Spenden und Beiträgen der Stadt renoviert werden. Ein Teil der Spenden kam aus der Schweiz von Menschen, die aus Komárno stammen sowie von ihren schweizerischen Freunden und Familien.

Der naive Traum vom Bewältigen der Geschichte

Bernhard Odehnal, Tages Anzeiger
Komarno wirkt friedlich, fast verschlafen. Doch in Gesprächen mit seinen Bewohnern wird schnell Misstrauen und Angst spürbar: Die Slowaken fürchten sich vor ungarischen Gebietsansprüchen, die Ungarn fühlen sich unterdrückt. Kleine symbolische Handlungen können heftige Reaktionen auslösen. Als im Garten einer ungarischen Kirche das Mahnmal an Trianon aufgestellt wurde, marschierten slowakische Nationalisten auf und drohten mit Krieg. Als der damalige ungarische Staatspräsident Laszlo Solyom eine Statue des ungarischen Nationalheiligen Stephan in Komarno einweihen wollte, blockierten slowakische Polizisten die Donaubrücke und schickten das Staatsoberhaupt nach Ungarn zurück.
Heute wird man in Geschäften in beiden Sprachen begrüsst. Doch auf Ämtern, in Spitälern und bei der Polizei müssen Ungarn mit Ungarn slowakisch sprechen. Das slowakische Sprachgesetz, beschlossen vor fünf Jahren von einer sozialdemokratisch- nationalistischen Koalitionsregierung, schreibt es so vor.
Wer in Komarno eine ungarische Zweit- Staatsbürgerschaft annimmt, der verliert die slowakische. Auch das ist ein neues Gesetz. Einig sind sich Ungarn und Slowaken nur in ihrem Hass auf die Roma. «Niemand mag sie hier», sagt eine Lehrerin im ungarischen Gymnasium, «sie sind faul, stehlen und leben von unseren Steuern.» Den Einwand, dass Roma doch heute Opfer ähnlicher Vorurteile und Gewalt seien wie früher die Juden, quittiert sie mit Empörung: Dieser Vergleich sei absolut unzulässig.