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Magic Hour

Visions du Réel Nyon 2000

Magic Hour

A 1999 44'

Regie: Manfred Neuwirth
Kamera: Manfred Neuwirth
Ton: Dietmar Schipeck
Schnitt: Manfred Neuwirth

Neuwirth richtet seine Kamera im dritten Teil seiner Trilogie auf heimatlichere Gefilde: Niederösterreich, wo er aufwuchs und noch heute lebt. Der Blickwinkel ist derselbe: eine Analyse von Details aus dem Alltagsleben, angefangen von einer Bierflasche auf einem Tisch bis hin zu gemächlich vorbeiziehenden Wolken. Das Ziel: Alltägliche Dinge, die man aus Gewohnheit gar nicht mehr richtig wahrnimmt, werden aus einer neuen Perspektive gezeigt. Ein durch einen Maschendrahtzaun gefilmtes Fussballspiel scheint plötzlich geheimnisvoll. Und die Falten eines Akkordeons in der Detailaufnahme nehmen fast abstrakte Proportionen an.
Wie die anderen Filme der Trilogie, so besteht auch MAGIC HOUR aus mehreren gleichlangen Einstellungen. Sie sind fünffach verlangsamt und durch Abblendungen voneinander getrennt. Surround-Sound wird oft als Kontrapunkt zu den Bildern eingesetzt. Neuwirth kombiniert die Präzision des minimalistischen Experimentalfilms mit der Poesie eines Videotagebuchs. In der Zeitlupe zeigen kleine Gesten ein Pathos, den wir bei Normalgeschwindigkeit nicht bemerken würden. Den Filmemacher faszinieren zeitlich begrenzte Phänomene: Feuerwerke, aufblitzende Lichter, das Geräusch tropfenden Wassers, das Radio vorbeifahrender Autos. In der Filmkunst bezieht sich der Ausdruck «magic hour» auf die besonderen Lichtverhältnisse kurz vor Sonnenuntergang. Ein kurzzeitiges Zusammentreffen von zwei Elementen aus der Physik: Zeit und Optik. Dieses Aufeinandertreffen wird in magic hour immer wieder ausgelotet – wie die Kirchenglocken, die im Off läuten, während die Kamera dem Muster von Pflastersteinen folgt.
Visions du Réel Nyon 2000