Deutsch   English   Français    Anmelden  

Le poison

Visions du Réel Nyon 2003

Le poison

CH 2003 54'

Regie: Stéphane Goël
Drehbuch: Stéphane Goël
Kamera: Camille Cottagnoud
Ton: Benedikt Frutiger, Julien Sulser
Schnitt: David Monti
Musik: Julien Sulser


Internet:
Climage

Dossier Visions du Réel





 

Im Juni 1949 füllte das Verbrechen von Maracon die Spalten der juristischen Berichterstattung in der Westschweiz. Zwei junge Mädchen wurden scheinbar ohne Motiv ermordet. Rund 20 Jahre untersuchte die Polizei den Fall, ohne den Schuldigen je zu finden. Dieses Ereignis hat die Gegend stark geprägt und ein Klima des Misstrauens geschaffen, das heute noch zu spüren ist. Anhand von Aussagen der wichtigsten Akteure erzählt der Film die Geschichte dieses Dramas und zeigt, wie die Gerüchte um einen nicht verarbeiteten Trauerfall eine ganze Gegend anhaltend vergiften können.

Auch mit über siebzig Jahren ist Wachtmeister Pahud noch nicht darüber hinweg. Ebensowenig wie die restliche Bevölkerung von Semsales, einem kleinen Marktflecken im Kanton Freiburg; nach außen hin ein Dorf wie jedes andere in dieser Gegend, trägt es jedoch heute noch die Spuren eines kollektiven Traumas, das weiter zurückliegt als fünfzig Jahre: der Mord an Hélène Monnard und Marie-Thérèse Bovey; er wurde nie aufgeklärt. Was die Tatsachen angeht, kann LE POISON - LE CRIME DE MARACON auf die dicke Akte des Falles zurückgreifen - die 1969 geschlossen wurde: Polizeiprotokolle, Schriftverkehr aller Art, Fotos. Doch was Stéphane Goël interessiert, ist etwas anderes. Der Filmemacher kehrt an den Tatort zurück, um den Gründen für den kollektiven Wahn nachzuspüren, der damals die Dorfbewohner befallen hat. Während die Ermittlungen auf der Stelle traten, machten in der kleinen Gemeinde schnell die verrücktesten Gerüchte die Runde, die das Leben der Bewohner auf Jahrzehnte hin vergifteten und Eifersucht, Groll und Frustration jedes einzelnen zu Tage treten ließen. Noch fünfzig Jahre nach der Tat, und trotz der Schamhaftigkeit, die den Menschen dieses Landstriches eigen ist, sind die Emotionen der Familien der Opfer, die sich der Kamera stellen, noch sehr präsent. Die gleiche Erregung herrscht unter den Verdächtigen, die öffentlich an den Pranger gestellt wurden und zum Teil ihr ganzes Leben lang auf eine nie erteilte Absolution warten sollten.
In Semsales hat das Gerücht sein Gift auf lange Zeit ins kollektive Unbewusste geträufelt. Und es hat sein unheilvolles Wirken noch nicht beendet.
Visions du Réel