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L'autre moitié



Zwei Brüder treffen sich mit 40 zum ersten Mal an der Beerdigung ihrer Mutter. Sie sind getrennt aufgewachsen, der eine in Algerien, der andere in Frankreich. Weil der eine radikal islamistischen Kreisen nahesteht und kurz nach der Beerdigung verhaftet wird, hält er den anderen für einen Polizisten. Der Film erzählt die schwierige Annäherung dieser beiden Brüder in einem Klima von Misstrauen und Paranoia.

Die Stärken des Films von Rolando Colla liegen eindeutig in der Auseinandersetzung der beiden Brüder, dem von Colla beabsichtigten «Annäherungskampf». Der Regisseur und Drehbuchautor erzählt die Geschichte einer gescheiterten Migration. Louis ist bei seiner Schweizer Mutter aufgewachsen, Hamid nach dem Tod seines Vaters beim Grossvater in Algerien. Nachdem er wegen seiner Zugehörigkeit zur islamistischen FIS (Front islamique du Salut) im Gefängnis gelandet ist, flüchtete er nach Europa. Dort bewegt er sich ebenfalls in einem Grenzbereich der Legalität.
Die ungleichen Erfahrungen in ihrem Leben sorgen dafür, dass die Brüder durch unterschiedliche Erwartungen und Kulturen getrennt werden. Dennoch möchten sie gerne mehr über ihre «andere Hälfte» erfahren. Die Herantastung zwischen Neugier und Ablehnung, Misstrauen und Zuversicht gestaltet Colla beklemmend und eindringlich. Aus der Konfrontation zwischen dem emotional abgekapselten Hamid und dem aufdringlich aufgeschlossenen Louis erzeugt Colla eine fesselnde Spannung.
Thomas Hunziker, Cineman

"L'AUTRE MOITIE handelt sehr präzis von den Risiken einer Illusion. Das Ende ist optimistisch und bleibt tragisch und offen. Ein anständiger Realist wie Rolando Colla könnte ja auf keine andere «Lösung» kommen als die, dass es keine Garantie dafür gibt, dass Gleich und Gleich sich leicht und gern gesellen."
Christoph Schneider, Tages Anzeiger