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Die letzte Chance

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Festival de Cannes 1946 - Grand Prix
Golden Globe 1947

Die letzte Chance

CH 1945 106'

Regie: Leopold Lindtberg
Drehbuch: Richard Schweizer
Produktion: Praesens Film

Leopold Lindtberg 1945 106'

Oberitalien im Herbst 1943. Der englische Leutnant Halliday und der amerikanische Sergeant Braddock fliehen aus einem deutschen Kriegsgefangenenzug. Sie wollen sich in die Schweiz durchschlagen. Unterstützt von italienischen Zivilisten erreichen sie ein Bergdorf, die letzte Station vor der Grenze hoch im Gebirge. Sie werden vom Dorfpfarrer versteckt und lernen den englischen Major Telford kennen. Im Zusammenhang mit Mussolinis Befreiung greifen deutsche Truppen das Dorf an. Der Pfarrer wird hingerichtet. Die drei Angelsachsen entscheiden sich, eine Gruppe von Flüchtlingen, die vom Pfarrer auf ihre Flucht vorbereitet worden ist, in die Schweiz zu führen, welche für sie - daher der Filmtitel - die letzte Chance darstellt. Aufstieg im Schneesturm und ein letzter Zwischenhalt in einer Berghütte. Bernhard, ein junger Deutscher, lenkt unter Einsatz des eigenen Lebens die deutsch-italienische Grenztruppe ab. Er stirbt unter deren Kugeln wie auch ein alter jüdischer Schneider. Halliday, der den Juden retten will, wird schwer verwundet, erreicht aber, wie die übrigen Flüchtlinge, die Schweiz. Durch ein Telefongespräch mit Bern erwirkt der Schweizer Grenzoffizier, daß den Flüchtlingen entgegen den geltenden Bestimmungen politisches Asyl gewährt wird. Halliday stirbt auf dem Weg ins Spital und wird mit militärischen Ehren bestattet.

DIE LETZTE CHANCE bot dem Schweizer Kinopublikum optisch und inhaltlich eine ganze Reihe von Neuerungen: Die Waffen-SS wurde gezeigt, ein faschistischer Spion trat auf, nächtliche Deportationen und ein Massaker an der Zivilbevölkerung kamen ins Bild, in der Tat ungewöhnte Einstellungen für eine Bevölkerung, welcher die Zensur während der gesamten Kriegsdauer Aufnahmen von Flüchtlingen vorenthalten hatte. Auch die Darstellung, ja nur schon die Erwähnung des Gegners war im einheimischen Filmschaffen in all diesen Jahren völlig tabuisiert gewesen. Da Presse, Rundfunk und Film während des Krieges in der Schweiz der Zensur unterstanden, lag für Filmprojekte faktisch eine Vorzensur vor, denn das Risiko eines Verbots nach Fertigstellung eines Films konnte kein Produzent eingehen. Angesichts der Thematik von DIE LEZTE CHANCE waren die Behörden von Anfang an besonders wachsam. Dies um so mehr, als Lazar Wechsler, der Gründer der Praesens-Film AG, die den Film produzierte, aus Russischpolen stammte und in Verdacht stand, kommunistische Propaganda zu betreiben, nachdem er 1944 den von der Zensur verbotenen Film über die Wendeschlacht von Stalingrad importiert hatte. Regisseur Leopold Lindtberg als jüdischer Österreicher war ebenfalls suspekt, zumal er als Hausregisseur am Zürcher Schauspielhaus amtete, das zur letzten freien deutschsprachigen Bühne Europas geworden war und sogar Brecht inszenierte.
Die Dreharbeiten zu DIE LETZTE CHANCE wurden wiederholt von den Behörden behindert. Mehrmals wurde den ausländischen Hauptdarstellern, die im Film ausnahmslos in ihrer Muttersprache redeten (auch dies eine formale Neuerung), die Arbeitsbewilligungen verweigert. Dann wieder erklärte die Zensurstelle im letzten Moment Drehorte zu Objekten von militärischer Bedeutung, was kostspielige Umdispositionen nötig machte. Noch kurz vor der Premiere, die wegen der schikanösen Verzögerungen erst knapp drei Wochen nach dem Waffenstillstand stattfand, ließen sich drei Mitglieder der Landesregierung in Begleitung einiger hoher Offiziere den Films zur Kontrolle ein letztes Mal vorführen. Ihre Reaktion war eisig bis ablehnend: Der Chef des Militärdepartements rügte, daß ein Gradabzeichen auf einer Uniform falsch angebracht worden sei, und ein anderer Magistrat stieß sich daran, daß es der Schweizer Heilkunst nicht einmal gelinge, den angeschossenen Engländer zu retten, während der Film permanent hilfsbereite Amerikaner und sympathische Italiener vorführe.

Felix Aeppli