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Vaters Garten

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Schweizer Filmpreis 2014 - Bester Dokumentarfilm und beste Montage Tania Stöcklin
Berlinale 2013 - Forum
Visions du Réel Nyon 2013
Zürcher Filmpreis 2013

Vaters Garten

CH 2013 93'

Regie: Peter Liechti
Drehbuch: Peter Liechti
Kamera: Peter Liechti, Peter Guyer
Ton: Florian Eidenbenz, Peter Bräker
Schnitt: Tania Stöcklin
Produktion: Liechti Filmproduktion GmbH

Peter Liechti 2013 93'

«Um Himmels Willen – das sind Fragen!», sagt die Mutter, als der Sohn das Gespräch eröffnet; über Jahrzehnte war man sich ausgewichen.

«Wenn man hat, was man gerne mag – was willst du noch mehr? Ein normales Leben, könnte man sagen. Ein ganz normales Leben.»

Der Film ist das Protokoll einer späten Wiederbegegnung des Regisseurs mit seinen alten Eltern – und der Versuch einer persönlichen Geschichtsrevision. Dabei entstand ein neues Bild der Eltern, das auch immer wieder Einblick gewährt in eine Ära, deren Ende längst eingeläutet wurde. Die Geschichte ihrer Ehe berührt hingegen als zeitloses Drama; noch heute wird uns wind und weh dabei.

«Wer von euch bestimmt in dieser Wohnung?» - «Dafür haben wir kein Reglement. Wir beraten uns gegenseitig. Und das, was mich überzeugt, das machen wir dann.»

Statement des Regisseurs

Alle Menschen kommen irgenwann in ihrem Leben an einen Punkt, wo die Eltern (auch die verstorbenen) wieder an Wichtigkeit gewinnen. Spätestens dann, wenn sie selber Kinder kriegen, oder wenn sie irgendwie Bilanz ziehen, eine Lebenskrise zu bewältigen haben, oder sich grundsätzlich neu ausrichten wollen. Plötzlich sind die Eltern wieder ein Thema, plötzlich besinnt man sich auf früher und sucht die Verbindung wieder herzustellen mit der eigenen Herkunft, mit den alten "Instanzen"... Nun bin ich endlich selbst hier angekommen.

Wir stehen alle in einer langen Abfolge von Generationenwechseln, und jede Generation trägt die Errungenschaften, die Wertungen, Traumata und Utopien der vorhergehenden in sich. Deshalb muss uns auch daran gelegen sein, unsere eigenen Wurzeln zu kennen. Ein Bruch mit der Kindheit, ein "Löschen" der persönlichen Hintergründe macht uns zu Entwurzelten.

In früheren Zeiten änderten sich die traditionellen Werte und gesellschaftlichen Verhältnisse nur langsam. Dementsprechend hatte man Zeit, zu lernen und zu verstehen. Sich an Neuerungen zu gewöhnen und sie in die eigene Welt zu integrieren. Das hat sich in den letzten Jahrzehnten gründlich geändert. Die Generation der über 80-Jährigen hat im Verlauf eines einzigen Lebens derart massive Veränderungen und Paradigmenwechsel erfahren, dass sie gleichsam abgekoppelt ist vom heutigen Alltag. Die Alten verstehen nur noch das wenigste von dem, was die junge Generation umtreibt, und die Jungen können sich die Zeit vor 60 Jahren kaum mehr vorstellen. Diesen Bruch empfinde ich als die radikalste Veränderung in der abendländischen Kultur seit ihrem Bestehen; der Riss geht mitten durch unsere Seelen.

Bevor meine Eltern überhaupt Kenntnis genommen hatten von einer sogenannten "Moderne", fanden sie sich bereits in der Zeit nach der "Post-Moderne". Trotz oder gerade wegen ihrer kleinbürgerlichen Immunität gegen gewisse Zeitströmungen verkörpern sie das klassisch "abendländische" Selbstverständnis ihrer Generation. Die Art, wie sie die Dinge sehen und machen, ist längst nicht mehr zeitgemäss, und dennoch empfinden wir es als typisch für "unsere Art". Sie sind Bilderbuch-Schweizer, doch keine Hinterwäldler. Beide sind gebildet und gut informiert – wenn auch aus sehr verschiedenen Quellen:Mutter prophezeit seit je eine Apokalypse biblischen Ausmasses, den Untergang der Menschheit als Folge ihrer masslosen Gier, der Allmacht des "goldenen Kalbes", der Abwendung von Gott und Enttabuisierung aller Lebensbereiche.Vater ortet die fortschreitende Degeneration vor allem bei den Jungen: Gewalt und Respektlosigkeit der Jungen gegenüber den Alten. Eltern und Lehrer, die ihre marodierenden Kinder nicht mehr in den Griff bekommen. Die Auflösung "natürlicher" Rollen zwischen Mann und Frau. Die Entwertung realer Arbeit zugunsten von Spekulation und Profit...

Nicht zuletzt geht es mir in diesem Film auch darum, Menschen wie meinen Eltern, die nie im Rampenlicht der sogenannten "Öffentlichkeit" standen und trotzdem – oder erst recht – ihren lebenslangen Beitrag zur Erhaltung unserer Gesellschaft und Kultur geleistet haben, ein kleines Denkmal zu setzen. Und mit ihnen einer ganzen Epoche, die dabei ist, ebenso still und unauffällig zu verschwinden.

Peter Liechti