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Théâtre de l'Espérance

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720p,540p - UT -


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Ausflug ins Gebirg (Showreel)


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Théâtre de l'Espérance

CH 1987 19'

Regie: Peter Liechti
Drehbuch: Peter Liechti
Kamera: Clemens Steiger
Ton: Florian Eidenbenz
Schnitt: Peter Liechti
Musik: Sun Ra, Elvis Presley
Mit: Roman Signer


Internet:
Website Peter Liechti

Retrospektive Stadtkino Basel 1.-31. Mai 2006

ISAN: 0000-0000-8A6D-0000-U-0000-0000-L





Peter Liechti 1987 19'

Heute ist es doch so: Weltfrieden, Auf - und Abrüstung sind abgedroschene Themen und die Bilder aus TV und Zeitung dazu sind abgedroschene Bilder. Im Bewusstsein dieser Tatsache habe ich mich - nicht ohne Lust - daran gemacht, die längst verbrauchten Bilder vom Genfer Gipfeltreffen zwischen Reagen und Gorbatschow noch einmal ans Licht zu zerren ...

Der Film ist eine Wiederaufführung jener Tage, und zwar möglichst exakt so, wie sich die Bilder, herrlich fluoreszierend, in mein Gedächtnis eingebrannt haben. Material hierzu habe ich zum einen als Zaungast in Genf gesammelt, zum andern sind die alten TV-Bilder so lange bearbeitet worden, bis sie gefügig wurden.

Den Rahmen zur Geschichte hat Roman Signer beigesteuert: Refrain, Kommentar und frische Luft.

Ein Ausflug in die Bilderwelt

von Ralph Hug, Ostschweizer AZ

Ronald Reagan, Michail Gorbatschow und nicht zuletzt Kurt Furgler sind die Hauptdarsteller in Peter Liechtis neuem Film THEATRE DE L'ESPERANCE, der heute abend in der St.Galler Grabenhalle zu sehen ist. Liechti ging mit der Super8Kamera nach Genf zum Gipfeltreffen 1985, um Bilder dieses THEATERS DER HOFFNUNG einzufangen. Was er subjektiv filmte, konfrontierte er später mit den objektiven Bildern, die den TVZuschauern in aller Welt vom selben Anlass in die Stube geliefert wurden. Daraus entstand keine Politsatire, sondern eine filmischkünstlerische Neuinszenierung mit Bildern. die von Liechti so lange bearbeitet wurden, bis sie gefügig wurden.

Wie nahe kommt man überhaupt an die Sache heran? Von welcher Erlebnisqualität sind die Bilder? Welchen Erfahrungsschatz bergen sie und wie kann dieser hervorgeholt, sichtbar gemacht werden? Das waren Fragen, mit denen Liechti, von der Faszination des Grossunternehmens «Gipfeltreffen» angezogen, nach Genf fuhr. Er und sein Begleiter, der Künstler Roman Signer, suchten mit der Kamera nach einer Wirklichkeit, die dem Normalbürger sonst nur künstlich per Bildschirm zugänglich ist. Tatsächlich waren sie überrascht: Statt in die Hände von Sicherheitsbeamten und «Gorillas» zu geraten, gelang es ihnen, unerwartet nahe an die Ereignisse zu stossen:

Im Vorortszug nach Versoix machten sie den Punkt ausfindig, an dem der amerikanische Konvoi trotz täglich wechselnder Routen immer vorbeifahren musste. Dort filmten sie schemenhafte, gepanzerte Limousinen, die mit Vollgas die Repräsentanten der Macht an den Konferenzort transportierten, und erhielten so erste Bilder von symbolhafter Prägnanz.

Schliesslich stiessen sie gar ins Hotel vor, wo die Delegationen unter scharfer Bewachung konferierten, dies mit Hilfe einer Verwechslung: Der Gastwirt, bei dem sie ein Taxi bestellt hatten, hielt sie für Gäste des Hotels und bestellte prompt das luxuriöse Hoteltaxi, in welches Liechti und Signer nach einigem Zögern kurzerhand einstiegen...

«Es war zum Teil wie Science Fiction», berichtet Liechti über seine Genfer Erlebnisse, die ihm viel authentisches Bildmaterial lieferten, das es nach radikalsubjektiven Kriterien auszulesen galt. Der besondere Reiz lag nun in der Konfrontation mit den privilegierten TV-Bildern, die Liechti allerdings nicht einfach unbesehen übernehmen mochte: Die abgedroschenen Bilder eines auch abgedroschenen Themas (Abrüstung) mussten neu ans Licht gezerrt, es musste ihnen ein neuer Realitätsgehalt gegeben werden, damit sie wieder zu sprechen anfingen. Dies besorgte Liechti in langwieriger Schneid und Studioarbeit, wobei das Super-8 und Videomaterial auf 16 mm verarbeitet und zu einem Werk zusammengefügt wurde. Die Rahmenhandlung lieferte Liechti eine Aktion von Roman Signer, der auf der Hundwiler Brücke einen Koffer übers Geländer sausen lässt, aus dem Tausende von Makulaturblättern in die Tiefe regnen.

Auch als inhaltlicher Kommentar zum Genfer Gipfel ist diese Aktion gedacht, aus der leicht eine Vielzahl symbolischer Bezüge herausgelesen werden können, von der Papierflut bis zur Tatsache, dass der Koffer letztlich in einem Strudel verschwindet

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