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Tagediebe

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Léopard d'argent Festival del film Locarno 1985

Tagediebe

CH 1985 100'

Regie: Marcel Gisler
Drehbuch: Marcel Gisler
Kamera: Ruediger Weiss
Ton: Hans Martin
Schnitt: Catherine Stegens
Produktion: Marcel Gisler Filmproduktion
Mit: Dina Leipzig, Rudolf Nadler, Lutz Deisinger

Marcel Gisler 1985 100'

Im winterlichen West-Berlin leben Max, Laurids und Lola in einer Wohnung, deren eigentlicher Mieter verreist ist. Bei seiner Rückkehr werden die drei ausziehen müssen. Dieser Umstand gibt ihrem Zusammensein etwas Unbestimmtes, Vorläufiges... so versucht jeder der drei auf seine Art dem Alltag ein wenig Sinn abzugewinnen. Sie sind - wie der Titel sagt- «Tagediebe».

Max liebt Lola, die aus Paris nach Berlin gekommen ist, um als Sängerin oder Filmschauspielerin Karriere zu machen. Eines Abends, bevor sie allein ausgeht, erklärt sie Max, dass die einzige Rettung darin bestehe, unzeitgemäss zu sein. Sie trägt deshalb auch eine Frisur, die aussieht, wie die überdimensionierte Kopfhaube eines exotischen Vogels: ein Zeichen ihrer egozentrischen, herausfordernden Vitalität. So kommt es, dass Auseinandersetzungen auf allen Ebenen stattfinden, und dass alle drei beginnen, Stellung zu beziehen und sich voneinander abzugrenzen. Aber was sie im Innersten beschäftigt kommt nicht zur Sprache: «Man hätte antworten müssen auf nicht gestellte Fragen», wird Max später feststellen womit er die subtile Stimmung dieses Films präzis einfängt.

TAGEDIEBE hat Frische und Selbstironie. Gisler, der natürlich auch seinen Eustache (MAMAN ET LA PUTAIN) und seinen Jarmusch (STRANGER THAN PARADISE) kennt, ohne sich auf diese Filmmusterkoffer zu verlassen, denkt nicht auf Leben und Tod. TAGEDIEBE ist ein Film, der die Vergangenheit noch nicht gelöscht hat. Man schlägt sich durch, aber man schneidet sich nicht ab.
Karsten Witte, Die Zeit

Marcel Gisler hat mit der Schilderung dieser drei "unbehausten" Menschen in der Grossstadt Berlin einem überraschenden Erstlingsfilm geschaffen, der ungewöhnlich stimmig und stimmungsvoll das Lebensgefühlt einer "No Future"-Generation locker und unprätentiös zum Ausdruck bringt. Mit viel Gespür für die richtige Atmosphäre hat Marcel Gisler mit seinen (allesamt hervorragenden) Darstellern kleine Episoden und Alltagszenen improvisiert und entwickelt, durch die das Trio sehr präzise, realitätsbezogene Konturen gewinnt.
Franz Ullrich, Zoom

Vielleicht ungewöhnlichstes, im heutigen jungen Filmschaffen jedenfalls auffallendstes Merkmal dieses Film sind Inhalt und Qualität seiner Dialoge. Da wird nicht einfach witzig formuliert, sondern da wird versucht, Existentielles, Grundlegendes begrifflich zu fassen und zu klären. Es ist eine Wohltat, für einmal nicht den mehr oder weniger fixen Sprüchen irgendwelcher abgeschlaffter Typen zuhören zu müssen. Die Theorie der Untätigkeit, die Max vorliest, während Lola arbeitet, seine im komisch-würdevollen Ernst vorgetragenen, erkennbar von Eifersucht mutdiktierten Ausführungen über Moral und Prostitution - hier wird Alltag und damit das Leben als moralisches Problem verhandelt, ohne dass der Film je im geringsten moralisierend zu werden brauchte.
Christoph Egger, NZZ

In TAGEDIEBE wird die aktuelle Misere nicht übertüncht, nicht für Blauäugigkeit geworben. Es wird bloss unverkrampft und ohne Aufbau- oder Demoralisierungsabsicht von einem anderen, zwar chancenlosen, aber immerhin manchmal glücklichen Leben erzählt - ein Leben ohne Stress und Zukunftsangst, das naive Leben der jung gebliebenen Spinner.99
Wolfgang Brenner, Tip Berlin''