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Staub

Staub. Er ist überall und allgegenwärtig. Ein Konglomerat feinster Partikel, das sich in Bewegung setzt, sobald die Dinge zur Ruhe kommen. Er wird bekämpft und beseitigt und kehrt noch im Verschwinden zurück. Ein Sysiphus, wer sich mit ihm anlegt. Staub nistet in Teppichböden und auf Dachstühlen. Er dringt in Laboratorien ein und legt sich auf Kunstwerke. Er wird von Fabrikschloten in die Luft geblasen und wohnt in jedem Regentropfen. Staub macht krank, Staub macht den Kosmos. Er ist das kleinste, noch unmittelbar sichtbare Objekt, von dem ein Film handeln kann.

Staub verschwindet nicht."Der Blick des Regisseurs bleibt stets dokumentarisch, verharrt in analytischer Distanz. Die Kamera diskret positioniert, lässt er einen Biologen erklären, wie Pflanzen ihre Blattoberflächen selbst reinigen; verfolgt Schritt für Schritt, wie Frauen in einer Fabrik ein Gerät montieren und verpacken, von dem man am Schluss erfährt, es handle sich um einen Luftwascher; guckt Res tauratorInnen im Museum über die Schulter, wenn sie zärtlich antike Skulpturen abpinseln.
Seine eigentliche Erzählkraft schöpft der Film aus dem assoziativen Fluss des Kommentars, gehalten in der Tradition der «Voice of God» - des allwissenden Kommentators - , wie sie der klassische Dokumentarfilm entwickelt hat. Nie aber wirkt Bitomsky dabei schulmeis terlich. Einem Vogel gleich schwingt sich sein Kommentar, beflügelt durch die Montage, von Sequenz zu Sequenz und verwebt so die Stimmen der verschiedenen StaubexpertInnen zu einem facettenreichen Ganzen.
Nie illustriert der Film Gesagtes oder bedient Klischees mit bekannten Bildern. Zurückhaltend, ja ausgesucht ist selbst die Farbgebung im Film: Weiss dominiert - in den geputzten Innenräumen, den Labors und Museen ebenso wie in den Labormänteln der WissenschaftlerInnen, den Schutzanzügen der RaumpflegerInnen und den Kitteln der RestauratorInnen. «Farbe», lässt sich der Regisseur an einer Stelle vernehmen, «ist Staub, der auffallen will.» Und: «Film ist Staub, der in der Dunkelheit des Kinos aufleuchtet.» Vielleicht staubt es schon bald in einem Kino in Ihrer Nähe ...
Franziska Meister, WOZ