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Rückblende (Buch)

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2007

1 Buch
Sprache: Deutsch

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Heute ist «Filmen» ziemlich einfach: die digitale Kamera zeigt dem Kameramann jederzeit das aufzunehmende Bild in «Endqualität». Unmittelbar nach jeder Aufnahme überprüft dieser mit dem Regisseur Bild und Ton am grossen Fernsehmonitor auf technische und gestalterische Qualität.

Am Computer werden die abgedrehten Szenen per Mausklick in die gewünschte Reihenfolge gebracht und auf die richtige Länge gekürzt - möglicherweise gelangt der soeben produzierte «Film» als Digitalvideoband bereits am gleichen Abend im (Farb-)Fernsehen zur Ausstrahlung.

Vor 50 Jahren waren Bild/Tonaufnahmen aufwändiger: die Bild- und die Tonkamera wogen je rund 50 kg und benötigten einen Drehstromanschluss (3 x 380 V) - dieser Aufwand rechtfertigte sich nur für Dialogszenen bei Spielfilmen - und diese wurden meist nur schwarz/weiss produziert.

Der Kameramann musste sich für die Ausleuchtung der Szene auf seine Erfahrung verlassen; der Regisseur musste die Handlung von blossem Auge beurteilen - das Resultat sahen sie erst am nächsten Tag auf der Leinwand, wenn das Filmmaterial entwickelt und kopiert vorlag. Der Cutter markierte am Schneidetisch jeden «Schnitt» auf der Arbeitskopie und im entsprechenden 35mm-Tonband mit Fettstift und führte ihn dann in beiden Bändern mit Schere und Klebeband aus...

Alle Gebiete der Filmproduktion - Aufnahme, Bildbearbeitung (Filmlabor), Tontechnik usw. - erfuhren ähnlich einschneidende Umwälzungen, welche sich auch auf die Produktionsmethoden und auf die Filmberufe auswirkten.

André Amsler hat fast 50 Jahre dieser Entwicklung in verschiedenen Funktionen miterlebt: im Filmlabor, als Tonassistent, Cutter, Fernsehmitarbeiter, als Produktionsleiter und Produzent. In thematisch gegliederten Kapiteln beschreibt er die technischen Neuerungen, die sich ändernden Arbeitsweisen sowie die personellen und gestalterischen Auswirkungen. Das Buch berücksichtigt schweizerische Verhältnisse, musste doch das kleine Filmland oft eigene Wege finden, um trotz kleiner Ressourcen international mithalten zu können. Mit der detaillierten Behandlung der Laborarbeiten (Entwickeln, Kopieren usw.) vermittelt das Buch Einblick in eine Industrie, die vielleicht in 10 Jahren nur noch Geschichte sein wird.

Besprechung

Christoph Egger, NZZ

Bücher zur Filmtechnik sind in der Regel Nachschlagewerke, Lexika, Wörterbücher - und je trockener, desto zuverlässiger. Mit dem jüngsten Buch von André Amsler scheint uns nun allerdings eine neue Gattung eröffnet: der technische Leitfaden, das historische Kompendium und der persönliche Erinnerungsbericht in einem. «Fünfzig Jahre Produktionstechnik» lautet der Untertitel, der damit die Zeitspanne vom «Schwarzweissfilm zum Digitalvideo» bezeichnet. Das Buch zeichnet die Entwicklung in der Schweiz nach und ist ein substanzieller Beitrag zur Schweizer Filmgeschichte; sein enormes Fachwissen erlaubt es dem Autor aber auch, die internationale Entwicklung mit im Blick zu behalten.

Amsler hat sich als gelernter Fotograf bei der Schwarz-Filmtechnik in Bern zum Filmlaboranten, bei der Sonor-Film in Ostermundigen zum Tontechniker ausgebildet, war von 1957 bis 1964 Chefcutter des «Versuchsbetriebs für ein Schweizerisches Fernsehen», bestand danach die Fremdmatur, baute den technischen Betrieb der AG für das Werbefernsehen auf, war in Nigeria Leiter der staatlichen Filmstelle, hierauf Produktionsleiter eines Werbefilmstudios, Technischer Leiter des Filmlabors Cinégram in Zürich, bis er die Zürcher Topic-Film übernahm. Alle diese und verschiedene weitere Tätigkeiten dienen dazu, die je spezifischen technischen, organisatorischen und nicht zuletzt personellen Voraussetzungen und Abläufe darzustellen. Vom Autor stammen auch die Tabellen, Diagramme und präzisen technischen Zeichnungen, von der «frühen Durchlauf-Entwicklungsmaschine» bis zur Laboranlage.

Wer sich ein Bild von der Schweizer «Filmindustrie» machen will, findet hier einen einzigartigen Insiderbericht. So wird etwa anhand der Kunden der Schwarz-Filmtechnik und der Sonor- Film auf vollen zwanzig Seiten ein Panorama der in den fünfziger Jahren tätigen Firmen entworfen, die zumeist Einmannbetriebe waren. Hier, aber durchaus auch in Verbindung mit der Darstellung technischer Vorgänge und Probleme, findet der Autor immer wieder Gelegenheit zu Anekdoten, die auf komische Weise erhellen, wie die Filmmanufaktur Schweiz funktionierte und bis heute funktioniert. Sein Engagement in der Verbandsarbeit lässt ihn aber auch stets die gesellschaftliche Dimension des schweizerischen Filmwesens bedenken. - Gewünscht hätte man sich für dieses Buch, das für die Beschäftigung mit dem Schweizer Film gleichsam die Materialbasis bereitstellt, ein Personenregister. Bedauern muss man, dass für ein Nachschlagewerk dieses Formats kein besseres Papier zu erübrigen war.