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Persona non grata

Man kann von vergangenen Dingen erzählen, ohne ihnen das Leben auszublasen. Ein Sohn kann seinen Vater porträtieren, ohne ihn zum Helden zu machen. In PERSONA NON GRATA begleitet Fabio Wuytack (VdR 2005, MADE IN ITALY) seinen Vater Frans nach Venezuela, wo dieser in den 1960er Jahren als Priester in den Barrios (Elendsvierteln) von Caracas arbeitete. Frans lebte unter den Ärmsten und teilte sein Hab und Gut mit ihnen. Über all dies Elend empört, weigerte er sich, an die Unveränderlichkeit der Verhältnisse zu glauben. Er unternahm eine Reihe militanter Aktionen und forderte mehr Gleichheit zwischen den sozialen Schichten. Dass er sich dabei mit der Kirche überwarf, war weniger wichtig. Die Leute litten, und er wollte ihnen helfen, ohne auf etwaige Massnahmen der Politiker zu warten. Siebenmal ins Gefängnis gesteckt, doch von den Bewohnern der Barrios stets unterstützt, wurde er 1970 als Persona non grata des Landes verwiesen.
Als er zwei Jahre später als Docker in Antwerpen arbeitete, stiftete er erneut Unruhe, indem er für bessere Arbeitsbedingungen kämpfte. Daraufhin entzog ihm die Kirche das Priesteramt. Mit Hilfe der Guerilleros nach Venezuela zurückgekehrt, wurde er erneut abgeschoben.
Als Chavez das Verbot, das Land zu betreten, im Jahr 2000 aufhob, begab sich Frans Wuytack, begleitet von seinem Sohn, dem Filmemacher, nochmals in die Viertel zurück, in denen er gelebt hatte: eine gute Gelegenheit, um einen Film zu drehen, der die aussergewöhnliche Persönlichkeit und den Mut dieses Manns zeigt.
Mit nie erlahmendem Schwung, vomWunsch beseelt, den Weg seines Vaters zu teilen, und zugleich auch von Bewunderung und Stolz getragen, zeigt der Regisseur die Akteure und die Orte der Vergangenheit in einem zügigen Rhythmus, welcher der Lebendigkeit entspricht, mit der sein Vater in den Herzen aller, die ihn kannten, gegenwärtig blieb.
Sein Film ist vom Bemühen geprägt, eine direkte Verbindung zwischen dem Engagement, der Leidenschaft, der Hartnäckigkeit und der Authentizität, mit denen sein Vater für die Ärmsten eintrat, und dem heutigen Menschen herzustellen. Einem Mann, der sein Leben lang für die Anderen da war, und dessen Grossherzigkeit allein durch jene aufgewogen wird, mit der sein Sohn ihm Anerkennung zollt.
Visions du Réel Nyon 2009