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Nachbeben

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Stina Werenfels 2006 96'

Investment-Banker HP hat den Börsen-Crash vermeintlich gut überstanden. An einem Grillabend mit seinen Banker-Freunden und deren Frauen, droht das dänische Au-Pair Mädchen von HP, ihr Verhältnis mit HP's verheiratetem Chef auffliegen zu lassen. HP will es allen recht machen. Doch am andern Morgen hat er alles verloren: Haus, Frau, Freunde und seinen Job...

«Was diese Regisseurin aus ihren Darstellern herausholt, ist von einer Intensität, wie es im Schweizer Film leider allzu selten ist.»
Tages Anzeiger

«Rasant und detailscharf ist dieses fast Ibsensche Sittenbild von heute erzählt.»
NZZ am Sonntag

NACHBEBEN ist ein Kammerspiel, in welchem untersucht wird, wie das neoliberale Berufsideal selbst durch die privaten Wände ins Dasein dringt: Nämlich in jenes von Familie und Freundschaft. Nachbeben ist ein Film über Männer, die draussen in der Wirtschaftswelt auf Pokern, Spionieren, Spekulieren abgerichtet wurden. Und drinnen in der privaten Welt nicht mehr stoppen können. Und Nachbeben ist ein Film über Frauen, die sich damit abfinden müssten. Es letztlich aber nicht wollen.

Obwohl Banken und andere Konzerne in der modernen Schweiz den Hauptarbeitsgeber ausmachen, ist es erstaunlich, dass mit NACHBEBEN der erste Schweizer Spielfilm in die Kinos kommt, der sich tiefgehend mit Menschen aus dieser Branche beschäftigt. Und obwohl Wohlstand und der Kampf um Besitzstandswahrung in der Schweiz allgegenwärtig sind, hat noch kein heimischer Spielfilm den menschlichen Preis, welchen diese fordern, beschrieben.

Die Regisseurin zum Film

"NACHBEBEN beschreibt metaphorisch jenes Beben, das dem vermeintlich gut überstandenen ersten Beben folgt. Der Film spielt im Privatleben eines Bankers, welches – als Folge des Börsencrashs der Jahrtausendwende – eine zweite Welle von Erschütterungen erfährt: Diese legt seine mit aller Kraft aufgebaute Welt in Schutt und Asche.Dabei wollte ich den psychischen Zusammenbruch dieser Familie natürlich nicht als naturgegebenes Phänomen betrachten. Im Gegenteil: Ich wollte untersuchen, was geschieht, wenn Männer der Finanzwelt ihre Handlungsweisen direkt ins Private hineintragen.Wohlstand und der Kampf um Besitzstandswahrung sind in der Schweiz allgegenwärtig: NACHBEBEN zeigt den menschlichen Preis, der dafür bezahlt werden muss."
Stina Werenfels

Zehn Minuten mit Stina Werenfels

Von Peer Teuwsen, Das Magazin

Am Anfang war ein Gefühl. Und eine Erfahrung. Das Gefühl war, dass wir in einerzerstörerischen Zeit leben, wo sich vieles auflöst, wo Worte wie Loyalität, Freundschaft,Solidarität plötzlich lächerlich klingen, weil sie käuflich geworden sind. Die Erfahrung war,dass das Geld seine Kollateralschäden im Privaten angerichtet hat.

Die 42-jährige Regisseurin Stina Werenfels stammt väterlicherseits aus dem BaslerBürgertum, sie weiss, dass das Geld, wenn es da ist, bei den Reichen immer die Angst weckt,es könnte plötzlich nicht mehr da sein. Sie hat aber auch eine ihrer Tanten im Ohr: «L‘argentne rend pas heureux mais on peut pleurer plus comfortablÈment.» Das ist der Zielkonflikt, indem der Reiche und wir, die es werden wollen, stecken. Die schiere Existenzangst. Obwohlwir doch alles haben, wollen wir immer dabei bleiben, noch mehr haben, den Status nichtverlieren - und so werden wir zu Schweinen.

Stina Werenfels, diese lustige und energische Frau, beschreibt das Resultat so: «Wir leben ineiner manisch depressiven Zeit.» Über dieses Thema hat sie ein Kammerspiel gedreht,«Nachbeben» heisst es und kommt am 2. März ins Kino. Es ist ihr erster langer Spielfilm.Der Film spielt in einer Schweizer Villa mit Seeanstoss, der Hausherr, ein Investmentbanker,gibt eine Gartenparty für seinen Chef. Des Weiteren treten auf: die alkoholsüchtige Ehefraudes Villenbesitzers, ein dicker Bub, die von Haus aus reiche, schwangere Ehefrau des Chefs(mit Baby), ein bildhübsches schwedisches Aupair und ein ehrgeiziger Jungbanker, derGutzler. Die Party ist anfangs so angestrengt, wie solche Anlässe immer sind. Nach und nachaber fallen alle Masken, die Ränkespiele werden aufgedeckt, und es kommt zur Katastrophe.Was diesen Film so einzigartig in der hiesigen Filmlandschaft macht, sind das zeitgemässeThema sowie die Schauspieler und ihre Sprache, die so nahe bei den Figuren sind, so originär,dass man glaubt, man kenne diese Menschen persönlich. Und die Erbarmungslosigkeit derDurchführung. «Ich konnte diesen Film nur machen, weil ich diese Menschen kenne», sagtWerenfels. Sie hat auch in einer Zürcher Privatbank als «Backoffice Girl» gearbeitet, um mitihrem Objekt vertraut zu werden. Zur Recherche kam das Private. Auch für sie hätte es dieMöglichkeit gegeben, reich zu heiraten. «Dann wäre ich weg gewesen vom Fenster, dannwäre die Falle zugeschnappt, und ich sässe heute in einer solchen Villa, depressiv. Einepanische Angst vor Endgültigkeiten hat mich davon abgehalten.» Diese Angst machte esWerenfels möglich, einen extremen Film zu machen, der so gar nichts davon hat, was wirsonst aus Schweizer Produktionsstätten sehen: Er ist radikal, dramatisch, lustig – und er hatetwas mit uns zu tun. Mehr kann man nicht erwarten.

Edelmiezen erstarren im Design

Von Alexandra Stäheli, NZZ

NACHBEBEN ein seismographisches Kammerspiel von Stina Werenfels

HP ist dynamisch, erfolgreich, ein Ray-Ban-Typ, von Beruf Strahlemann undInvestmentbanker. Er hat, beflügelt von seinen Xanprox-Tabletten, immer flotte Broker-Weisheiten auf den Lippen, die er auch dann gerne wie eine ewige Champagnerflascheversprüht, wenn untergründig schon an seinem Stuhl gesägt wird. Etwa: Einer muss der Idiotsein. Und: Wenn du nicht weisst, wer der Idiot ist, bis du's selbst. Gemeinsam mit seiner FrauKarin (Susanne-Marie Wrage), die eine elegante, aber gedämpfte Unnahbarkeit ausstrahlt,lädt HP seinen Chef und Freund Philip (Georg Scharegg), dessen schwangere Frau Sue(Bettina Stucky) mit Kleinkind sowie Philips Praktikanten Gutzler (Leonardo Nigro) zueinem Grillabend in der Designervilla am See ein – nicht ohne Hintergedanken. Denn HP hatden letzten Börsencrash nur scheinbar gut überstanden. Von Philip erhofft sich HP jetzt diedringend notwendige Unterstützung für ein weiteres Investment-Geschäft.Doch was hoffnungsfroh in goldenem Sommernachmittagslicht beginnt, kollabiert in Laufedes Abends langsam und dumpf wie das aufgekokste Leistungsgehabe der Männer zu einemfinanziellen und vor allem emotionalen Schlachtfeld. Dass dabei ausgerechnet HP'selfenhaftes Au-pair Mädchen Birthe (Olivia Frølich), mit dem Philip sein geheimes Verhältnisauflösen möchte, einen nicht unbeträchtlichen Anteil an dem Desaster hat, erinnert fast schonan ein Drama von Schnitzler: So geht denn der Einsturz der sozialen Hierarchien gerade vonderjenigen Figur aus, die die unterste Position im Reigen der brutalen Machtspiele besetzt.Am Ende des Abends wird jede Figur ihre düsteren Abgründe gezeigt haben – nur Karins undHP's fettleibiger, depressiver Sohn Max (Mikky Levy), der das Geschehen in seinemhöhlenartig abgedunkelten Zimmer auf Monitoren beobachtet, wagt ganz zuletzt vielleichteinen zaghaften Schritt ins Helle.

Nach ihrem erfolgreichen TV-Spielfilm MEIER MARILYN legt die 41-jährige ZürcherFilmemacherin Stina Werenfels mit NACHBEBEN nun ihr Leinwanddébut vor, ein ebensosorgfältig insziniertes Kammerspiel von beklemmender Schärfe. In einer ähnlichenästhetischen Annäherung wie ihr Mann Samir, der letztes Jahr mit dem Film SNOW WHITEdie Wohlstandsverwahrlosung der Jungend an Zürichs Goldküste porträtierte, interessiert sichauch Werenfels für die Auswirkung unserer Leistungsgesellschaft auf das familiäre Leben der(Neu-)Reichen.

Erschütternd dabei zu sehen, wie die coolen Banker den auf ihren Schultern lastendenäusseren Erfolgsdruck so sehr verinnerlichen, dass sie ihn in eine manische Gewinnsuchtverwandeln, die fortan jeden Gedanken, jede Handlung und jedes Gefühl motiviert,durchwirkt – und bis zum totalen Zusammenbruch einfach aushöhlt: Beziehungen werden sozu Deals und Investitionen, die entweder Gewinn abwerfen oder wie wertlose Aktion einfachvernichtet werden. Während die Männer so Pawlowsch von einem Kick zu nächsten jagen,kompensieren die Frauen ihre nutzlos gewordene Existenz als Vorstadt-Edelmiezen durchebenso sinnlose Studien – oder durch den Griff zur Flasche.

So zeichnet denn Werendels in perfekt komponierten und makellos designten Bildern(Kamera: Piotr Jaxa), die es spielend mit jeder Philippe-Starck-Lampe auf dem Setaufnehmen können, die bohrende Leere nach, die ein Banker-Leben . und vor allem dasjenigeder Angehörigen – still und formschön zerstören kann. Sie tut das mit einerseismographischen Akribie, die Millimeter für Millimeter jedes Vorurteil und jedeVermutung bestätigt, die wir je über die Banker-Szene gewusst haben.

Dabei hat jedoch gerade diese landschaftliche Präzision den Effekt, dass sie auch einigescheinbar unpassende und weniger realistische Momente der Geschichte umso stärkerhervortreten lässt: Wie ist es etwas möglich, dass die im fünften Monat schwangere Sue nochstillt? Weshalb genau kann ein hysterisches dänisches Mädchen zwei so selbstherrlicheGiganten wie nichts ruinieren? Und wie kommt es, dass eine so forsche, selbstbewusste undvor allem auch gut betuchte Frau wie Sue ausgerechnet ein farbloses Chefwürmchen wiePhilip heiratet? All diesen kleinen Unebenheiten zum Trotz bleibt NACHBEBEN einkraftvolles, stilsicheres Début mit ästhetischem Sog, das Lust auf den nächsten Film derRegisseurin macht.