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Mimi

DVD:
Mimi (DVD)


Claire Simon 2003 140'

Mimi, eine heute 60jährige Frau, die wesentlich jünger wirkt, erkundet an der Seite der Regisseurin Orte, an denen sie früher gelebt hat: Nizza und das Gebirgsdorf Saorge. Sie besucht das Grab ihres Vaters, der im Krieg ums Leben gekommen ist. Sie sucht den Sportplatz, den Park, den Hafen, die Gleisbrücke oder die Bahnhofsgegend auf, weil diese Orte in ihr Erinnerungen an ihre Kindheit oder an verflossene Lieben wecken. Seit jeher galt ihre Liebe Frauen, nicht Männern. Erst als sie in die Berge zieht und dort mit zwei Freundinnen ein Restaurant aufmacht, findet Mimi ganz zu sich selbst und kann sogar gelassen die Heiratsanträge ihres Nachbarn ablehnen. Kein spektakuläres Leben, aber einzigartig, wie Claire Simon sagt. Ein Leben, das im Rückblick drehbuchreif wirkt. „Mimi erzählt ihr Leben… in Momenten, in Szenen, die Stück für Stück, wie bei einem Puzzle, die Etappen ihres Lebensweges beschreiben. Dieses Leben verfolgt sie wie eine Romanfigur. Genau dieser Punkt hat mich interessiert: Anhand von Orten Szenen wachzurufen, die Mimis Geschichte erzählen wie ein Drehbuch; sie diese Orte erleben und dabei ihre Geschichte wieder aufleben zu lassen, ohne dass sie dabei zwangsläufig inszeniert werden musste. Ein Leben wie aus einem Märchen, mit Schicksalsschlägen, einem tragischen Los und Wünschen, die schließlich in Erfüllung gehen.“

"Fiktion oder Reportage?Claire Simon entwickelt mit MIMI einen neuen Stil. Früher gab es denSpielfilm oder die Reportage. Seit einiger Zeit ist man dazu übergegangen,mit den Mitteln der Reportage eine fiktive Geschichte zuerzählen (wie Kiarostami in Ten oder Dieutre in Leçons de ténèbres). Indiesem Fall benutzt Claire Simon die Mittel und das Thema der Reportage,um mit der Fiktion zu flirten und beides am Ende zu verschmelzen.Was ist das Thema dieses Films? Eine Frau schildert uns ihr Leben,seine Dramen, seine Mühen… Das alles ist schrecklich banal unddennoch einzigartig und universell. Man hätte einen guten Spielfilmdaraus machen können, aber Claire Simon wollte ihr Thema nichtverwandeln, sondern es im Rohzustand lassen.Anders als in ihrem letzten Film, in dem sie die Szenen filmte, wie siesich boten, hat die Regisseurin diesmal ihre Erzählung inszeniert (…).Und wir sehen uns mit einer seltsamen Mischung, einer neuartigenAlchemie konfrontiert: der freien und zugleich in Szene gesetztenRede der Reportage. Es ist vor allem die Freiheit dieser Rede, diediesen Film so wahr macht, so ehrlich, so intim, ohne dass der Betrachterdeshalb zum Voyeur wird. Diese Freiheit der Rede ist einfachschön und anrührend. (...)Auch wenn es Momente gibt, in denen der Film mehr in RichtungReportage ausschlägt (...), betritt Claire Simon hier doch neue Wegeund zeigt, dass man, wenn man eine Geschichte erzählen (und wirklichetwas sagen) will, unabhängig von der Wahl der Mittel vor allemsein Thema nicht verraten, nicht schminken darf."
Freunde der deutschen Kinemathek