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Marthas Garten

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Internet:
Website Peter Liechti

Retrospektive Stadtkino Basel 1.-31. Mai 2006

SWISS FILMS


ISAN: 0000-0000-5892-0000-P-0000-0000-0

Peter Liechti 1997 89'

Seit Wochen ist es kalt und nass. Es ist schon spät, Karl Winter ist auf dem Weg nach Hause. Unter finsteren Umständen trifft er auf eine Frau von rätselhafter Faszination - Martha... Damit beginnt eine Liebesgeschichte von fataler Dynamik, die Karl weit aus den Bahnen der «Vernunft» wirft. Hinterhältige Träume und unterschwellige Veränderungen in Karls Umgebung bestätigen sein Gefühl, dass mit Martha auch das Unheimliche in sein Leben getreten ist.

MARTHAS GARTEN ist ein Stück Kino in dunklem Schwarz-Weiss. Ein WinterDrama, ebenso mörderisch wie komisch. Ein Film über die Isolation und das langsame Irrewerden im Klima hartnäckig verteidigten Stumpfsinns.

«Wir sanken und sanken und fielen uns immer tiefer in die Arme.Irgendwo draussen lauerte das Verderben - ich war auf der Hut, doch ich wusste nicht wovor… »

Kritik von Martin Schlappner, ZOOM

An Festivals mir ihrer aus Übersättigung stammenden Atmosphäre der Ungeduld gerät das Urteil, ein Film sei daneben geraten, meistens selber daneben. So ist es Peter Liechti mit seinem ersten Spielfilm MARTHAS GARTEN geschehen. Die Kritik grämte sich an seiner Uraufführung in Locarno. Was, so brummte man, hatte denn der Dokumentarist, der 1986 mit AUSFLUG INS GEBIRG seine erste Qualitätsprämie beim Bund eingezogen und seither mit jedem weiteren Film bis hin zum grossartigen SIGNERS KOFFER keine weitere ausgelassen hat, im Spielfilm zu suchen? Nichts anderes, so die Antwort, als eben das Experiment, wie sich ein dokumentarischer Film und sein Thema in eine szenische Fiktion verändern liesse, so dass sich beides, die fiktionale Erzählung und ihre dokumentarisch fundierte Herkunft ineinander vereinigt.

MARTHAS GARTEN hat, als erzählerischer Stoff, offensichtlich und nach Peter Liechtis eigener Darstellung, verschachtelten Ursprung. Zum einen sind da des Autors Lektüre von Vampirromanen und deren Fortführung im eigenen literarischen Text der sogenannten «Winterprotokolle»: Das sind Polemiken aus dem «mörderischen Alltag einer Kleinstadt». Zum anderen gibt es vorausgehend den dokumentarischen Film, zuletzt SIGNERS KOFFER, wo sich Vorbilder für eine aus jeder Bindung der Vernunft befreiten Phantasie finden lassen, die im Spielfilm nun in Ulk verfremdet werden und dennoch obsessiv wiederkehren.

Einem Mann, Karl genannt (Stefan Kurt), einem Normalbürger, begegnet eine Frau, Martha (Susanne Lüning), die so geheimnisvoll auftaucht, wie sie ohne jede Erklärung wieder verschwindet. Wäre ihr Kuss der Vampirbiss? Karls Leben versickert in Unruhe. Wo vorher geliebte Ordnung war, löst der Halt sich nun in Ängste auf. Im Schlaf melden sich Träume, wie es sie vorher nicht gegeben hat. Aus den Träumen steigen Ungeheuer. Wahn ergreift Karl, jedes Mal, nachdem Martha ihn verlassen hat, noch weniger wegweisbar als vorher. Und kein Zweifel besteht, der Wahn wird blutig enden. Karl tötet einen Mann, Tepesch (Karl Ulrich Nleves), dessen Erscheinung so undefinierbar ist wie schliesslich auch Martha.

Ein dunkler Film, was seine schwer ausdeutbare Geschichte betrifft, von der man freilich ahnt, wie sie ausgehen wird. Ein Film im Dunkel, denn die Jahreszeit, in welcher Karls Wahn sich schliesslich austobt, ist der Winter. War der Winter einst kaum zu spüren, weil die Tage in der Wärme der geheizten Stube verflossen, so ist er nun, da das Gemüt sich in Angst verheddert, eine einzige, eine tödliche Gefahr. Auf einmal ist die Kälte, ist die Nässe da. Selbst der Schnee auf dem Berg, wohin der Ausflug führt - in Reminiszenz an den AUSFLUG INS GEBIRG, nur tiefer ins Entsetzen - ist trüb. Ein Film im Dunkel von Schwarzweiss (exzellente atmosphärische Kamera von Chilinski - wer immer das ist), das Dunkel des fahlen Tages, das Dunkel der Nacht, das Dunkel düstern Lichts aus Lampen, aus verhängten Fenstern, im Widerlicht der nassen, schwarzen Strassen. Und über den Feldern, wo Karl mit seinem Freund Uwe (Làszlò I. Kish) und dessen Frau Claire (Mina Hoger) sich befinden, wölbt sich mit dem Grau des Himmels das Grauen. Die Kormorane, schwarz und die Flügel weit gespannt, so gewohnt sie sonst sind, verwandeln sich für Karl in Ungeheuer. Und was ihn in den Träumen anblitzt, was ihn in der Tagesphantasie heimsucht, überwältigt ihn schliesslich.