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Les enfants du Borinage

Visions du Réel Nyon 2000

Les enfants du Borinage

B 1999 55'

Regie: Patric Jean
Kamera: Guy Maezelle
Ton: Jean-Jacques Quinet
Schnitt: Nathalie Delvoye

Wenn rohe Armut in einem Film auftaucht, der in Belgien mitten in unserer europäischen Gegenwart gedreht wurde, beschleicht den Zuschauer ein leichtes Unbehagen. Er ist an andere Definitionen der Mittellosigkeit gewöhnt, die differenzierter und weniger brutal sind. Aber Patric Jean möchte eine unmissverständliche Sprache sprechen. Er will eine unannehmbare Wirklichkeit zeigen. LES ENFANTS DU BORINAGE macht sich deshalb auf die Suche nach den Elendsgestalten. Eine von ihnen sagt: «Ich bin vielleicht geboren, um so zu leben». Dies ist ein eigenartiges Schuldbewusstsein, das an vielen so sehr nagt, dass sie sich der Kamera schamhaft verweigern und schweigen. Patric Jean hält diese Verzweiflung fest, bei denen, die trotzdem bereit sind, ihn zu empfangen und mit ihm zu sprechen. Seine Kamera blickt in ein Armutsquartier und stösst immer weiter in diesem heruntergekommenen Viertel vor, in dem Henri Storck und Joris Ivens bereits vor sechzig Jahren ihren militanten, gegen die Ausbeutung der Minenarbeiter protestierenden Film MISERE AU BORINAGE gedreht haben. Die Minen sind heutzutage geschlossen und die Arbeitslosigkeit hat sich eingenistet.
Der Film bezieht sich stark auf dieses erste Werk, auch wenn er aktuelle Zusammenhänge erforscht. Die Aussagen verschiedener Politiker, die schamlos Phrasen dreschen, demonstrieren die Verlogenheit der modernen Gesellschaft. Die off-Stimme richtet sich an Henri Storck und beklagt den ausbleibenden Fortschritt. Und als ein Mann dem Filmemacher erklärt, dass seine Bilder nichts an ihrem Elend ändern werden, ist man versucht, ihm zu glauben.
Visions du Réel Nyon 2010