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Le pays des sourds

Semaine de la Critique Locarno 1992
Visions du Réel Nyon 2005

Le pays des sourds

F 1992 99'

Regie: Nicolas Philibert
Kamera: Frédéric Labourasse
Ton: Henri Maïkoff, Julien Cloquet
Schnitt: Guy Lecorne
Produktion: Les films d'ici


Internet:
Visions du Réel 2005: Dossier LE PAYS DES SOURDS

Semaine de la critique Locarno

Wie sieht die Welt aus für die Tausenden von Gehörlosen, die in der Stille leben? Wir machen eine Entdeckungsreise in dieses weit entfernte Land, wo Blick und Berührung so wichtig sind.

Vier Gehörlose stehen vor einer Partitur und gestikulieren im Chor. Ein eher ungewöhnlicher musikalischer Eintritt in die Welt des Schweigens, der von der ersten Einstellung an die Absichten des Filmemachers verrät: „Das geläufige Bild von den Blinden umzukehren, ihre Kultur zu rehabilitieren.” Im Unterschied zu seinen anderen Filmen hat Nicolas Philibert sich hier nicht für einen fest umrissenen Schauplatz entschieden. Von einer Schule, in der junge Leute lernen, Laute und Worte zu artikulieren, führt er uns in die Klasse eines Lehrers für Zeichensprache, befragt Erwachsene nach ihren Erfahrungen, verweilt bei der Vorstellung eines taubstummen Schauspielers und landet schließlich bei einer Hochzeit...
LE PAYS DES SOURDS kennt keine Grenzen. Aber es verfügt über eine wunderbare, erstaunlich differenzierte und überaus kommunikative Sprache. Nicolas Philibert hat diese Sprache erlernt, und sie ist zur Muttersprache seines Films geworden. Eine Sprache, die den Filmemacher gezwungen hat, die filmische Grammatik völlig zu überdenken. Denn hier gibt es kein Off. Und um die Worte zu filmen, ist ein Vielfaches an Bildern von Nöten. Noch nie wurde den Gehörlosen soviel Raum geboten, um sich auszudrücken, und sie eignen sich diesen Freiraum auf bewegende Weise an. Siehe den kleinen Junge, der die Angel des Tonmanns ergreift. Noch nie konnten Hörende sich so gut mit dieser so diskreten Gemeinschaft verständigen, deren Reichtum, Solidarität und Freiheit es sicherlich wert sind, sich Gehör zu verschaffen. Ein rares Stück Kino.
Visions du Réel Nyon