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La ville Louvre

Für einmal sind im Film nicht junge Menschen in Amerika mit schönen Muskeln oder langen Beinen die Stars, sondern eine französische – sagen wir – Dame biblischen Alters, eine Institution. In 9 Minuten 45 Sekunden soll ein Jimmy Johnson aus San Francisco den gesamten Louvre absolviert haben. Die godardsche BANDE A PART schafft es noch zwei Sekunden schneller.
Nicolas Philibert lässt sich mehr Zeit, aber auch er verzichtet auf erklärende Worte und schaut zuerst einfach einmal genau hin. Der ebenso kindlich verspielte wie raffiniert analytische Blick lässt eine vielschichtige Topologie der Ville Louvre sichtbar werden und vermeidet Didaktik und Anekdote, die den Museumsrundgang ansonsten zur Qual machen können, man kennt das von Schulexkursionen. Philiberts Blick geht vor allem auch hinter die Kulissen und durch die Schichtungen von Hierarchien und macht Strukturen und Abläufe sichtbar. Erzählstil und Rhetorik erinnern eher an musikalische oder tänzerische Formen, verdichten sich durch eine präzises Interesse für Details und öffnen sich durch immer wieder überraschenden Perspektiven.
Während zum Beispiel Schritt für Schritt verfolgt werden kann, was es nur schon heisst, eine schätzungsweise fünf mal zwanzig Meter grosse Leinwand kunstgerecht zu installieren, mag man sich vielleicht an die Reportage von Egon Erwin Kisch über die Flucht der Schätze des Louvre im Sommer 1940 vor den Deutschen erinnern. Man bekommt eine Ahnung des Aufwands und man versteht den Grund: der Louvre ist eben ein Star, den die «grande nation» niemals preisgibt.
Visions du Réel Nyon