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La mort du grand-père ou le sommeil du juste

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La mort du grand-père ou le sommeil du juste (Der Tod des Grossvaters oder: Der Schlaf des Gerechten)

CH 1978 86'

Regie: Jacqueline Veuve
Drehbuch: Jacqueline Veuve
Kamera: Willy Rohrbach, Jean Mayerat
Ton: Pierre-André Luthy
Schnitt: Edwige Ochsenbein, Georg Janett
Produktion: Aquarius Film Production

ISAN: 0000-0000-DA73-0000-K-0000-0000-E




Jacqueline Veuve 1978 86'

Das Leben und Sterben des 91 Jahre alt gewordenen Uhrenindustriellen Jules Raymond, geschildert von seinen vier heute auch über 70 jährigen Töchtern, gefilmt von seiner Enkelin Jacqueline Veuve.

Das Leben: Sohn eines Kleinbauern aus dem Valée de Joux (geb. 1863); Lehre als Uhrmacher; Gesellenprüfung; Heirat; erste kleine eigene Uhrenwerkstatt im Valée de Joux; Fabrik in Lucens; ständiger Ausbau, Fleiss, Genügsamkeit, Beharrlichkeit, Erfindergeist, Geiz; Auszahlung der Töchter; Obergabe des Betriebs an den einzigen Sohn; Weiterarbeit im eigenen Werk, fast bis zum Tod; schliesslich das friedliche Sterben (1954), nach einem, wie man so sagt, reich erfüllten Leben. Das Sterben: Der 91jährige Grossvater, von seinen Töchtern und seinem Sohn umgeben, ruhig auf seinen Tod wartend, seine um sein Totenbett versammelten fünf Töchter und den Sohn zählend und noch eine siebente Person sehend, die »auf ihn wartet« (vermutlich seine ihm im Tode vorausgegangene Frau).

Liebenswerter Patriarch, gefeierter Bürger

Beatrice Leuthold, Tages-Anzeiger

Warum auch dieses Zelebrieren eines Greises und seines Todes, warum dieses Blättern im Familienalbum, habe ich mir zu Beginn dieses Projekts gedacht. Den Fragen liegt ein Missverständnis zugrunde. Der von Angehörigen rezitierte Tod des alten Patriarchen nimmt zwar viel Raum ein, nicht nur als Familienereignis, sondern als sinnenfällige Demonstration eines guten Sterbens nach einem «gerechten» Leben, aber letztlich ist dieser Tod nur Leitmotiv, Ausgangspunkt, von dem aus zahlreiche Fäden gesponnen und verknüpft werden. Die Autorin, Enkelin des «Monsieur Reymond», sieht sich ausserstande, eine Demontage des Familienoberhaupts zu vollziehen, bezichtigt sich selbst in einem sehr persönlichen Kommentar am Schluss des Films der «Selbstgefälligkeit» und des möglichen «Irrtums».

«Monsieur Reymond» wurde als Ältester einer vielköpfigen, armen Familie im Vallée de Joux geboren. Die frühzeitige Konditionierung auf einen 18-Stunden-Tag kam ihm nie abhanden. Nach einer Uhrsteinmacherlehre arbeitete er sich zielstrebig und unter Mithilfe der Familienangehörigen zum wohlhabenden Fabrikbesitzer in Lucens hinauf. Ein stets bescheiden gebliebener, tüchtiger und frommer Mann, ein geschickter Erfinder, ein gefeierter Bürger und vorbildlicher Familienvater, gewiss. Oder doch ein autoritärer Patron, in dessen Werkstätten die Tafel «Arbeiten Sie schweigend, das Schwatzen ist der Feind der guten Arbeit» hing, ein ausgesprochener Ausbeuter seiner eigenen Töchter?

Jacqueline Veuve lässt die fünf Töchter, ihre betagten Tanten, ausgiebig zu Wort kommen, und hier nun entstehen die Zwischen- und Misstöne. Emanzipationsgrade werden sichtbar nicht an einer Person, sondern fortlaufend innerhalb von fünf Schicksalen. Sind die beiden Ältesten noch voll integriert in den Betrieb, unterscheiden sich von den restlichen Arbeiterinnen dadurch, dass sie früher kommen und später gehen, so ergeben sich bei zunehmender Wohlhabenheit erste Fluchtmöglichkeiten. Die Jüngste erklärt sich als zu faul, nach Wunsch des Vaters Lehrerin zu werden, und darf es sich in einem Internat wohl ergehen lassen. Dazwischen steht die Künstlerin, die sich losreissen kann und zeitlebens hören muss, sie hätte «nichts» getan. Der Sohn, «mein Sohn», erbt Fabrik und Vermögen, lässt die Schwestern leer ausgehen.

Das von unterschiedlicher Lebensart Gezeichnetsein der fünf Töchter bleibt eindrücklich in Erinnerung. Die Filmemacherin hat die Schwestern in ihrer jeweiligen Welt mit aller Sorgfalt porträtiert. Sie sind weder bedauernswerte Opfer eines in Fleiss, Zucht und Ordnung aufgehenden Systems, noch sind sie Heldinnen. Sie sind allenfalls Zeugen für das Funktionieren einer solchen Verbands. Selbst kritische und bittere Reflexionen über ihr Leben lassen ihre Verehrung für den Vater ungetrübt, der es offenbar geschickt verstand, jeder einzelnen das Gefühl zu vermitteln, sie sei die Lieblingstochter. Insofern ist der Film nicht nur eine Illustration von Max Webers Theorien über das Zusammenspiel von Protestantismus und kapitalistischer Besitzvermehrung, sondern er liefert auch Bilder zu David Coopers Kritik der bürgerlichen Familie.

Jacqueline Veuves Film erschöpft sich jedoch nicht im Erzählen von Familienbeziehungen. Er ist unter anderem ein Dokument über die industrielle Entwicklung der Uhrenbranche. Arbeitsvorgänge werden nicht nur in aller Präzision dargestellt, das Ticken einer Uhr im Ton und das Rot der Rubine im Bild sind ebenso Leitmotiv wie der Tod.