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Journal de Rivesaltes 1941-42

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Journal de Rivesaltes (Showreel)


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Jacqueline Veuve 1997 77'

Während des letzten Weltkriegs arbeitete Friedel Bohny-Reiter als Krankenschwester für die «Kinderhilfe» des Schweizerischen Roten Kreuzes im Auffanglager von Rivesaltes. Dieses Lager nahm wie viele andere in Frankreich jüdische, jenische und spanische Familien auf, die in der Freizone lebten oder dorthin geflüchtet waren.

Dank der jungen Baslerin wurden zahlreiche Kinder vor dem sicheren Tod in Auschwitz bewahrt. Auf den Spuren ihres Tagebuchs, das sie auch in jenen düsteren Jahren immer weiterführte, und auf Grund verschiedener Gespräche mit geretteten Menschen konnte das Wirken von Friedel-Bohny-Reiter in einem Film festgehalten werden.

Im letzten Teil des Films wird das Schicksal deutscher Kriegsgefangener geschildert, die nach Einstellung der Kampfhandlungen in Rivesaltes in Gefangenschaft gehalten wurden.

Der Journal de Rivesaltes (von Friedel Bohny-Reiter) liegt dem Film von Jacqueline Veuvezugrunde. Daneben verwendet die Filmemacherin die wunderschönen,zugrunde. Daneben verwendet die Filmemacherin die wunderschönen,aber schrecklichen Fotos von Paul Seen, Friedels Zeichnungen– ihre letzte Zuflucht, wenn die Verzweiflung sie zu überwältigendrohte, – die Aussagen einiger weniger Überlebender, diesie nach stundenlangen Verhandlungen retten konnte. Man siehtauch Friedel Bohny-Reiter selbst, wie sie durch den öden Ortvon damals streift, von dem nur noch vom Wind gepeitschteRuinen übriggeblieben sind. Und schliesslich dienen – wahrscheinlickunnötige – fiktive Szenen als Übergänge.
Dennoch bleibt das Zeugnis beeindruckend. Durch seine Einfachheit,durch seine Schonungslosigkeit. Die Verantwortung derfranzösischen Behörden ist erdrückend. Beschämend. Indessenkämpft die kleine Krankenschwester Tag für Tag ohne jedenAnspruch auf Heroismus gegen Schrecken und Schuld. «Wirsind zu Komplizen dieses Menschenhandels geworden», klagtsie voller Bitterkeit. Viele dieser Fragen beschäftigen die humanitärenHilfsorganisationen heute noch. Doch Friedel hat gehandelt,gestern schon, völlig im Verborgenen, einzig ihr Glaube gab ihrdie Kraft.
Visions du Réel 1998

"Vom Wind ist als erstes die Rede. man hört ihn im Mikrophon des Tonmanns heulen. man sieht ihn im Haar der alten Frau wühlen. die für den Film nach über einem halben Jahrhundert an die Stätte vergangener Schrecken und tapferer Taten zurückgekehrt ist, man sieht ihn an den Bäumen rütteln und zerren und - in einer der schön gestalteten nachinszenierten Szenen - achtlos die Seiten des Tagebuchs umschlagen, das die junge Schweizer Krankenschwester im Barackenlager bei Rivesaltes in der Nähe von Perpignan in diesem Kriegsjahr 1941 zu führen begonnen hat. Und es wird die Rede davon sein, wie er die ausgemergelten Menschen und zumal Kinder mitunter fortgetragen und gegen Hausmauern geworfen habe.
Der Mistral fegt auch heute noch über die öde Ebene, in der kaum etwas zu gedeihen scheint. und hätte nicht die In Wien geborene. als Kind in die Schweiz gekommene Friedel Bohny-Reiter ihre damals dem Tagebuch anvertrauten Erlebnisse und Gedanken publiziert und die Filmemacherin Jacqueline Veuve das Buch (das zuerst auf französisch und erst zwei Jahre später, 1995, auf deutsch erschien) zu lesen bekommen und daraus die Idee zu einem Dokumentarfilm entwickelt - die Erinnerung an diese Vergangenheit wäre wohl längst verweht. Die Leute aus der Gegend jedenfalls, das haben die beiden Frauen inzwischen an Diskussionen über den Film von Perpignan bis Lyon wieder und wieder erfahren, wussten von nichts (von nichts mehr?).
Man sieht den Bildern (Kamera Thomas Wüthrich und Edwin Horak) die Kälte, den eisigen Luftzug an, der durch diese Landschaften unter einem hohen, pastellfarbenen Himmel fegt. Die Baracken sind heute Ruinen; sie scheinen in nicht wesentlich besserem Zustand gewesen zu sein in jenem Winter 1941, in dem die 29jährige Friedel Reiter im Internierungslager Rivesaltes ankam, um den Kindern all der Spanien-Flüchtlinge zu helfen, zu denen nach der Kapitulation Frankreichs in steigender Zahl Juden und Zigeuner kamen. Manche haben überlebt, darunter viele, die ihr Leben wohl ganz direkt dem unerschrockenen Einsatz der jungen Frau verdanken, die gleichsam um jedes einzelne Kind kämpfte und - wiewohl häufig genug erfolglos - versuchte, es vor der Deportation zu bewahren, indem sie Passierscheine fälschte und Namen abänderte.
Ob der Film darauf verweisen will, wenn nun die Frauen und Männer die das Lager als Kinder erlebt haben und heute davon erzählen, namenlos bleiben' Ihre Berichte künden von Unmenschlichkeit, von Glück und von der Notwendigkeit eines "Schutzengels", von der ein Mann spricht, dem die Flucht in die Schweiz gelang, wo er von der Polizei. bei der er sich meldete, unverzüglich wieder ausgeschafft wurde. Zu den schlimmsten Erfahrungen im Lager muss die Brutalisierung unter den Insassen gehört haben. die nicht einmal die für sie bestimmten Rationen erhielten und durch Hunger und Todesangst alle mitmenschlichen Regungen verloren. Zeichnungen von Friedel Reiter und von Insassen eines andern Lagers, Gurs, die aber nicht gekennzeichnet sind, zeugen davon sowie die eindrücklichen Aufnahmen Paul Senns, deren Schönheit das Elend zwar nie verklärt, aber hier wohl doch etwas entrückt."
Christoph Egger, Neue Zürcher Zeitung