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Hinter verschlossenen Türen

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SWISS FILMS

Anka Schmid 1991 78'

Berlin. Zwischen S-Bahn und Strasse steht ein altes Mietshaus. Darin wohnen siebzehn Menschen. Der in seinen Erinnerungen verhangene, alte Fotograf Kempinski. Die von fernen Ländern träumende Hannelore, die ihr Appartement vorübergehend mit ihrer Liebeskummer geplagten Nichte teilt. Bona, der mit seinem WG-Genossen ab und zu ein Bier trinkt und in der Küche Französisch unterrichtet. Die zwei halbwüchsigen Schwestern mit ihrer seit kurzem neu verliebten Mama. Das mittelalterliche Hauswarts-Ehepaar sowie das junge Pärchen, dessen Tochter Paula lieber im Treppenhaus sitzt als zur Schule geht. Sie alle haben vordergründig nichts gemein ausser ihrer Wohnadresse. Der Film erzählt in mikroskopisch genau beobachtender, realistischer Bildsprache und auf wechselnden Ebenen vom gemeinen Alltag kleiner Leute.

Bei der Charakterzeichnung
ihrer Figuren setzt Anka Schmid in schönem Wechsel markant breite oder auch zarte Striche und erschafft so lebendige Figuren mit individuellen Gesichtern und zugleich spannungsvolle Bilder aus dem Berliner Alltag.
Georg Kreis, NZZ

Anka Schmid bewegt sich mit Ciro Cappelari, der die entrückende Schwarzweissfotografie besorgte, im Labyrinth dieses fiktiven und doch so realen Hauses, versucht mit Vorteil gar nicht erst, das Gesamte zu erfassen. Sie beschränkt sich auf einige dieser kleinen Äusserungen, die längst nicht alle verbal sein müssen, aus denen die eine die andere und eine Handvoll zusammen schon erstaunlich klare Konturen eines ganzen Bildes ergeben.
In der Montage findet sich eine Variation ihrer Intention: Da greift sie das Leben in Tönen auf, folgt einzelnen Spuren, um sich gleich wieder aufzugeben und die nächste aufzunehmen. Die Übergänge erscheinen fliessend wie die Zusammenhänge, und auf der Tonspur des Lebens steckt mindestens soviel Gehalt wie auf der Bildebene.
Walter Ruggle, züritipp