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Geschichte der Nacht

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Geschichte der Nacht

CH 1979 63'

Regie: Clemens Klopfenstein
Drehbuch: Clemens Klopfenstein
Kamera: Clemens Klopfenstein
Schnitt: Hugo Sigrist, Clemens Klopfenstein

Clemens Klopfenstein 1979 63'

Ein Filmexperiment, kaum einzuordnen, gegen alle Prinzipien des neuen Schweizer Filmwunders verstossend und herrlich irritierend: ein echter Vorläufer der ‘Dogma'-Filme.

Unsere normale abgestumpfte Sehweise wird durch die Darstellung unserer gewohnten Umwelt in spätnächtlicher, entleerter Form irritiert und erregt. Das Filmmaterial soll als Verfremdungseffekt bewirken, dass sich Phantasieketten und Assoziationen bilden. Es ist meine Absicht, Assoziationen anzuregen bis zu dem Punkt, wo sie sich in beruhigende Meditation verwandeln", schreibt Klopfenstein über seine Arbeit. Und dieser meditative Charakter, radikal allen Fernsehgewohnheiten entgegengesetzt, macht den besonderen Reiz von GESCHICHTE DER NACHT aus.
Der erste Ambient-Film der Filmgeschichte.
taz

Der 62-minütige Schwarzweissfilm, der an zahlreichen internationalen Filmfestivals sowie an der Documenta Kassel, auf der Art Basel und im Museum of Modern Art grosse Beachtung fand, ist radikal im Ansatz und in der Durchführung. Während vieler Jahre fing der Bieler Filmautor und Künstler Clemens Klopfenste in über fünfzehn Jahren mit einer kaum bewegten, hochsensiblen Kamera die Atmosphäre von europäischen Städten nach Mitternacht ein. Die vor einem halben Jahr in Bern erschienene DVD bringt das empfindliche Filmmaterial sehr schön zur Geltung. Nichts stört die grobkörnigen Aufnahmen der Backsteinbauten aus Irland, des kyrillisch beschrifteten Express-Buses, der Innenansichten des Warschauer Zentralbahnhofs, der nächtlichen italienischen Prozession pder der verschneiten Basler Innenstadt zur Fasnachtszeit. Es gibt auf dieser DVD keine Schnörkel, kein "Making of" und auch keine zuschaltbaren Audiokommentare, dafür aber als Zugabe in voller Länge die beiden nächsten, sinnverwandten Werke Klopfensteins, TRANSES (1979-81) und DAS SCHLESISCHE TOR (1982). Dies Macht die Ausgabe zu einer "Nacht und Trance-Trilogie", wie sich bescheiden auf der Innenseite des Covers nennt."
Felix Aeppli, NZZ am Sonntag

"Während vieler Jahre und und in über 15 Ländern hat Clemens Klopfenstein die verschwiegene Nacht der Städte belauscht, schlafende Häuser, verlassene Strassen, geheimnisvolle Silhouetten und spukhafte Schatten, mit einer kaum bewegten, aber hochsensiblen Kamera, die man geradezu pulsieren und atmen fühlt. GESCHICHTE DER NACHT heisst der einstündige Film des Baslers (sic!), der sich seit langem nicht nur filmisch, sondern auch zeichnerisch und malerisch betätigt. Der Titel ist zu bescheiden. Denn diese dunklen, grobkörnigen, von spärlichen und ausnahmslos vorgegebenen Lichtquellen aufgeschreckten Steinwelten öffnen sich einem impressionistischen Raum, in dem sich, unsichtbar und kaum hörbar, nicht eine, sondern tausend Geschichten abspielen: als Frucht der Phantasie des Zuschauers, die durch Klopfensteins suggestive Beobachtungen zu leben und – schöpferisch – zu arbeiten beginnt. Sofern der an erlahmende Kinostories gewohnte Zuschauer dazu überhaupt noch fähig ist.Insofern verwischt Klopfenstein die Grenzen zwischen Dokumentar- und Fiktionsfilm, zwischen der technischen Strenge eines Kamera- und der Individualität des gezeichneten Bildes. Während das Kino allzuoft Bewegung (Aktion und Theater) abphotographiert, zeigt Klopfenstein die Photographie in Bewegung, und zwar mit einer durchaus filmischen Eigengesetzlichkeit, die das Ungesehene des Alltags transparent werden und entdecken lässt. Seine Bilder und Geräusche erinnern an durchgestandene der Meditation und der Beschaulichkeit, des sowohl nach innen wie nach aussen gerichteten Lauschens, wenn die Zeit stillzustehen scheint. Doch die Aussenwelt schafft nicht nur einen schier bodenlosen Innenraum: Klopfensteins brüchiges Reich der Phantome ist auch das Musterbeispiel eines antitouristischen Films. Hier zählt nicht das Pflichtpensum der Reiseführer, nicht das Besondere, sondern das Allgemeine: Die einzelnen Städte werden nie benannt, sind bloss zu erahnen; ihre Austauschbarkeit macht Wesensverwandtschaften (auch der Menschen) greifbar."
Bruno Jaeggi, in: Basler Zeitung, Nr. 20, 24. Januar 1979

"Filme wie dieser müssten immer weitergehen, wider alle Vernunft, der sie sich lustvoll entwinden, und in der Tat hatte der schweizerische Filmemacher Clemens Klopfenstein den Plan, seine GESCHICHTE DER NACHT, wortlose, ruhige Bilder von dunklen, menschenleeren Strassen und Plätzen überall in Europa, tatsächlich eine ganze Nacht lang dauern zu lassen. Das Fernsehen, einerseits Mäzen dieser nur 63 Minuten langen Meditationsübung, die über einen Zeitraum von acht Jahren in 150 Nächten entstand, kann dergleichen natürlich nicht zulassen. Das Programmschema mag minimale Abweichungen von der Norm erlauben, es verbietet indessen den Traum von einer endlosen Fernsehnacht, in der bis zum frühen Morgen nichts anderes zu hören und zu sehen ist als Bilder und Töne vieler Nächte: aufgezeichnet in grobkörnigem Schwarz-Weiss, Phantome, Schatten, unwirkliche Lichtspiele zwischen Belfast und Basel, Stockholm und Warschau. Die Ansichten von leeren Städten, in denen keine Orientierung möglich ist, verschwimmen im Bewusstsein des Zuschauers, der sich willig dem Strom der Bilder hingibt, zu einer einzigen, fremden Stadt: eine Traum-Erfahrung. Kino."
Hans C. Blumenberg, in: DIE ZEIT, Nr. 11, 9. März 1979 (und Fernseh-Vorschau, Ende Mai 1979)''