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Die vier Trilogien des Clemens Klopfenstein

Clemens Klopfenstein, das “Urgestein des CH-Films” war schon in Solothurn eins dabei, er drehte mit allem was er in die Hand und vors Auge kriegte: erst 8mm, dann Super8, später 16mm, Super16, 35mm und dann Video8, Video Hi8, Analog dann Digital, jetzt Festplatte. Lebt seit vierzig Jahren in Umbrien als Maler, Zeichner, produziert mit familiärem franziskanischen Budgets.

1. Trilogie Magie

Christine Lauterburg und Max Rüdlinger agieren mit nicht nur im Schweizer Film ungewohnter Beweglichkeit in immer neuen Freiräumen, die der Märchenerzähler Klopfenstein aufreisst; da Kohärenz und Rollenentwicklung nicht gefragt sind, improvisieren sie ihren Konflikt immer neu aus den jeweils gegebenen willkürlichen Situationen heraus.
Martin Schaub, CINEMA

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Some part of me feels an enormous gratitude for movies that I don’t fully understand. The compulsive legibility of commercial movies — designed to be synopsized in three or four sentences, promoted in one or two catchphrases, represented in a short trailer, consumed in a single gulp. People are fond of comparing movies to dreams, but when was the last time you had a dream that could be synopsized as effortlessly as a Hollywood movie? Jonathan Rosenbaum, Chicago Reader. 1989

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Die realistischen Deutungen, die der Film zur Erklärung des Geschehens anbietet, sind nicht wichtig. Entscheidender ist die von Klopfenstein in immer neuen Ansätzen erhärtete Tatsache, dass eine Gemeinschaft, zu der Menschen aus welchen Gründen auch immer zusammenfinden, ohne Machtstrukturen nicht auskommt. Ein nachdenklicher, höchst bedenkenswerter Film. Hans-Dieter Seidel, FAZ

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2. Trilogie Nacht

Der Schwarzweissfilm ist radikal im Ansatz und in der Durchführung. Während vieler Jahre fing Clemens Klopfenste in über fünfzehn Jahren mit einer kaum bewegten, hochsensiblen Kamera die Atmosphäre von europäischen Städten nach Mitternacht ein. Nichts stört die grobkörnigen Aufnahmen der Backsteinbauten aus Irland, des kyrillisch beschrifteten Express-Buses, der Innenansichten des Warschauer Zentralbahnhofs, der nächtlichen italienischen Prozession oder der verschneiten Basler Innenstadt zur Fasnachtszeit. Felix Aeppli

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TRANSES ist ein Film über das Fahren in der Nacht, ausserhalb der Städte, im Auto und in der Eisenbahn, quer durch den europäischen Kontinent, vom Norden nach dem Süden, durch Schneenächte, Regennächte, Wolkennächte, immer in der Landschaft, durch Orte nur hindurch. Man kann die Landschaften enträtseln: glaubt am Anfang Schottland zu erkennen, weiss sich sicher dort, wo es in langen Passagen quer durch Jugoslawien geht, findet sich zuletzt zurecht in der schier endlosen Ebene der ungarischen Puszta. NZZ

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Klopfenstein hat Bilder gemacht, wie man sie so friedlich unbestimmt dann findet, wenn man auf unbekanntes Gelände kommt und noch nicht weiss, was man darüber aussagen, und was aus dem allgemeinen atmosphärischen Eindruck hervorzuheben wäre. Der Blick verbohrt sich nicht, er fasst nichts ins Auge, er schweift weit, er folgt der Bewegung der S-Bahn, orientiert sich an einem Warnschild, einer Telefonzelle, gleitet weiter, belässt alles in der Nebensächlichkeit. Peter Schneider

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3. Trilogie Improvisation

Die Regeln waren einfach: In der grandiosen Landschaft Umbriens proben seine Gäste Stücke, die sie noch nicht perfekt beherrschen, während Klopfenstein sie mit seiner Handkamera umlauern darf. Der Film erzählt keine Geschichte. Immer wieder bilden sich Kerne von Narration, unterstützt von einer Montage, die sich ungefähr an die Jahreszeiten hält und die Schauspielergruppen locker gegeneinander schneidet. Den Höhepunkt bilden Bruno Ganz und Tina Engel mit Aischylos' Prometheus gefesselt. Meret Ernst, CINEMA

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Wir haben versucht, einen Augenblick, eine Nacht lang unser Umfeld wiederzugeben, die Menschen, denen wir in der Kneipe begegneten, sich selbst darstellen zu lassen. Hoffnungen und Wünsche im Bild festzuhalten, weil es im Film eher möglich ist als im Alltag. Wir haben unsere Zweifel und Verunsicherungen durch Max aussprechen lassen oder eben auch die Unfähigkeit, dies zu tun.

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Zehn Jahre später ist Max als Reporter eines Privatradios auf der Suche nach einem glücklichen Wettbewerbsgewinner von einem Kilo Gold und zehn Kilo Schokolade. Im wilden Treiben der Jubiläumsfeier von 700 Jahre Eidgenossenschaft und 800 Jahre Kanton Bern trifft er auf ein Mädchen, dem er stolz seinen Freund und Rockstar Polo vorstellen kann.

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Bonus:

Christine hat die Nase voll von Max und seiner braven Wohngemeinschaft. Sie will den Sommer lieber in Umbrien verbringen. Dort trifft sie auf einen rassigen Italiener mit einem Alfa Romeo. Regie: Hugo Sigrist.

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4. Trilogie Freundschaft

DAS SCHWEIGEN DER MÄNNER überrascht durch Kargheit: einen Film einzig auf die geschwätzige Wanderung zweier alter Freunde aufzubauen, die sich in tiefschweizerischem Dialekt unermüdlich zanken. Aber man sollte sich nicht täuschen lassen: Mit all seinem Humor ist dieser Film auch − und vielleicht vor allem − eine Meditation über das Mysterium des Raumes und die Folgen der Zeit: Wenn er uns durch Italien oder Ägypten führt, dann um auf unser Land aus der Distanz einen gleichermassen kritischen wie liebevollen Blick zu werfen. Schweizer Filmpreis 1998

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DIE VOGELPREDIGT ist eine äusserst clevere und unterhaltsame Satire über die Tücken des Filmemachens in der Schweiz in einer Zeit der zunehmend erfolgsorientierten Förderpolitik und eines globalisierten Filmmarkts. In der Rolle des Autorenfilmer-als-Einsiedlers gelingt es Klopfenstein, sich sowohl über prätentiöse writer-directors lustig zu machen wie auch über diejenigen, die gerne jedes Filmprojekt jenseits vom Mainstream als «weltfremd» bezeichnen. Gleichzeitig funktioniert das absurde Filmkonzept der Schauspieler als listiger Kommentar auf trendorientierte Filmdrehbücher. Marcy Goldberg

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Kommt noch:
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