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Das Alphorn



Das Alphorn wird nicht in erster Linie als Musikinstrument wahrgenommen, sondern in seiner identitätsstiftenden Rolle für Alpenkultur, Käse und uraltes, unverfälschtes Brauchtum der Hirtenvölker. Das Alphorn gehört in die Berge hinein. Als der in Basel lebende Glarner Musiker Balthasar Streiff vor Jahren die Trompete weglegte und sich fast ausschliesslich mit dem Alphorn beschäftigte, wurde er von seinen Freunden erst einmal milde belächelt. Das Alphorn wurde noch immer als Symbol der „Schweizermacher“ und Tourismusverkäufer angesehen, dem sich im besten Fall ein paar schöne, aber musikalisch beschränkte „Kuhreihen“ entlocken liessen.

Der Film zeigt mit viel Humor, wie schwer der ideologische Ballast dem gequälten Instrument noch anhängt, wie erstaunlich vielfältig und mitreissend gleichzeitig seine musikalischen Möglichkeiten sind.

Eine musikalische Reise von den wilden „Büchelsätzli“ der Innerschweiz, über wunderschöne traditionelle Alphornmelodien aus der Feder des zeitgenössischen Komponisten Hans-Jürg Sommer, den bombastischen Klangtürmen der Gruppe „hornroh“ in Bahnhöfen und Autobahnunterführungen, bis zu den experimen-tellen Klangcollagen des Minimal-Musikers Moondog, die der innerschweizer Jazzmusiker Hans Kennel mit 16 Alphörnern aufführt.

«Der Film zeigt auf schöne Weise, wie das Archaische dieses Instruments, das in die Zeiten vor der grossen „Temperierung“ in der abendländischen Musik zurückweist, zugleich seine Modernität ausmacht. Und indem er einen höchst überzeugenden Vertreter der ‚traditionellen‘ Spielweise einführt, gelingt ihm auch das Kunststück, der Position des Jodlerverbands gerecht zu werden, der zuvor arg hat Federn lassen müssen. Applaus. Applaus.»
Neue Zürcher Zeitung

"Virtuos geschnitten überzeugt DAS ALPHORN durch feinfühlig-spitzbübische Fügung von Bild und Ton, der man es verdankt, dass Hans-Jürgs Sommers «Tanz der Kälber», mit Bildern von über die Wiese tollenden Rindern gekoppelt, auch für Nicht-Bauern anschaulich wird. Schwieterts Stärke aber ist die unvereingenommene Gelassenheit, mit der er die Anliegen der Avantgardisten dem Standpunkt der Folkloristen gegenüberstellt und gleichzeitig der Tatsache Rechnung trägt, dass zum vollständigen Bild des Alphorns auch der vom Jodlerverband auf Tournee geschickte Alphornbläser Urs Pattscheider gehört. Er zeigt exemplarisch, wie man an nebelverhangenen Tagen Touristen aus allen Ecken der Welt Schweizer Folklore mit einem Juchzer und viel Freundlichkeit nahe bringt."
Irene Genhart, Cineman