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Cinema 51 - Erotik (Buch)

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2007

Buch
Sprache: Deutsch

Siehe auch:
Cinema 52 - Sicherheit

Cinema 53 - Schön

EAN: 9783894726027

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2007

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Sprache: Deutsch

Licht. Schatten. Was das Kino zu einem erotischen Erlebnis macht, ist die Reibung zwischen dem Gezeigten und dem Nichtgezeigten: zwischen den Bildern, zwischen Bild und Ton, On und Off – Leinwand und Publikum.

Beiträge von Annette Althaus, Johannes Binotto, Natalie Böhler, Philipp Brunner, Antonia Camponovo, Thomas Christen, Luzia von Deschwanden, Eleonore Frey, Anita Gertiser, Jen Haas, Daniela Janser, Ursula von Keitz, Francesco Laratta, Bea Lauper, Julia Marx, Daniele Muscionico, Ilma Rakusa, Birgit Schmid, Doris Senn, Daniel Stapfer, Mariann Sträuli, Sandra Walser, Michèle Wannaz.

Editorial

Das Dunkel.

Langsam, ganz langsam legt es sich auf uns, erstickt zärtlich den Alltag – schwerer Atem, feuchte Hände, ein Flüstern –, während eine Zauberhand den Vorhang beiseite schiebt, um endlich den Blick freizugeben ... Jungfräulich weiss erscheint die Leinwand. Unsere Projektionsfläche. Was das Kino zum erotischen Erlebnis macht, ist die Reibung (bald sanft, bald überaus heftig) zwischen dem Gezeigten und dem Nichtgezeigten. Zwischen dem lustverzerrten Gesicht eines blonden Lederjünglings, auf den Warhol in BLOW JOB sein Kameraauge fixiert, und dem Wohltäter in unsrer Einbildung; zwischen dem Anblick der züchtig-zugeknöpften PERSONA Bibi Andersson und ihren offenherzigen Worten, die einen Vierer am Strand ausmalen; zwischen einem Kuss vor der Schlafzimmertür und – welch exquisiter Lubitsch- Touch – der Abblende.

In der Literatur entsteht das Funken sprühende Knistern zwischen den Zeilen, im Kino zwischen den Bildern, zwischen Bild und Ton, On und Off – Leinwand und Publikum. Daher auch regt nichts die erotische Fantasie von Künstlern mehr an als die Zensur, die ja lediglich das beschneiden kann, was da ist. Doch sind sie hier, in unseren Köpfen: all jene geheimen Filme, die – ausgelöst von einem vielleicht unscheinbaren Stimulus, einer Stimme, einer Stimmung – vor unserm geistigen Auge ablaufen. Das Gehirn ist die erogenste Zone. So dass sich die Erotik für André Breton anfühlte wie eine «fantastische Feier im Untergrund».

Pornografie ist blosse Oberfläche. Anonymität. Frigidität. Eine Reinraus- Routine, bei der das Dargestellte das Vorgestellte dominiert. Eros liebt es gerade umgekehrt. Sex kann man kaufen, ähnlich einer DVD, die auf Fingerzeig gehorcht. Der risikolustige Kinogänger indes gibt sich hin, verführt von Trailern, Plakaten, Stars – jenem Versprechen, das die Erotik letztlich ist. Geheimnisvoll, unfassbar. Wie ein Filmbild, das einen Wimpernschlag lang aufflackert.

CINEMA 51 steht denn ganz im Zeichen der «Momentaufnahme», welche die flüchtige Erotik dieses Zeitmediums einzufangen sucht. Stellen Sie sich also das Kino – das CINEMA – als einen erotischen Raum vor, wo ein Lehrfilm übers Melken auf handfeste Fan-Fantasien trifft, die Sprache des Begehrens in L'AMANT auf das Begehren des Blicks in LOLITA, das erotische Spiel mit dem Tod im Actionfilm auf den aphrodisischen Humor der Romantic Comedy, ein Panorama der (gebirgigen) Schweizer Sexfilmlandschaft auf ein Interview mit dem Lausanner Cineasten Lionel Baier – während der traditionelle Filmbrief das Filmschaffen Thailands umreisst und die Nocturne jenes von Christine N. Brinckmann. Und nicht nur das CH-Fenster mit seinen Beiträgen über den Auftrags- bzw. den Neuen Schweizer Film (und wie er in den Augen der «Kritikerpäpste» Martin Schlappner und Martin Schaub Gestalt annahm) wird die aufregend irritierende Einsicht eröffnen: Kino ist die öffentlichste und zugleich die persönlichste aller Kunstformen.

Julia Marx: Fanfic(k)s
Wie Fans im Slash ihren Lieblingsfiguren an die Wäsche gehen

Ilma Rakuska: Das Begehren des Blicks
Adrian Lynes Lolita

Jen Haas: Die Leinwand als Vorwand oder
Wann wird das Kino als erotischer Raum wiederentdeckt?

Bea Lauper: Erotik – Ein Bildessay

Daniel Stapfer: Zwischen Amden und Rümlang
Sexfilme aus Schweizer Produktion

Michèle Wannaz: Der Witz und seine Beziehung zum Paarungsverhalten

Annette Althaus: Die Hard – Das erotische Spiel mit dem Tod im Actionfilm

Francesco Laratta: Über Explosionen und Verzögerungen
Ein Interview mit Lionel Baier zu Pornographie und Erotik im Film

Anita Gertiser: Die Erotik der Didaktik
August Kerns RICHTIGES MELKEN - SAUBERE MILCH (1954)

Birgit Schmid: Die Sprache des Begehrens
L'AMANT von Marguerite Duras, verfilmt von Jean-Jacques Annaud

Mariann Sträuli: Die Wellenschlag-Variante

Erotische Momente
Philipp Brunner, Daniele Muscionico, Daniela Janser, Sandra Walser,Johannes Binotto, Doris Senn, Ursula von Keitz

CH-Fenster
Yvonne Zimmermann: Auftragsfilm versus Autorenfilm. Zur Geschichte einer Beziehungskiste
Thomas Christen und Luzia von Deschwanden: Die beiden Martin Sch. und der neue Auftragsfilm

Nocturne
Eleonore Frey: Von der Urszene zum Urtext. Zu Christine Noll Brinckmanns filmischem Werk

Filmbrief ...
Nathalie Böhler ... aus Thailand (und einigen anderen Orten)

Index
Kritischer Index der Schweizer Produktion 2004/2005