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Charbons ardents

Visions du Réel Nyon 1999

Charbons ardents

F 1999 142'

Regie: Jean-Michel Carré
Drehbuch: Jean-Michel Carré
Kamera: J.L. Cohen
Ton: S. Richard, A. Rodet
Schnitt: M. Mazurek
Produktion: Les Films Grain de Sable

In den Achtzigerjahren führte die Auseinandersetzung zwischen Thatcher und Scargill über die Wirtschaftspolitik des Landes in England zu einer Reihe von harten staatlichen Massnahmen gegenüber der Arbeiterklasse und insbesondere den Minenarbeitern, deren Gewerkschaft eine allzu mächtige Oppositionsfront bildete. Wie die meisten Ausbeutungen wurden auch der Towell- Minen in Wales geschlossen. Eine Gruppe von Minenarbeitern, die nicht bereit war, klein beizugeben und auf dem Arbeitslosenamt stempeln zu gehen, beschloss, die Mine aufzukaufen und den Angestellten vorzuschlagen, ihre Abgangsprämie zu investieren, um Teilhaber der neuen Firma zu werden. Entgegen allen Erwartungen entstand die neue Genossenschaft, und der Betrieb wurde wieder aufgenommen. Die Mine, die nunmehr unter der Leitung einer vom Personal selbst gewählten Führung stand, überlebte, hatte aber eine ungewisse Zukunft vor sich, da die Adern nur noch während etwa fünfzehn Jahren etwas hergeben sollten. Über mehrere Monate hinweg beobachtet Jean-Michel Carré die Arbeit der verschiedenen Angestellten und die Aufteilung der Verantwortlichkeiten. Vom Büroangestellten im weissen Hemd über den neu in die Genossenschaft aufgenommenen Lehrling bis zum Arbeiter unter Tag zeichnet er das Bild jener, die diese Utopie in der Gegenwart gestalten. Die alltägliche Leitung dieses Betriebes ist allerdings nicht immer einfach. Jean-Michel Carré, der zu den Vollversammlungen zugelassen wird, filmt das heikle Unterfangen der direkt ausgeübten Demokratie. Die Leiter, die sich für den langfristigen Erhalt der Arbeitsplätze einsetzen, stehen immer wieder den ängstlichen Aktionären gegenüber, welche den kurzfristigen Verlust ihres Kapitals befürchten. Doch Towell lebt immer noch, und es ist klar, dass diese Männer angesichts der dringlichsten Anforderungen weiterhin bereit sind, Risiken einzugehen, und sei es nur um zu beweisen, dass ein anderer Weg als jener des sakrosankten Liberalismus möglich ist. Letztlich geht es in charbons ardents um das mutige Bild einer nicht weniger mutigen Alternative, die den Arbeitsplatz, die Solidarität und den Menschen ins Zentrum stellt.
Visions du Réel Nyon