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Berner Filmpreis - Regiepreis 2011

Bouton

CH 2011 78'

Regie: Res Balzli
Drehbuch: Res Balzli
Kamera: Dieter Fahrer
Ton: Pedro Haldemann, Peter von Siebenthal, Loredana Cristelli
Musik: Norn, Flavia Ravaud, Micha Sportelli
Produktion: Balzli & Fahrer GmbH


Internet:
Balzli & Fahrer: BOUTON

Le Coin de l'Ecran: Critique BOUTON

SWISS FILMS

outwnow.ch

ISAN: 0000-0002-B108-0000-N-0000-0000-5







Res Balzli 2011 78'

Ein melodiöser Film mit schmerzhaften Dissonanzen. Johana, eine junge Schauspielerin, und ihre selbst geschaffene Puppe Bouton versuchen, eine gefährliche Krankheit zu überwinden und den Ernstfall mit Humor zu meistern. Der Film erzählt eine Geschichte zwischen Lachen und Weinen, Diesseits und Jenseits, dokumentarischer Realität und poetischer Fiktion. Eine Ode an die Lebenslust und ihr drohendes Ende.

Entstehungsgeschichte von Res Balzli

Wir sind hier in Nidau bei Biel unter dem einsamen Baum, den man im Film sieht und der in meinem Leben schon ein paar Mal wichtig war, und auch in Johanas Leben. Ich hatte hier als Produzent schon vor über zehn Jahren einen Spielfilm gedreht, genau auf diesem Gelände, das damals noch ein Dschungel war. Danach wurde alles gefällt für die Expo 02, und heute ist es ein ausgestorbenes Gelände. Deshalb führte hier die Theatergruppe OFF SZoEN im Sommer 2008 ein Freilichtspiel auf. Das Stück hiess „Don Quijote“, und Johana Bory spielte die Hauptrolle, natürlich die „Dulcinea“. In ihrem roten Gewand verzauberte sie das Publikum. Da drüben war die Tribüne, mehrere 100 Personen jeden Abend. Hier war die Bühne. Und da drüben stand ein Zelt, die Theaterkantine mit 200 Plätzen, die ich während drei Monaten zusammen mit dem Restaurent Kreuz Nidau führte. So lernte ich die Hauptdarstellerin des Theaters kennen. Sie kam oft zu uns rüber.

Eines Abends vertraute sie mir an, dass sie einen Verdacht auf Brustkrebs habe. Wir machten uns Sorgen, aber sprachen nicht so viel darüber. Zwei Wochen später kam sie wieder und sagte: Entwarnung, es ist gutartig. Aufatmen. Nicht viele Leute wussten davon.

Das Theater war fertig, das Zelt wurde abgebrochen, ich verlor sie ein wenig aus den Augen. Drei wertvolle Monate später vernahm ich aber, dass es doch nicht gutartig war, dass der Krebs ausgebrochen sei, und dass sie die ganzen Behandlungen machen müsse, Operation, Chemotherapie, Bestrahlung. Sie nahm das gar nicht so schwer, liess alles über sich ergehen und ging schon bald wieder auf die Bühne, mit ihrem kahlen Kopf. Es gefiel ihr sogar, einmal anders auszusehen. Im Frühling hatte man das Gefühl, sie sei geheilt.

Ein halbes Jahr später, im November 2009, bekam ich ein Telefon. Ich war in München auf einem Spaziergang, Sonntag Nachmittag, mit meinem Freund Nicolas Humbert, der mir gerade gesagt hatte, er wisse nicht recht, wie er weitermachen solle mit seiner Filmerei. Er ist Regisseur. Ich war bis dahin Produzent und habe noch nie einen Film gemacht. Es war meine Schwester, die anrief, ebenfalls von einem Sonntagsspaziergang, und sie sagte: Ich bin unterwegs mit Johana, sie will mit dir reden. Und Johana sagte mir: Ich möchte einfach unbedingt nochmal in meinem Leben in einem Film spielen. Das tönte zwar normal für eine Schauspielerin, und doch etwas merkwürdig. Was heisst das, „nochmal in meinem Leben?“ Da sagte sie, weisst Du, ich habe nur noch ein Jahr zu leben. Sie hätte einen Rückfall gehabt. Ich erschrak natürlich und sagte: Spielfilm kannst du vergessen, in einem Jahr macht man keinen Spielfilm.Wir müssen eine andere Lösung finden. Worauf sie mich bat, unter meinen Filmfreunden einen Regisseur zu suchen

Kaum hatte sie aufgehängt, sagte ich zu Nicolas, der Johana auch schon getroffen hatte: da hast du das Thema, das du suchst. Doch er zögerte. Sie wollte eigentlich, dass man ihr letztes Bühnenstück filme, in dem sie eine Thearapeutin spielte, welche selber krank war. Das dünkte mich aber nicht so geeignet. Theater ist ein anderes Medium. Es müsste doch eher ein Dokumentarfilm sein.Aber ich wollte nicht eine Leidensgeschichte von ihrer Krankheit machen, sondern ich suchte einen anderen Weg.

Nachdem ich auch weitere Kollegen nicht hatte von der Dringklichkeit des Projekts können, ermunterte mich Dieter Fahrer, mein Geschäftspartner, den Film selber zu machen, und gab mir Sicherheit, indem er anbot, die Kamera zu machen. Johana hatte zwar mal in Aussicht gestellt, wenn es denn sein müsse, mit dem Produzenten ins Bett zu gehen, und dieses Angebot machte mir wenig Lust, die Rolle zu wechseln, aber dann wurde ich doch Regisseur und es ging plötzlich rasant.

Ich hatte genaue Vorstellungen: Gerade weil sie Schauspielerin war, hatten wir die Chance, mit ihr etwas herstellen, gewisse Szenen sogar wiederholen zu können. Ihre Puppe BOUTON war unterdessen schon ziemlich bekannt, jedenfalls in Biel und in der Schweiz. Und da wusste ich gleich: Ich muss mit BOUTON arbeiten. Denn sie hatte so eine enge Beziehung zu ihm, er war ihr Alter Ego. Die ganzen Dialoge musste sie nicht in die Kamera reden, auch nicht zu mir, sondern sie konnte alles mit ihrer Puppe BOUTON besprechen. Auch BOUTON ist von Johanas Krankheit betroffen. Wenn sie nicht mehr da ist, ist er verloren. Er musste selbständig werden von seiner Schöpferin, die ihm das Leben einhauchte. Es ging also auch um BOUTON. Und dieser, wie man gesehen hat, stellt unerwartete Fragen und gibt überraschende Antworten, wagt sich in Gebiete vor, die mir verschlossen waren. Dank dem hat dieser Film etwa Spielerisches und hoffentlich auch etwas Tröstliches bekommen.

Bei den Dreharbeiten kam mir eine frühere Erfahrung zugute, ohne die ich wohl die emotionale Herausforderung dieser Aufgabe nicht angenommen hätte: Ich hatte zwei Jahre zuvor meinen Freund Heinz Reber, Berner Komponist in Wien, in den Tod begleitet. Er litt auch an Krebs in fortgeschrittenem Zustand und hatte gewählt, zurück in die Schweiz zu kommen, weil man nur hier mit EXIT freiwillig aus dem Leben scheiden konnte. Seine letzten fünf Tage habe ich mit ihm und seiner Frau verbracht. In gewissem Sinne ist Heinz bei diesem Film Pate gestanden.

Mit Johana hat sich sehr schnell eine Vertrauensverhältnis aufgebaut. Sie akzeptierte diskussionslos meine gestalterischen Ideen wie z.B. die Mitwirkung der drei Schicksalsfeen, und machte keine unnützen Vorschläge, es sei noch dies oder jenes zu drehen. Sie tat, was man von ihr erwartete, mit vollem Einsatz, ohne sich in künstlerische Belange des Films einzumischen. Wohl ahnend, dass sie dessen Première nicht erleben werde, tat ich etwas, was man im Dokumentarfilm nie tun sollte: ich zeigte ihr die ungeschnittenen Muster. Sie konnte sich vorbehaltlos daran freuen.Johana lebte kein Jahr mehr. Noch bevor die Finanzierung stand, begannen wir am 31. Dezember 2009, Sylvester, zu drehen. Schon dann merkten wir, dass es ihr nicht gut ging - sie hatte damals schon Schmerzen – und dass das alles viel schneller gehen könnte. Und deshalb sagten wir uns: wir gehen los, also Dieter an der Kamera und Pedro Haldemann, auch er sehr beweglich, am Ton, und wir drehten in nur 15 Tagen den Film ab, wovon 12 Tage mit Johana, 3 waren später, auch mit Lukas natürlich. In dieser Zeit nahm ihre Gesundheit rapid ab. Es gab Tage, da mussten wir hauptsächlich auf die Viertelstunde warten, in der sie zu drehen fähig war

Wir haben deshalb auch sehr wenig Material gedreht, zehn Stunden, plus zwei Stunden, die Lukas mit seiner Privatkamera aufgenommen hatte. Im letzten Monat drehten wir überhaupt nicht mehr mit ihr. Der letzte Drehtag war der 12. Februar 2010, und zwar genau wieder unter diesem Baum. Das ist die Szene, wo sie unter dem Baum sitzt und vom Stammbaum redet, und der Vater ist oben im Baum. Das ist ja eigentich die Umdrehung eines Stammbaumes. Normalerweise ist der Vater der Stamm, und die Kinder sind das Geäst. Sie sagt ja im Film, dass die ganze Ordnung umgedreht sei.Sie konnte kaum mehr bis zum Baum gehen und die zwei Sätze behalten, in ihrem Morphiumrausch.

Auf das hin haben wir aufgehört, mit ihr zu drehen, obschon sie noch immer motiviert war. Zuvor hatte sie uns immer strahlend empfangen, und alles gegeben, sogar ihre Schmerzen vergessen. Aber jetzt konnte sie nicht mehr. Sie war schwach und es war Winter. Ausserdem war ihr die äussere Erscheinung immer wichtig gewesen, so dass ich nicht ihren körperlichen Zerfall dokumentieren wollte. Und dann muss man auch bedenken, dass je näher der der Tod kam, umso mehr wollten ihre Angehörigen bei ihr sein. Da ist dann eine Filmequipe fehl am Platz. Das war übrigens auch ein Grund für die Szene mit den Männern an ihrem Bett: Es war ein Geschenk an ihre Freunde, die sich von ihr verabschieden wollten. Und zudem war es eine Reaktion auf ihre Bemerkung, nachdem sie einen Teil der Rushes gesehen hatte, es habe zu wenig Männer in dem Film.

Von da weg lebte sie noch einen Monat. Am 15. März starb sie. Ich hatte immer etwas Angst davor, sie müsse noch einen Todeskampf ausstehen. Aber das war nicht der Fall. Auch wenn sie wenig über ihren Tod geredet hatte, hat sie sich eben doch damit befasst, und sie konnte in ihrem Bett zu Hause sterben, in Anwesenheit des Vaters, des Bruders und von Lukas. Die im Film etwas abwesenden Männer waren also im richtigen Moment da.

Und BOUTON flog mit seinem geliebten Rötkäppchen in Johanas Schuh davon. Dies, und bei Weitem nicht nur dies, war die Idee der Cutterin Loredana Cristelli, die ich hier auch noch erwähnen möchte. Sie hatte weder BOUTON noch Johana gekannt, doch als sie die 10 Stunden Material gesehen hatte, verlangte sie eine Auszeit für die nötige Trauerarbeit, bevor sie den Schnitt in Angriff nehmen konnte. Engagiert bis zum Schluss und darüber hinaus gab sie dem Film die heutige Form. Wenn ich auch für meine Ideen kämpfte, wusste ich doch im Innersten, dass sie fast immer recht hatte, doch manchmal brauchte ich Zeit loszulassen, was ich mir anders vorgestellt hatte. Dieser Prozess ist wohl nie abgeschlossen. Jedesmal wenn ich den scheinbar fertigen Film anschaue, denke ich: Das hätte man auch anders machen können. Von da her war es interessant, sich noch einmal hinzusetzen und die kürzere Fassung von 52 Minuten für das Deutschschweizer Fernsehen zu schneiden. Sie wurde ziemlich anders, irgendwie knapper zur Sache, dokumentarischer und bodenständiger. Und doch muss ich auch da immer wieder Tränen verdrücken, wenn ich sie sehe - die Fassung - also natürlich auch Johana.