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Das Bundesamt für die Kultur führt den Tatbeweis ein in der Filmförderung

1.4.2009

Texte

Schweizer Produktionsfirmen, die vom Bund Filmförderung beantragen, müssen zukünftig die das Publikumspotential ihrer Filme mit einer Unterschriftensammlung beweisen. Der Entscheid, der ab sofort gilt, wurde von Bundesrat Couchepin heute gegenüber der Presse bekannt gegegen: "Vor drei Jahren haben wir gesagt, der Schweizer Film müsse populärer werden. Denn was nützt die Kunst, wenn sie nicht gesehen wird. Heute gehen wir einen Schritt weiter und führen ein Instrument ein, das tief in der Schweizer Demokratie verankert ist: die Volksinitiative. Wir sagen darum jetzt: Popularité und démocracie!" Filmchef Nicolas Bideau räumte ein, dass die bisherige Bewertung des Publikumspotential eines Films sich nicht bewährt hat: "Da kam ein Regisseur in die Kommission uns sagte sein Film macht 60'000 Zuschauer, und ich sage, ich glaube das nicht. Aussage stand gegen Aussage. Da hatten wir einen Handlungsbedarf". Nach der neuen Regelung braucht ein Produzent die Unterschriften von 1000 Zuschauern pro Filmminute. "Die Minutenquote ist ein guter Anreiz, die Filme kürzer zu halten", meint der langjährige Chef der Kurzfilmförderung Phillippe Clivaz.
"Die Beglaubigung der Unterschriften ist ganz einfach, wir werden dazu die Infrastruktur der Gemeinden nutzen, die jetzt auch Volksinitiativen beglaubigen", erläutert Bürochef Olivier Müller. Die Formulare seien zwar noch nicht ganz fertig, weshalb vorläufig keine Gesuche mehr eingereicht werden können, man könne aber immer eine Ausnahme beantragen.
Die Reaktionen der Parteien zum Entscheid des Bundesamtes sind durchwegs positiv. Der Präsident der SP Christian Levraz will umgehend zwei Filminitiativen lancieren: "Ein Film für ein Konjunkturpaket und ein zweiter Film zur Verbesserung des Images unserer Partei." Der Präsident der Liberalen/FDP Fulvio Pelli freut sich, "dass die Leute, die uns immer Lektionen erteilen, jetzt selber etwas arbeiten müssen. Daneben hat die neue Hürde einen erfreulichen Nebeneffekt zur Ausgabenbeschränkung der Bundes." Oskar Freysinger von der SVP schliesslich möchte sicherstellen, "dass die Filminitiativen nur von Schweizern unterschrieben werden können".
Bei der Filmbranche hingegen sind die Reaktionen eher durchzogen. Fredi M. Murer (HÖHENFEUER, VITUS) meint, die Demokratie habe bei den Dreharbeiten leider noch nie genützt. Der Westschweizer Regisseur Frédéric Gonseth sieht eine Benachteiligung der Romandie: "Es ist viel einfacher, die Unterschriften in Zürich zu sammeln als in Lausanne. Die Quote sollte für uns tiefer sein." Durchwegs zufrieden ist jedoch die Michael Steiner, der dank einer Ausnahmeregelung sofort eine Filminitative für die Nachfinanzierung von SENNENTUNTSCHI lanciert hat. Die Unterschriftenbogen sind bereits gedruckt und liegen heute in allen Deutschschweizer Kinos zur Unterschrift auf.