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Beshkempir




Man hat den Begriff Poesie schnell einmal zur Hand, wenn einem die Worte ausgehen beim Betrachten eines Filmes. Im Fall von BESHKEMPIR von Aktan Abdikalikow kann man gar nicht anders als von reiner Poesie zu reden, von einer Sanftheit der Erzählung, von einer Sinnlichkeit der Bilder, von einer Nähe am Wesen des Lebens, der Natur, der Liebe. BESHKEMPIR ist nicht nur der erste Spielfilm von Aktan Abdikalikow, es ist auch die erste Produktion, die in der ehemaligen Sowjetrepublik Kirgisien, dem heutigen Kirgisistan, seit ihrer Unabhängigkeit gedreht wurde. Eine wahre Entdeckung, die in ihrem visuellen Bewusstsein an grosse Stummfilme erinnert oder an eine der schönsten Liebesgeschichten des Kinos, an die Verfilmung von Dschingis Aitmatows Roman "Dshamilja".

Abdikalikow beginnt mit der Fahrt über einen gewobenen farbenfrohen Teppich, und mit ihm vergleichbar webt er sein stimmungsbetontes Bild des Dorfes, der Jugend und der in ihr keimenden Liebe. Sinnlich ist sein Film in jeder erdenklichen Beziehung. Das Auge wird verwöhnt von einer rar gewordenen Schwarzweissfotografie, in der vereinzelte Farbtupfer umso intensiver aufscheinen. Das Ohr taucht ein in den Klangteppich, den die Natur da ausbreitet. Grosses Formenbewusstsein und visuelle Pracht führen auch zu indirekter Sinnlichkeit: Man fühlt das erdene an den Fingerspitzen, wenn die Jungs sich im Lehm suhlen, man riecht den Duft der Blüten, wenn das umschwärmte Mädchen den Hain herunter kommt, man fühlt das Herzklopfen, wenn der Junge sich im Kino dem Mädchen nähert.