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Berner Zeitung - Grosses Kino neben der Leinwand

22.1.2009

Texte

Der Politthriller rund um Filmchef Nicolas Bideau bot an den Solothurner Filmtagen Draufhaupotenzial, erhöhte Temperaturen und glückliche Wendungen. Ins Kino geht man wegen den Emotionen. Dieser Tage besonders empfehlenswert: Die Gefühlsturbulenzen rund um Nicolas Bideau. Der Filmchef des Bundesamtes für Kultur (BAK), dem manches Branchenmitglied zurzeit gerne den Arbeitstitel BURN AFTER UNTAUGLICHKEIT umhängen würde, gibt in einer sehenswerten Darstellung den würdigen «elder statesman». Doch seine Widersacher sind auch nicht schlecht und strotzen vor Adrenalin. (...) Doch Bideau rettet sich in einen «Handlungsspielraum». Er weiss: Der Showdown kommt noch. Und er kommt – tata – in Person von Stefan «the head» Haupt, Regisseur und Präsident des Verbandes Filmregie und Drehbuch Schweiz. Ein Klima der Angst habe er geschaffen, maunzt Haupt. Darob kommt Bideaus BAK-Sekundant Oliver Müller (verantwortlich für die selektive Filmförderung) so ins Schwitzen, dass er zugibt, beim Gespräch mit Filmschaffenden auch mal unter steigenden Temperaturen zu leiden. Haupt, äusserlich sanftmütig, lädt nochmal nach: Bideau verweigere den Dialog, bestreite sogar die anschliessende Radiotalkrunde lieber allein. Das lässt der Filmchef nicht auf sich sitzen. Er, der vor Jahresfrist eine Party unter dem Motto THE ASSASSINATION OF NICOAS BIDEAU BY THE COWARD IVO KUMMER» schmiss, kann ja nicht als Feigling oder Regiemörder dastehen. Die Geburt seiner Tochter habe seine Termine etwas durcheinander gebracht, gesteht Bideau. Und: Er bietet Haupt die Hand, worauf beide Richtung Radiostudio entschwinden. Happyend? Nein, eher ein Film mit Fortsetzungspotenzial.
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