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Bassidji

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Visions du Réel Nyon 2009

Bassidji

Iran/CH/F 2009 114'

Regie: Mehran Tamadon
Drehbuch: Mehran Tamadon
Kamera: Madjid Gorjan
Ton: Jérôme Cuendet
Schnitt: Andrée Davanture, Rodolph Molla
Produktion: Tamadon - Road Film, Box Productions sàrl

Mehran Tamadon 2009 114'

Fast drei Jahre bewegte ich mich in der Welt der wohl extremsten Verteidiger der islamischen Republik Iran (der Bassidjis), um deren Paradigmen besser zu verstehen. Wir stammen aus demselben Land, doch die Gegensätze könnten nicht grösser sein. Als Iraner, der in Frankreich lebt, als Atheist und Sohn militanter Kommunisten unter dem Schah biete ich viele Angriffsflächen für all jene, die den Regierungsdogmen folgen. Und dennoch ergibt sich ein Dialog. Doch inwieweit sind wir bereit, unsere Überzeugungen zu hinterfragen und aufeinander zuzugehen?

Genügen die Fragen, die der Regisseur Mehran Tamadon im Laufe des Films stellt, um die Prinzipien eines totalitären Diskurses zu verstehen und verständlich zu machen? Wird der mittlerweile in Frankreich ansässige Iraner durch seine Fragen ein Land begreifen lernen, das sein eigenes ist, in dem er sich jedoch nicht mehr wieder erkennt?
Nur mit Kamera, Mikro und einem Haufen Fragen im Gepäck, hat sich Mehran Tamadon mit Mitgliedern der Bassidji getroffen – einer 1980 gegründeten Volksmiliz, die sich während Saddam Husseins Angriff auf den Iran der offiziellen Armee angeschlossen hat und deren Anhänger zum Grossteil im Krieg gefallen sind. Mittlerweile fungieren die Bassidji als islamische Revolutionsgarde. Mit offenem Visier und ohne seine Absichten zu verbergen, hat er ihnen seine Fragen gestellt und sie mit seinen Überlegungen konfrontiert, die von einem Teil der zwei Jahre lang von dieser Regierungsmiliz unterdrückten iranischen Bevölkerung geteilt werden. Er ist ihnen zu den alten Schlachtfeldern gefolgt, auf denen sie zu hunderten ihre Kriegs-Märtyrer beweinen, die in dem Glauben gestorben sind, dadurch Gottes Wille zu folgen. Er hat an ihren Versammlungen teilgenommen, an denen die BASSIDJI bei gelöschtem Licht und mit lautem Klagegeschrei ihre Märtyrer beweinen und darum beten, sich dereinst ebenso tapfer und opferbereit zu zeigen wie sie. Er ist einem der Gardisten durch die Strassen Teherans gefolgt, der dort auf dem Motorroller unterwegs ist, um über das Einhalten der Gebote und die Auslegung des Islam zu wachen.
Motor des Films und Argument für seine Begegnungen sind auf der Strasse geführte Interviews mit Iranern, die sich mittels des Aufnahmegerätes an die Führer der Bassidji wenden und ihre Vorbehalte und Zweifel äussern. Er versucht sie mit seinen Erfahrungen im Westen zu konfrontieren, wo er mit seiner Partnerin in Untreue und unverheiratet zusammenlebt, während sie es nicht einmal wagen, einer Frau in die Augen zu sehen.
Unermüdlich versucht Mehran Tamadon zu verstehen. Mit all seiner Diplomatie und seiner Redegewandtheit – der die seiner Gesprächspartner in nichts nachsteht – stürzt er sich mit seinen Argumenten und Überlegungen in dieseWortgefechte. Letztlich, fast am Ende seiner Kräfte, beisst er jedoch auf Granit. Ob er eine Frage zu viel gestellt hat?
Visions du Réel Nyon 2009