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Balifilm

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Internet:
Visions du Réel Nyon 1997: Fiche BALIFILM (BALI 1990, 1992)

Visions du Réel Nyon 1990

Balifilm

CA 1997 28'

Regie: Peter Mettler
Drehbuch: Peter Mettler
Kamera: Peter Mettler
Ton: Peter Mettler
Schnitt: Peter Mettler
Musik: The Evergreen Club Gamelan
Produktion: Grimthorpe Film

Peter Mettler 1997 28'

Erneut ein Film wie ein Tagebuch, nicht unähnlich EASTERN AVENUE, nur dass Mettler währendzweier Reisen nach Bali offensichtlich ein Thema fand – spirituelle Darstellungen, den Zusammenhangzwischen Kultur, Natur und Religion. Dieses Interesse treibt ihn vom Reisfeld insSchattentheater, wo Dämonen einander zu bekämpfen scheinen. Zunächst bleibt er auf der Seiteder Figuren, schaut zu, wie die filigranen Schattenrisse bewegt und vor dem Feuer geführt werden.Dann wechselt er auf die Seite des Publikums, dem sich die minutiösen Bewegungen als Schattenauf einer Leinwand übertragen. Eine Urform des Kinos? Doch Mettler geht weiter zum Tanz: Frauen üben in Alltagsgewändern die schwierigen Figuren,mal reagieren sie animiert auf die Kamera, ein anderes Mal entziehen sie sich schüchtern. Mettlerhingegen scheint insbesondere von der Arbeit mit den Händen fasziniert, die sich gelenkig in immerneue Formen biegen.Wiederum ist der formale, ästhetische Prozess ein zentraler Faktor des Films: Mettler benutztefür die Aufnahmen nur Restmaterial, dass er auf Video bearbeitete und schliesslich wieder zurückauf Film übertrug. Auch die Entstehung der Filmmusik ist eher komplex: Zunächst zeigte Mettlerdie Bilder zu einer Live-Performance, von der Mettler Aufzeichnungen macht – später nutzte dasGamelan Orchestra diese ‹Notizen›, um einen eigenen Soundtrack zum Film zu entwerfen. Balifilm– extrem fliessend und rhythmisch geschnitten – ist derart ein Bild- und ein Musikstück zugleich,das man es wie einen Song immer wieder sehen und hören kann.
Veronika Rall, Swiss Films

"bali 1990, 1992. Diese präzise Zeitangabe des Films überrascht. Denn was er zeigt, gehört zur ewigen Auseinandersetzung zwischen Sichtbarem und Unsichtbarem, Hörbarem und Unhörbarem, Zeitgebundenem und Zeitlosem, anders gesagt, zum schillernden Auf und Ab des nicht Fassbaren, der endlosen Bewegung dessen, das sich jeglichem Festhalten – und sei es in einem Bild – entzieht. Was er zeigt, ist eigentlich nichts anderes als ein Tanz, Höhepunkt einer religiösen Feier und der Vorbereitung dazu, von der Kamera des Filmemachers unter freiem Himmel verfolgt. Ohne jeglichen Kommentar. Ausser dem einer (anderswo komponierten) Musik, die empathisch – sie verwendet die traditionellen Instrumente der Insel – und distanziert zugleich, eine monoton-eindringliche und beschwörende, dem Bild gegenüber leicht verschobene Weise einbringt. Ein Tanz, ja, aber ein Tanz zwischen Form und Licht, Körper und Seele, Irdischem und Himmlischem, Menschlichem und Göttlichem. Die Natur, die Kulturen und die Elemente werden angerufen, bevor die eigentliche Liturgie beginnt. Auf den Friesen der Tempel folgen die Götter und Göttinnen ihrer symbolischen Choreographie. Die Männer und Frauen tun es ihnen gleich. Die steinernen Formen schälen aus dem Fleisch Körper, die zu reiner Bewegung, reiner Anmut werden. Der Kampf, aber auch die stilisierten Umarmungen verschmelzen sich miteinander. Eurythmie. Der Film hat weder didaktische noch ethnologische Absichten. Was Peter Mettler interessiert, ist das Spiel der Linien, die möglichen Verschiebungen, die Wirkungen von Stillstand und Schwebe, die Verlangsamungen, die abrupten Bewegungen, die der Schnitt hypnotisch einfügt. Und dann, auf dem Höhepunkt der Feier, mitten in der Darreichung der Opfergaben und der gemessenen Prozessionen, hält die Kamera ein Gesicht fest, dann ein zweites. Das einer lächelnden jungen Frau am Rande des Geschehens und das eines Touristen mit der Kamera in der Hand. Schliesslich nimmt die heitere Natur erneut vom Bild, von ihren Rechten Besitz.So gliedert sich der Film auf zweifache Art: durch eine grosse Einheit in der Abfolge – von den Vorbereitungen bis zur kurz angedeuteten Zeremonie – und dann durch suggestive Verlagerungen, die uns nach und nach der exakten Zeit des hier und jetzt entziehen. Damit wird der Film seinerseits zu einer Opfergabe, einem Bindeglied zwischen dem Menschen und seinem Jenseits."
Visions du Réel Nyon