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Aus Galizien in den Aargau

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Internet:
Website AVA Scheiner

SWISS FILMS


Siehe auch:
Aus Galizien in den Aargau - Epilog

ISAN: 0000-0001-C29D-0000-Y-0000-0000-9

Aus Galizien in den Aargau

CH 2007 45'

Regie: Peter Scheiner, Susanne Scheiner
Drehbuch: Susanne Scheiner
Kamera: Thomas Hucko, Adrian Zschokke
Ton: Heinz Tobler
Schnitt: Thomas Enz, Thomas Hucko, Peter Scheiner
Produktion: AVA Scheiner AG

Peter Scheiner, Susanne Scheiner 2007 45'

Jerzy Czarnecki, der Protagonist des Films könnte sich damit begnügen, einen ruhigen Lebensabend zu geniessen, nachdem er viele Jahre beim Bundesamt für Energie auf dem Gebiet des Strahlenschutzes tätig war. Doch etwas treibt in um: er hat Erinnerungen, die in der Schweiz nicht jeder hat und er fühlt sich gedrängt und verpflichtet, darüber zu berichten.

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«60 Jahre sind vergangen und ich habe nie gewagt, zurück zu kehren - in meine Heimatstadt, nach Mosty Wielkie. Lange habe ich mir das überlegt: hat es einen Sinn, überhaupt hinzugehen? [...] Ich weiss doch, dass niemand geblieben ist, von mir, in dieser Stadt.»
Jerzy Czarnecki

Ausgehend von einer Reise nach Mosty Wielkie (heute Ukraine), in die Stadt, in der Jerzy seine Jugend verbrachte und die er 1942 verlassen musste, geht der Film den Orten und Ereignissen nach, die für Jerzys Leben bestimmend waren: Die Flucht vor den Nazis im Zweiten Weltkrieg, Annahme einer falschen Identität, Zwangsarbeit als vermeintlich “arischer” Pole in Deutschland, nach dem Krieg Ausbildung zum Elektroingenieur, Aufbau eines neuen Lebens in Polen und schliesslich, nachdem 1967 dort ein virulenter Antisemitismus ausbricht, Emigration in die Schweiz. Es war ein weiter, mit tragischen und dramatischen Erlebnissen gepflasterter Weg vom kleinen galizischen Schtetl Mosty Wielkie bis ins schweizerische Windisch im Kanton Aargau.

Jerzy Czarnecki ist am am Sonntag 2. Dezember 2007 gestorben.

Hintergrund

Jerzy Czarnecki, der Protagonist des Films, schreibt in seinem Lebenslauf: "Ab Mai 1972 ist die Schweiz meine neue Heimat geworden. Hier habe ich seit 1974 auf dem Gebiet der Sicherheit der Nuklearanlagen gearbeitet, bis zu meiner Pensionierung im Jahre 1989."

Was steckt hinter diesen wenigen Zeilen? Jerzy Czarnecki ist ein bescheidener, ruhiger Mensch, der sich kaum je in den Vordergrund drängt. Der Film tritt dem entgegen und zeigt, was in diesem Menschen steckt. Da ist einerseits eine erstaunliche Karriere und anderseits ein dramatisches und trauriges, vom Holocaust geprägtes Schicksal. Der Jude Jerzy Czarnecki ist 1924 als Isaak Steger in einer kleinen Stadt in Osteuropa geboren; mit falschen Papieren lautend auf den Namen Czarnecki gelang ihm 1942 die Flucht aus dem von den Deutschen besetzten Ort.

Der Film zeigt in ersten Szenen Jerzy und seine Frau Rena in ihrer Wohnung in Windisch im Kanton Aargau und an einem Treffen mit früheren Arbeitskollegen in der Hauptabteilung für die Sicherheit der Kernanlagen des Bundesamtes für Energiewirtschaft. Ein jetziger Mitarbeiter würdigt Jerzys Leistungen; dieser hatte seinerzeit ein neues System zur Messung der Radioaktivität entwickelt, das noch immer im Einsatz ist und kürzlich ein Update erfuhr. Dann begleitet der Film Jerzy auf seiner ersten Reise zurück in seine Heimatstadt Mosty Wielkie, die heute in der Ukraine liegt, 50km nördlich von Lviv (Lemberg). 60 Jahre hat er gewartet, bis er im Jahre 2004 diese Reise wagte.

Unterwegs, in Lviv trifft sich Jerzy mit Prof. Honigsmann, der die Schicksale jüdischer Familien dokumentiert, die in und um Lemberg gelebt haben. Auf einer Liste hat er zu Jerzys Familie vermerkt: "10 Personen erschossen". Auf der Weiterreise sitzt Jerzy in der Eisenbahn zufällig einem Anhänger einer ukrainischen nationalen Partei gegenüber. Es entspinnt sich zwischen den zwei Männern, die beide im Krieg grosses Leid erfuhren eine politische Auseinandersetzung über die seinerzeitige Mitschuld ukrainischer Nationalisten am Holocaust.

In Mosty Wielkie angekommen, findet Jerzy das Haus wieder, wo er seine Jugend verbrachte; es gehört heute einem jüngeren ukrainischen Unternehmer, er heisst Roman Kosoriz, und das Haus dient ihm als Geschäftssitz. Jerzy und er werden sich später anfreunden. Roman hat zwei Söhne im Teenageralter. Sie haben keinerlei historisches Wissen; das geht so weit, dass sie keine Ahnung haben, wer den zweiten Weltkrieg vom Zaun gebrochen hat. Der Film macht einen kleinen historischen Einschub über jene Kriegsereignisse, die Jerzys Leben unmittelbar beeinflusst haben. Auf einem Abstecher nach Warschau schliesslich zeigt Jerzy das Gebäude, wo er sich 1942 bei mutigen Menschen verstecken konnte, bis er als vermeintlich nichtjüdischer Pole zur Zwangsarbeit nach Deutschland verschickt wurde.

Nach dem Krieg bildet sich Jerzy zum Elektroingenieur aus. Er doktoriert, wird Hochschullehrer an der Warschauer Militärakademie im Rang eines Offiziers. Doch auch in Warschau holt ab 1967 der Antisemitismus ihn ein und erneut muss er weg. So kommt er in die Schweiz. Seit er pensioniert ist, widmet er sich vermehrt der Geschichtsaufklärung und dem Wahren der Erinnerung. Er spricht in Schulen vor jungen Menschen (der Film zeigt eine Stunde mit einer Klasse der Kantonsschule Wetzikon) und in seiner früheren Heimat organisiert er, u.a. mit Hilfe von Roman, Gedenkanlässe an die jüdischen Kriegsopfer aus Mosty Wielkie.

Zum Film gibt es einen Epilog, den sie hier kostenlos anschauen können
Aus Galizien in den Aargau - Epilog (DE)