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DVD + CD
PAL 4:3
Region
Die Waldtstätte: Dampschiffsymphonie
CH 2007
Regie: Cyrill Schläpfer
Stichworte
Musik
Experimentalfilm
Dokumentarfilm
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Die Waldstätte: Dampschiffsymphonie
Cyrill Schläpfer
Ein symphonisches Werk mit Dampfschifftönen. Ein Vierwaldstättersee-Hörspiel, eine mechanische Operette, ein Wasserballet, eine Heimatsuche, ein Leviathan-Gleichnis, eine Space Odyssee, eine Irrfahrt und ein Rätsel so massiv und tief wie Moby Dick.
"1993 hat der Luzerner Cyrill Schläpfer mit UR-MUSIG erstmals als Filmemacher von sich reden gemacht. Gejuchzt, gejodelt, gehandorgelt und Alphorn geblasen wurde in UR-MUSIG und über Leinwand zogen Bilder einer archaisch anmutenden Schweiz und ihrer Bewohner. Mit WALDSTÄTTE legt Schläpfer sein zweites grosses Musikfilm-Werk vor und auch diesem liegt die unmittelbare Heimat seines Schöpfers zu Grunde: Der Vierwaldstättersee, die darauf kursierenden Raddampfer sowie das Motorboot Rütli. Von 1996 bis 2006 hat Schläpfer die Töne und Klänge dieser Schiffe - ihre Hornsignale, das Schlagen, Zischen, Stampfen ihrer Maschinen, das Platschen ihrer Schaufelräder - sowie die Geräusch-Ambiance des Sees festgehalten. In der Folge hat er daraus eine Symphonie aus 26 Sätzen komponiert, welche er für die DVD/Kino-Vorführung recht eigentlich ‚bebilderte‘: Die Bildspur von WALDSTÄTTE besteht aus nachbearbeiteten, sich überblendenden, ineinander verschiebenden, in endloser Fahrt abgefilmten Fotos des Vierwaldstättersees, seiner Schiffe, Ufer, der über ihn hinweg ziehenden Möwen, Wolken und Nebel. Was Schläpfer schliesslich vorstellt ist ein Musik-Film von traumhafter Archaik. Dieser beginnt sanft, mit dem verlorenen Pfeifen eines Horns, am Ufer vertäuten Schiffen und bricht auf zu einer Reise rund um und über den See. Mal dumpf, mal hell heulen die Horne. Ferne Kirchglocken erwecken Sonntags-Gefühle. Es klackt, knarrt, scheppert. Hohl klingt die Welt unter Wasser. Und wie die schemenhaften Bilder der Stadt Luzern abgelöst werden vom Schimmern des Mondes, dem Glänzen der Wellen; sich grün die steilen Ufer ins Bild schieben, dunkel die Silhouetten der Berge erheben, taucht man unverhofft in eine vergessen-magische Welt, in der Geister, Elfen und andere mystische Gestalten zu hausen scheinen. Eigenwillig, ja, aber auch wundersam-trutzig-schön ist WALDSTÄTTE- und ganz unzweifelhaft Schläpfers Opus Magnum."
Irene Genhart, independent-pictures
"Ungewöhnlichster und künstlerisch herausragender Film dieser 43. Filmtage war aber DIE WALDSTÄTTE von Cyrill Schläpfer. Der Schöpfer von UR-MUSIG (1993) hat nun eine Sinfonie zum Vierwaldstättersee komponiert, instrumentiert auf hinreissende Weise durch dessen Dampfschiffflotte. In unaufhörlicher Fahrt gleitet die Kamera nicht über Landschaften und technische Konstruktionen, sondern über deren Fotografien, bis die Schiffe wie bei Méliès abheben in kosmische Dimensionen und in den Traum vom Meer."
Christoph Egger, NZZ
"Die Töne und Klänge habe ich auf und in den Raddampfern während vielen Test- und Extrafahrten, sowie an verschiedenen Orten am Ufer des Vierwaldstättersees, im Raumtonverfahren (mit bis zu 4 Toningenieuren gleichzeitig), über und unter dem Wasserspiegel, aufgenommen.
Während Jahren habe ich jedes Detail der 5 rund hundertjährigen Dampfschiffe „URI“, „Unterwalden“, „Gallia“, „Schiller“ und „Stadt Luzern“, aber auch die kleinen Motorschiffe „Rütli“ und „Reuss“, aufgenommen; jedes Signal, jedes Horn, jede Schiffsglocke, jedes Kielwasser, jedes Dampf ventil, jeden Kolbenpleuel, jedes Rattern und Scheppern, jedes Salon-Geräusch bei Volldampf auf See oder nachts im Schiffsrumpf in der Werft, jedes Glucksen im Ankerschacht, jede Hydraulikpumpe, jedes Schaufelrad, jeden Telegraphen, etc. Ich habe jedes Schiff chirurgisch auf See, mit und ohne Passagiere, in der Werft, im Sommer und im Winter, bis hin auch mit Unterwasser-Mikrophonen, aufgenommen.
Ich habe Aufnahmen an vielen Anlegestegen gemacht: Schiffsteg Stadt Luzern, Tribschen, Meggerhorn, Hertenstein, Küssnacht, dann im Urnersee: Rütli, Isleten, Bauen, Rotschuo und Tellskappelle, etc., und schliesslich auch vom Hotelzimmer (National am Quai), oben vom Dietschiberg oder vom gegenüber liegenden Berghang im Urnersee aus. An verschieden Orten und Jahreszeiten habe ich Ufer- und Wasseroberflächenambiences aufgenommen: Wind, Wellen, Wasservögel, Kirchenglocken am Ufer, Stadt- und Landgeräusche.
Cyrill Schläpfer
Eine Irrfahrt, ein Horrorfilm, ein Rätsel
Albert Kuhn, Weltwoche
Cyrill Schläpfer schlägt wieder zu. Nach der Heimatrecherche UR-MUSIG folgt ein düsteres Schattenspiel auf dem Lake Lucerne.
Die Musik, ums die hier geht, wird vielleicht nur einem kleinen, euphorischen Zirkel zugänglich bleiben. Oder sie wird grosser Kult. Entweder wird dies niemand verstehen oder alle wollen diesen Sound haben - aus Neugier, aus Patriotismus, aus dunkler Lust an Abgründen. Diese Musik ist sowohl radikal als auch sehr plausibel. Kritiker mögen sich die Haare raufen, aber jedes Kind versteht, was hier los ist. Viele werden sich kopfschüttelnd abwenden, sowas ginge ja nicht. Und ebensoviele werden fasziniert sein und entweder von einer neuen Musique Concrète sprechen, von Lozärner Wagnerianertum oder schlicht von Wahnsinn. Wer blind erraten muss, was hier gespielt wird, kann minutenlang ratlos bleiben.
Die allerersten Geräusche sind unbestimmt, klingen wie aus dem tiefen Weltraum oder aus einem Science Fiction Film. Dann aber ist das Anblasen eines Instrumentes zu hören, eine tiefergelegte Querflöte vielleicht, ein zweifaches, scharfes Fauchen. Oder das Tuten eine Dampflok? Später sind Wassergeräusche auszumachen und weiteres Tuuuuten im Hintergrund. Dieses Orchester, wenn es denn eines ist, spielt in einem sehr grossen Raum. Es könnte eine gotische Kirche sein - aber da wird ja weder gehupt noch stehn Kirchen normalerweise unter Wasser.
Nein, das sind Schiffe. Sie mögen im Hafen einer grossen Stadt liegen, die an eine Bergflanke gebaut ist und jedes Geräusch der grossen Schiffe aufs Meer zurückwirft. Vielleicht Genua? Aber so steil ist die Küste dort auch wieder nicht und der Verkehrslärm lauter als die Schiffe. Es muss sich um einen ruhiger gelegenen See in den Bergen handeln, wo jedes Geräusch von mindestens einer Seite zurückgeworfen wird. Ein von Felswänden umstellter, grosser See mit Dampfschiffs-Flotte? Die Kombination gibts weltweit nur einmal. Es ist der Vierwaldstättersee.
Damit ist das Rätsel weder gelöst noch abgehakt - es tut sich erst auf. Wir hören deklariertermassen Aufnahmen von Dampfschiffgeräuschen, aber nicht einfach Tondokumente, die tel quel auf CD gepresst wurden. Den Klängen und Geräuschen wurde eine Form gegeben, ein Ablauf, eine vielstimmige Dramatik im Kleinen und im Grossen. Wie man’s dreht und wendet: Dies ist Musik.
In Gesprächen tönt Schläpfer eine mögliche Verwandschaft zur Musique Concrète an, winkt aber gleich ab: «Wenn ich das laut sage, riskier ich Prügel, werd ich in der Luft zerrissen.» Die Definition von «konkreter Musik» lautet: «Eine Musikrichtung, bei der Geräusche aus Natur, Technik und Umwelt mit dem Mikrofon aufgenommen und durch Montage, Bandschnitt, Veränderung der Bandgeschwindigkeit, und Tapeloops elektronisch verfremdet werden.» Genau dies hat Schläpfer gemacht - über die Zeitdauer von zehn Jahren, davon zwei Jahre lang fünf bis sechs Stunden täglich.
Schläpfer - Perfektionist, Patriot und tiefer Zweifler - hat den Hang zum Gesamtkunstwerk: 1993 verfilmte er mit UR-MUSIG die die Essenz der Schweizer Alpenkultur, einer der exotischsten Filme überhaupt, weil er eine untergehende Welt fühlbar machte. Darauf folgte, ebenfalls über Jahre, eine akustische Bestandesaufnahme der ungeschönten Schweizer Volksmusik mit Schwerpunkt Rees Gwerder. Danach eine Serie von Innerschweizer Aussenaufnahmen auf Alpen («s’Glüüt»), an Seen und auf Traktoren. Dazwischen eine Neubearbeitung von Taxi’s «Campari Soda» für die Swissair. Und nun DAS hier.
Die Protagonisten der Dampfschiffsymphonie sind die Uri, die Unterwalden, die Schiller, die Gallia, die «Stadt Luzern» und als Junior-Stargast das kleine Motorschiff Rütli. Sie werden vom Komponisten und Musiker Cyrill Schläpfer auf eine siebzigminütige Reise geschickt, man könnte auch sagen: losgelassen. Denn dies ist kein fröhlicher Sonntagsausflug mit Bratwurst und Kindergeschrei, sondern so ziemlich das Gegenteil. Die Schiffe sind Ungetüme, Monster, Aliens und ihr Fauchen und Jaulen schreit etwas heraus, das wir uns erst noch übersetzen müssen.
Auf der DVD-Version wird die Symphonie zur Vierwaldstättersee-Oper: Schläpfer entschloss sich zur Verfilmung des Soundtracks. Ein Vexierspiel - und hier gleich noch eins: Man realisiert, dass einige Passagen, nicht Film, sondern Fotografien sind. In Wahrheit sind es ausschliesslich Fotografien. Mittels Überlagerungen, Überblendungen und Zooms bringt Schläpfer Schiffe zum Gleiten, Möven zum Segeln und Wasserflächen zum Glitzern. Photoshop-Experimente durchleuchten Schiffe, lassen sie aufblitzen, absaufen, abheben und ins Weltall verschwinden. Und akustisch: Viel Echo und Hall, aber alles ohne Geräte, alles Natur. Unterm Strich hat sich Schläpfer einer formalen Disziplin und technischen Selbstbeschränkung unterworfen, die etwa jener der dänischen «Dogma»-Filmer entspricht. Und hat en passant die verfilmte Fotografie erfunden oder neu erfunden.
Ein Vierwaldstättersee-Hörspiel, eine mechanische Operette, ein Wasserballet, eine Heimatsuche, ein Leviathan-Gleichnis, eine Space Odyssee, eine Irrfahrt, ein Horrorfilm, ein Swiss Darkness Video, eine psychedelische Pracht. Und ein Rätsel so massiv und tief wie Moby Dick.
Cyrill Schläpfer
Geboren 1959 in Luzern. 1966-1971. Primarschule in Luzern. 1971-78 Kantonsschule in Luzern, Matura Typ B. 1982-85 Musikstudium am Berklee College of Music in Boston, Diplom für Musikproduktion und Aufnahmetechnik . 1986 Volontariat und Arbeit bei Radio DRS im Studio ZH, beim Powerplay Studio ZH und Soundville Studio Luzern. 1986-1987 Musikredaktor bei Radio Pilatus und Discjockey. 1989 Gründung der eigenen Produktionsfirma CSR Records in Zürich. Ab 1989 tätig als selbständiger Musik und Filmproduzent.
2007 DIE WALDSTÄTTE - DAMPFSCHIFFSYMPHONIE
1993 UR-MUSIG
1986 VIERWALDSTÄTTERSEE
1985 USA I
1985 USA II
1985 FLAMINGO
1984 VERMONT
1983 BOSTON
Videos
News
- WALDSTÄTTE_SYMPHONIE von Cyrill Schläpfer am 25. April in Luzern 2009-04-25
- Waldstätte und suporting act am 25. April im Sedel 2009-03-26
- WALDSTÄTTE - DAMPSCHIFF-SYMPHONIE am Pariser Quartz-Festival 2009-02-05
- DIE WALDSTÄTTE von Cyrill Schläpfer im Kino 2008-02-20
- NZZ zu DIE WALDSTÄTTE von Cyrill Schläpfer 2008-01-28
- Ausgewählte Filme an den Solothurner Filmtagen Samstag 26. Januar 2008-01-26
- Ausgewählte Filme an den Solothurner Filmtagen Freitag 25. Januar 2008-01-25
- WALDSTÄTTE DAMPSCHIFFSYMPHONIE von Cyrill Schläpfer 2007-12-17
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