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Festival del film Locarno

 Vitus (1 DVD)

Preis: 29.00 CHF
Vergriffen
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DVD9 2 DVD
PAL 16:9
Region 2
FSK: 12+

Sprachen: Schweizerdeutsch Deutsch Französisch
Untertitel: Deutsch English Französisch

Vitus
CH 2006 120'

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Vitus (1 DVD)

Fredi M. Murer

Die Musik

Die Musik ist selber vom Hauptdarsteller Theo Gheorghiu interpretiert. Sie enthält:

  • Charles Henri Alkan: Allegro babaro
  • Wolfgang Amadeus Mozart: Rondo a-Moll KV 511
  • Carl Czerny: Etüde
  • Domenico Scarlatti: Sonata 263
  • Franz Liszt: Ungarische Rhapsodie Nr. 6
  • Maurice Ravel: Alborada del gracioso
  • Robert Schumann: Der wilde Reiter
  • Franz Liszt: Grandes études d'après Paganini Nr. 3 gis-Moll - La Campanella
  • Robert Schumann: Klavierkonzert in a-Moll Op.54
 

"Um sein Mammutprojekt, das einst als grosse europäische Koproduktion geplant war, zu entschlacken, hat er zudem Verflixt Verliebt-Regisseur Peter Luisi als Drehbuchautor hinzugezogen. Luisi hat geholfen, «die Kathedrale abzubrechen und daraus ein Einfamilienhaus zu machen». Das hat frischen Wind in die Produktion gebracht. Die wunderbaren Bilder von Murers langjährigem Kameramann Pio Corradi und die darstellerische Präsenz von Bruno Ganz würdigen aber auch die Generation des Regisseurs. Bruno Ganz, der das erste Mal mit Murer arbeitete, wird als kauziger Grossvater zum ruhigen Zentrum des Films. Aber natürlich steht und fällt eine solche Produktion mit den Kinderdarstellern: Während Fabrizio Borsani als kleiner Vitus einfach ein «Schnügel» ist, wirkt Teo Gheorghiu als sein älteres Pendant manchmal ein wenig hölzern, ist aber dafür ein virtuoser Klavierspieler. Man mag es dem luftigen, herzerwärmenden Drama gönnen, dass es nicht nur in den Schweizer Kinos zum Publikumsrenner wurde, sondern sich mittlerweile auch als Exportschlager des Schweizer Films erwiesen hat."
Veronika Grob, CINEMA

"Geschichten über hochbegabte Kinder, die an ihrer Gabe scheitern, da sie ihnen ihre Kindheit raubt, gibt es in der Filmgeschichte bereits in Unmengen. Als bekanntestes Beispiel kann hierfür LITTLE MAN TATE von und mit Jodie Foster, angeführt werden. Auch das Geschehen in Vitus läuft anfangs recht unspektakulär die einzelnen Stationen jener klassischen Figurenentwicklung ab: die Entdeckung des überdurchschnittlichen Talents, die Begeisterung der Eltern und die zu hohen Erwartungen, die von da an entstehen. Es folgt gewöhnlich die Verweigerung seitens des Kindes, das lieber mit Freunden rumhängt, anstatt die verpatzten Träume seiner Eltern zu verwirklichen. Die vorhersehbare Eskalation leitet meist eine Wandlung der Figuren und der Geschichte ein. Fredi M. Murer begibt sich ab der Mitte des Films auf Abwege der tradierten Geniegeschichtserzählung und gibt ihr eine unerwartete Richtung.
Der Tod des geliebten Großvaters bringt Vitus dazu, seine Verstocktheit aufzugeben und die Familie vor dem Ruin zu bewahren. Denn in Murers zeitgemäßer Wunderkindversion spielt der Protagonist nicht nur fehlerfrei Klavier und ist Klassenbester, sondern versteht es ebenso, gewandt an der Börse zu spekulieren und Konzerne aufzukaufen. Dass diese etwas abgehobene Geschichte auf der Leinwand trotzdem funktioniert und an keiner Stelle exaltiert und irreal plump wirkt, ist vor allem der Leistung der Schauspieler zu verdanken.
Neben der beständigen Glanzleistung von Bruno Ganz und der authentisch hochmütigen Julika Jenkins als Vitus’ Mutter ist insbesondere das Debüt des jungen Teo Gheorghiu anzuführen. Auch im wahren Leben reich mit Talent beschenkt, spielt er hier die Figur des Vitus mit einer überzeugenden Mischung aus kindlicher Naivität und stoischem Kalkül. Dessen lausbübische Hartnäckigkeit und charmante Art, seinen Willen bei jedermann durchzusetzen, ziehen über die gesamte Länge des Films in den Bann, so dass trotz überharmonischem Schluss die Sympathie zu der Figur stets die Oberhand behält. Insbesondere Szenen wie Vitus’ unvermittelter Heiratsantrag an seine frühere Babysitterin, die er in einem Luxusrestaurant argumentativ von den Vorzügen einer Ehe mit einem wesentlich jüngeren Mann zu überzeugen versucht, oder das geheime Ausleben gemeinsamer Träume mit dem Großvater, der an Vitus’ Seite wieder zum Kind wird, verwandeln die etwas abgenutzte Thematik in eine überraschend individuell und poetisch erzählte Geschichte einer Familie, die auf ganz banal menschlicher Ebene berührt und überzeugt."
Andrea Wildt, critic.de

Hebt «Vitus» Richtung Oscar ab?
Fredi M. Murers Film hat einen mächtigen US-Verleiher. Dies hilft ihm in Hollywood.

Von Martin Walder, NZZ am Sonntag

Der Zürcher Filmproduzent Christof Neracher kann seine Freude nicht verhehlen. Seit Dienstag ist es definitiv: Mit Sony Pictures Classics hat eine der Hollywood Major Companies Fredi M. Murers VITUS unter die Fittiche ihres Arthouse-Verleihs für die USA und Kanada genommen. Im Rennen um eine Oscar-Nomination für den besten nicht englischsprachigen Film, wo der Film als Schweizer Beitrag angemeldet wurde, ist das ein bedeutender Schritt.

Vitus ist ein Wunderkind; der Film auch. Über 200 000 Besucherinnen und Besucher in der Deutschschweiz haben ihn bisher sehen wollen; in Zürich hielt er sich 42 Wochen im Kino, der Start in Deutschland und Österreich mit über 80 Kopien steht bevor. Seit vielen Jahren ist kein Schweizer Film in mehr Länder verkauft worden, nun sind es über 30. Gleichzeitig hat sich VITUS von einem Festivalerfolg zum andern gespielt: Publikumspreise in Rom, Chicago und jüngst in Los Angeles an dem vom American Film Institute AFI organisierten Festival, das den führenden American Film Market begleitet. Vitus, das Wunderkind, färbt auf VITUS, den Film, ab.

In der Sektion Film beim Bundesamt für Kultur (BAK) hat man wohl aufs richtige Pferd gesetzt, als man ihn ins Rennen um den Oscar schickte. Einstimmig war die Wahl nicht, «es war nicht einfach», bestätigt Nicolas Bideau, Monsieur Cinéma in Bern, der den sechsköpfigen Ausschuss präsidierte, «wir haben nach dem generellen Profil dieses Oscars ausgewählt». Francine Brücher, Leiterin der internationalen Promotion bei Swiss Films, kennt dessen spezifische Ingredienzien: «Themen wie Hochbegabung, Familie und klassische Musik, wie sie Murers Film in einer berührenden, universell erzählten Geschichte verwebt, dürften hier offene Augen und Ohren finden», meint sie mit dem Charme und der Erfahrung der erfahrenen Häsin, die weiss, dass man sich im Gewerbe der schönen Illusionen gerade solche nicht machen darf.

Bisher galten die 600 Wahlberechtigten, welche die amerikanische Academy of Motion Pictures Arts and Sciences (MPAA), die Branchenorganisation also, für die Ausmarchung um den besten fremdsprachigen Film delegiert, als mehrheitlich ältere Semester mit eher konservativem Geschmack. Das hat sich offenbar geändert, und es wurden jüngere Mitglieder zur Teilnahme motiviert. In der Tat war etwa letztes Jahr mit PARADISE NOW ein politisch nicht unumstrittener Problemfilm um zwei palästinensische Selbstmordattentäter nominiert. Hat Murer Chancen? Es macht allen Anschein, dass der Film in «Hollywood» gut angekommen ist. VITUS breit ins Gespräch bringen, ist nun das A und O der Kampagne, «creating a buzz», wie man in der Filmbranche sagt.

Denn: Wo liegt schon Switzerland, aus Hollywood-Perspektive, wer ist Fredi M. Murer? «Die grossen Filmländer ausserhalb der USA, Frankreich etwa, sind bei den Nominationen im Vorteil», konstatiert der Filmwissenschafter Christian Jungen, Mitglied der Auswahlkommission beim Bund, und mutmasst, dass es «knapp werden könnte». Die Konkurrenz unter den 61 angemeldeten Filmen ist enorm, allein Sony Pictures Classics vertritt auch Almodóvars VOLVER. Für die Chancen von VITUS spricht sein Heimerfolg. Und mit Bruno Ganz, der heute mit Regisseuren wie Coppola arbeitet, hat er einen Star, der an der Westküste nicht erst seit dem Hitler-Epos DER UNTERGANG ein Begriff ist. Dies bestätigt Xavier Koller, der den Oscar 1991 für sein Drama REISE DER HOFFNUNG erhielt.

«Diese Story um ein Wunderkind ist ein Oscar-Köder», titelte das Fachblatt «The Hollywood Reporter». Jetzt geht es für VITUS um die Nomination um einen Platz unter den fünf, die zur Endausmarchung um die begehrteste Filmtrophäe der Welt antreten. Ein solcher Platz bereits gehört zu den höheren Weihen im Business und hilft an der Kinokasse. Am 25. Februar ist dann Oscar-Nacht. Mit Nichola Ellis ist eine erfahrene Pressattachée für die Promotion vor Ort eingesetzt worden, und beim Schweizer Konsulat in Los Angeles weiss man, dass man in einer Filmmetropole sitzt: «Ein echt heikles Unterfangen, denn es gibt Dinge, die man tun muss, solche, die man machen kann, und jene, die man unbedingt vermeiden soll oder muss», sagt diplomatisch Norbert Arnold, zuständig für kulturelle Angelegenheiten.

Man engagiert sich, knüpft Kontakte, lädt zu Cocktails. Zusätzliche Kinovorführungen im Januar sind zu organisieren, Dossiers, Flyers und DVDs zur Verfügung zu stellen, Inserate in der Fachpresse wie «Variety» zu schalten: «For your consideration» wird hier dem Wahlvolk jeweils in fetten Lettern auf Glanzpapier in Erinnerung gerufen. Ein teurer Spass. Das erste Promotionsbudget von rund 50 000 Franken, das Nicolas Bideau bereits freigegeben hat, wird bald ausgeschöpft sein. Umso wichtiger jetzt der Rückhalt des potenten Verleihers, sollte es ernst gelten.

Die nächste Hürde ist im Dezember jene Shortlist mit neun Filmen, die zu den fünf Nominationen führt. Natürlich bleibt das alles hoch geheim, aber man wird mögliche positive Zeichen zu deuten wissen und die Promotion entsprechend intensivieren: Eine Nachfrage nach weiteren Vorführungen, weiteren DVDs dürfte als günstiges Signal gewertet werden, weiss Francine Brücher. Anfang Jahr läuft VITUS mit all seinen Konkurrenten beim Festival von Palm Springs, und am 23. Januar, just während der Solothurner Filmtage, werden die Nominationen verkündet.

Und wie fühlt sich eigentlich der Regisseur, Fredi M. Murer, in seinem Turm an der Zürcher Spiegelgasse? Er hält seine Gefühle auf niedriger Flamme, «zu oft habe ich erlebt, dass alles plötzlich wieder anders ist. Und ich weiss, dass Enttäuschungen immer mit Erwartungen zu tun haben.» So etwas nennt man Weisheit.

Fredi M. Murer

Geboren 1940 in Beckenried. Ausbildung an der Fachklasse für Fotografie an der Schule für Gestaltung Zürich. Mitarbeit an der EXPO 64. 1970 Gastlehrer an der Gilford Arts School London. 1975-76 Studienaufenthalt in den USA. Seit 1967 Arbeit als freischaffender Filmemacher und Produzent in Zürich. 1992-96 Präsident des Verbandes Schweizerischer Filmgestalterinnen und Filmgestalter.

2006 VITUS
2004 DOWNTOWN SWITZERLAND
1998 VOLLMOND
1990 DER GRÜNE BERG
1985 HÖHENFEUER
1978 GRAUZONE
1974 WIR BERGLER IN DEN BERGEN SIND EIGENTLICH NICHT SCHULD, DASS WIR DA SIND
1971 PASSAGEN
1969 SAD-IS-FICTION
1966 BERNHARD LUGINBÜHL
1966 CHICOREE
1965 PAZIFIK – ODER DIE ZUFRIEDENEN
1965 BALANCE
1962 MARCEL

Livres
2008 DECADRAGES 12: DOSSIER FREDI M. MURER
1981 FREDI M. MURER

Rolf Lyssy

Geboren 1936 in Zürich. Ausbildung zum Fotografen. 1956-63 Kameraassistent bei Dokumentar-und Spielfilmen. Arbeitet als Kameramann, Cutter, Drehbuchautor und Regisseur.

2011 URSULA - LEBEN IN ANDERSWO
2009 HARD(YS) LIFE
2006 DIE VITUSMACHER
2004 WAEG VO DE GASS
2002 SCHREIBEN GEGEN DEN TOD
1999 LEO STERNBACH
1994 EIN KLARER FALL
1992 EIN TROMMLER IN DER WÜSTE
1989 LEO SONNYBOY (STEPHANIE GLASER COLLECTION)
1983 TEDDY BÄR
1981 KASSETTENLIEBE
1978 DIE SCHWEIZERMACHER
1974 KONFRONTATION
1971 VITA PARCOEUR
1968 EUGEN HEISST WOHLGEBOREN

Buch: 2001 SWISS PARADISE

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