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Visions du Réel


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La visite
CH 2009 43'
Regie: Thibault de Châteauvieux
Schnitt: Céline Ameslon
Musik: Chorale Sainte Thérèse

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Religion
Dokumentarfilm

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La visite

Thibault de Châteauvieux

Eine Begegnung mit meinem Bruder, der in einem mexikanischen Stadtteil in den USA als katholischer Missionar tätig ist. Ich versuche, ihn zu verstehen, mir ein Bild von seinem neuen Leben zu machen, vom Vorbild, das er für mich war, Abschied zu nehmen und seine Sicht der Welt auf die Probe zu stellen. Mich in seinen Traum versetzen oder ihn zu meinem eigenen Traum machen? Wenn man sich in den Traum des anderen versetzt, ist man erledigt.

Am Ufer eines Sees, in einer amerikanischen Landschaft wie aus einem Western von Anthony Mann, unterhält sich der junge Filmemacher mit seinem Bruder. „Du könntest sagen, dass ich obdachlos geworden bin, dass ich Frau und Kind und meine Mission verlassen habe. Dass ich einMissionar auf Abwegen bin!“ sagt dieser lachend. So lautet die Zwischenbilanz, die Thibault de Chateauvieux und sein Bruder Romain auf dem ungewöhnlichenWeg ziehen, der letzteren in die Fremde geführt hat, um dort mit seiner Frau und seinem Kind seinen Glauben zu bezeugen. Der Film begleitet ihn in seinenWerken, in der Intimität seines Wohnwagens, beim Abendoder Nachtgebet oder beim Missionieren, mit der Gitarre in der Hand, in einer – auf evangelischem Boden isolierten - mexikanischen katholischen Gemeinde. Romain zeigt uns seine Lieblingssachen, den abgewetzten Rosenkranz, das kleine Jesuskind, an das er sich in schwierigenMomenten klammert, das Auto voller Heiligenbilder. Immer wieder begegnen wir ihm amUfer des Sees,wo er über sein Engagement spricht.
Denn Romain gehört der Generation Johannes- Paul II. an, die sich an den Weltjugendtagen inspiriert. Doch LA VISITE betreibt keine Heiligenverehrung. Der Filmemacher zeigt auch die Widersprüche auf: DenWunsch „mit Liebe zu erobern“, die Beziehung zu den Heiligenbildchen, den immer gleichen Überschwang, mit dem jeder einzelne Augenblick des Lebens angegangen wurde. LA VISITE ist ein ebenso mitfühlendes wie ernsthaftes und nuanciertes Porträt, in dessen Schlusseinstellung der Graben sichtbarwird, der sich fortan zwischen den Brüdern auftut.
Visions du Réel Nyon 2009

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