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Terra Incognita
Peter Volkart
Schweizer Filmpreis 2006 Bester Kurzfilm
Best Short Film Festival international du Film du Monde, Montréal 2005
Best Short Film Prix SSA/Suissimage Festival International du Film Fantastique Neuchâtel 2005
Zürcher Filmpreis 2005 Bester Kurzfilm und für Kamera
Ende der 20er Jahre war er kurz in den Schlagzeilen: Igor Leschenko,der junge Physiker aus Hermannstadt, der mit seinen bizarren Experimenten das Gesetz der Schwerkraft ins Wanken bringt. Das Debakel am Kongress der Pataphysiker führt zu einer geheimen Expedition zum Antigravitätspunkt. Rare Filmdokumente einer Reise jenseits von Zentropa durch den bedrohlichen Karfunkel-Archipel. Wird Leschenko die Insel Nanopol je finden?
"Eine spielerische Abfolge von Bildern, welche Wochenschauen mit seltenen 'Archiv'-Aufnahmen vermischt, wird in einer äusserst fantasie- und humorvollen Collage zusammengebracht. Der Zuschauer wird auf eine ironische Reise in eine rätselhafte Welt mitgenommen, die mit grosser technischer Raffinesse kreiert wurde. Der Film lädt dazu ein, mehrmals angeschaut zu werden, um neue Facetten dieser faszinierenden Geschichte zu entdecken."
Laudatio Schweizer Filmpreis
"(...) Volkart erweist Raymond Roussel und der Pataphysik eine Hommage und fährt
in gewisser Weise dort fort, wo «Der junge Eskimo», aufgehört hatte. Mit dem
Unterschied, dass damals ein Fremdling an die unvertrauten Gestade dieser Erde
geriet, während hier an einem 31. November der Aufbruch in deren unerforschte
Regionen in hohen Breiten erfolgt.
«Vor allem aber, was treibt dieser Leschenko die ganze Zeit in meinem Kopf?»,
fragt der Erzähler und zeigt Bilder, halb «Zelig», halb «Gizmo», von den bizarren
Experimenten des jungen Physikers aus Hermannstadt, die bald von solchen
wilder leerer Landschaften und «provisorisch zusammengenagelter» futuristischer
Städte abgelöst werden, ohne dass wir doch hoffen dürfen, je irgendwo
anzukommen.
Neue Zürcher Zeitung
Die Zukunft der Leichtigkeit
Von Peter P. Schneider
Nach Nanopol führt kein Städteflug. Seltsamerweise. Dabei würden doch alle gern dahin reisen. In Nanopol, jenseits des 75. Breitengrades, lockt die Aufhebung aller Erdenschwere. Der Forscher Leschenko wagt den Trip auf eigene Faust. Er erhofft sich vom Auffinden des Antigravitätspunkts in Nanopol seine Rehabilitation als Wissenschafter. Denn seine Karriere als Forscher ist dahin, seit er von missgünstigen Berufskollegen am Kongress der Pataphysiker als Schwindler diffamiert und aus der Akademie verstossen wurde.
Zum Verhängnis war ihm sein Genie geworden: In einem spektakulären Selbstversuch hatte er die Schwerkraft überwunden und war die Wand eines Zimmers hochgegangen. Ein anderes Mal zauberte er sich ganz weg: Leichter können Körper und Seele nicht sein, als wenn man sie zum Verschwinden bringt.
Igor Leschenko ist ein verwegener Träumer, aber kein Fantast. Ihm gelingt, in die Realität umzusetzen, was er sich erwünscht. Bis zum bitteren Ende, der Aufhebung seiner selbst: Auf Nanopol verschwindet er in ein ungekanntes Paralleluniversum – Terra incognita. Dabei entschwebt er nicht in lichte Höhen, sondern taucht durch ein Wurmloch in die dunkeln Tiefen der Erde ab. «Ist Heimat nicht da, wo ich noch nie war?» hat er auf seiner Reise ins Tagebuch notiert. Leschenko ist da angekommen, wo er immer sein wollte.
Für einen Augenblick herrschen pure Ungewissheit und Leichtigkeit – das Ende.
Dann aber sehen wir den Körper des Forschers in einer abgewrackten Klause sitzen. Die Szenerie wirkt etwas trist, Leschenko selber aber durchaus entspannt und nicht unglücklich Nur etwas müsste die Gestalt im Sessel noch loswerden können, um sich der irdischen Schwere völlig zu entledigen: Diesen Leschenko in seinem Kopf. Eine Krankenschwester hilft ihm. Ihre Spritze bringt schöne Musik in Leschenko zum Klingen. Mit deren Nadel las- sen sich auch Schellackplatten zum Tönen bringen.
Peter Volkart ist auf die Geschichte des Pataphysikers Igor Leschenko durch Filmmaterial und Fotos aufmerksam geworden, auf die er zufälligerweise in Archiven stiess. Der seltsame Kerl hat ihn nicht mehr losgelassen. Mit geduldiger und liebevoller Akribie trug er die biografischen Fragmente des Mannes aus Hermannstadt im rumänischen Siebenbürgen zusammen, die dieser in mehr als einem halben Jahrhundert seiner Existenz auf der halben Welt hinterlassen hatte. Langsam entstand aus den gefunden Fotos und Filmsequenzen das Lebensbild eines romantischen Exzentrikers, der ebenso verschroben wie unerschrocken seinem hoch gesteckten Ziel, wenn nicht gar seinem Glück, nachsetzte und dabei merkwür- dige Begegnungen machte: mit dem Nachtleben in Novosuburbia, mit einer Stadt auf höl- zernen Stelzen, mit dem Offshore-Vergnügungszentrum Morphopolis oder mit Zwergen, die sich durch einen Trichter im Kopf ernähren.
Lücken im durch gefundene Fotos und Filme belegten und rekonstruierten Lebensbild von Leschenko hat Peter Volkart sorgsam mit dezent farbigen Szenen ergänzt, die in einem Dekor entstanden, das er selbst gestaltet hat. Mit ihrer Patina passen sie sich nahtlos in die Welt des Forschers, Entdeckers und Erfinders Leschenko ein. Volkart hatte sich Leschenko längst zu eigen gemacht, war zum wissenschaftlichen Forscher in Sachen Leschenko geworden war und dabei auf die eigenartigsten Dokumente gestossen, die ihm manch lusti- gen Moment bescherten und ihn auch gelegentlich an seinem Verstand zweifeln liessen. Gab es diese Welten wirklich, die Leschenko erforschte und die durch Bilder belegt waren? Sind die gefundenen Dokumente echt? Und sollen wir Zuschauer dem Unglaublichen vertrauen?
Die Frage stellt sich, wie glaubwürdig der Biograf selbst ist. Allzuviel ist über ihn nicht zu erfahren. 1957 in eine bäuerlichen Umgebung in der Nähe von Zürich hineingeboren, verbrachte Peter Volkart die ersten vierzehn Jahre vor allem zwischen den wohlig warmen Barchentleintüchern des familiären Nachtlagers. Das machte ihn schon mit der Muttermilch zum Verwandten des surrealistischen Dichters Raymond Roussel, der auf seiner Weltreise kaum je seinen luxuriösen Wohnwagen verliess und dem Volkart nun nicht von ungefähr seine filmische Recherche zu Igor Leschenko gewidmet hat. Bei seinen seltenen Ausflügen ausser Haus lernte Peter Volkart staunend die labyrinthischen Gänge der Feldmäuse im Erdinnern kennen und durchwühlte sie. Als Jugendlicher wandte er sich begierig allem Neuen zu, so zum Beispiel der aufkommenden Elektronik. Dass er sich später souverän der digitalen Technik bei der Bild- und Filmmontage bedienen würde, erstaunt nicht. Dann folgte er den Signalen und Bildern aus Übersee und fand sich nach einer aufregenden Atlantikpassage in New York wieder. Hier, in der Metropole kreativen Schöpfens, begann er darüber nachzudenken, wie die Zukunft in der Zukunft aussehen mochte, wenn sie dereinst Vergangenheit geworden sein würde. Peter Volkart begann zu wirken, wie ein Archäologe – nur entwarf er die Fundstücke gleich selbst. In einem Film mit dem Titel Der junge Eskimostieg er in die Welt der Surrealisten ab und beschrieb moderne Befindlichkeiten in der Grossstadt der 1980er-Jahre in deren Heiterkeit und Geist. Später machte er eine Maus zur Protagonistin eines Films (Suburban Widlife) oder zeigte Micky-Maus im Jahre 3998, so, wie sie ein Archäologe in zweitausend Jahren aus dem Schutt graben würde. (Hermann Wendelhammer: Das Kabinett) Zurück in der Alten Welt verbreitete er seine archäologischen Fundstücke erfolgreich in Galerien und Museen. Auf Flohmärkten, in Brockenhäusern, in Kellern und in vergammelten Koffern auf Estrichen stiess er auf fotografische Zeugnisse von Leuten, die sich wie er, aber eben früher, zur Zeit der Entdeckungen, in die Labyrinthe des Wissens vorgewagt und versucht hatten, Ahnungen in wissenschaftliche Erkenntnis zu übersetzen. Aus den Fundstücken zeichnete Volkart die Biografie des Memoryagenten Igor Popov1nach, machte sich dann auf die Spur der abenteuerlustigen Zwillingsbrüder Harald und Herbert oder erzählte die obskure Lebensgeschichte des luziden Edgar Cielsky, der 1966 spurlos verschwand. (Edgars Place Part 1-5) Was immer Volkart anzufassen begann, wurde zum archäologischen Zeugnis.
Peter Volkart
Geboren 1957 in Zürich
2005 TERRA INCOGNITA
1987 DER JUNGE ESKIMO
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Internet
Preis: 30.00 CHF
Vergriffen
Informieren Sie mich, wenn die DVD erhältlich ist
DVD5
PAL 4:3
Region 0
Sprachen: Deutsch
Untertitel: English Français
Terra Incognita
CH 2005 15'
Regie: Peter Volkart
Mit: Paul Avondet, Sandra Künzi
Kamera: Hansueli Schenkel
Compositing: Volkart & Volkart, Paul Avondet
Ton: Voco Fauxpas
Schnitt: Harald & Herbert
Produktion: Franziska Reck
Erzählung: Volker Risch, Bodo Krumwiede
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