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Tehran Medoune Mojavez
F/Iran 2009 83'
Regie: Sepideh Farsi
Kamera: Sepideh Farsi
Ton: Sepideh Farsi
Schnitt: Sepideh Farsi
Produktion: Rêves d’Eau Productions

Stichworte
Gesellschaft
Dokumentarfilm
Iran
Locarno

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Tehran Medoune Mojavez

Tehran Without Permission

Sepideh Farsi

Die Regisseurin Sepideh Farsi zeichnet ein faszinierendes Porträt von Teheran – der Stadt, die sie als junge Frau verliess. Sie wollte «ein anderes Bild von Teheran malen – ein ebenso ungewöhnliches wie intimes Bild». Zwischen Reichtum und Armut, Hightech-Städtebau und Tradition zeigt diese Collage aus Alltagsszenen äusserst anschaulich die Reichhaltigkeit und Vielfalt der iranischen Hauptstadt. TEHRAN MEDOUNE MOJAVEZ wurde mit der Handykamera gedreht, was der Filmemacherin viel Freiheit gab. So war es ihr möglich, sich in der Stadt zu bewegen, ohne aufzufallen, und die Distanz zu ihren Gesprächspartnern möglichst klein zu halten. Auch wenn der Film sich nicht direkt mit den sozialen und politischen Problemen Teherans auseinandersetzt, ist die angespannte Situation mittels der Äusserungen der gefilmten Personen mit Händen greifbar.

Sakkadierende Bilder von der Teheraner Grossstadt aus dem Auto. Dazu Rapmusik und ein provokativer Text. Erst mit der Zeit wird einem bewusst, dass der Rap in Farsi ist und von einer Musikgruppe, "die niemals spielen darf, die aber alle hören", wie die Regisseurin nach dem Film sagt. Die Kamera, ein Natel, taucht ein in die Grossstadt, zuerst in belanglosen Begegnungen, dann beginnen aber die Leute Geschichten zu erzählen. Sie zeugen von den Widersprüchen der iranischen Gesellschaft, die man auch schon in PERSEPOLIS mitbekommen hat: Einerseits die offizielle streng religiöse Doktrin, die auch von Wächtern überall in der Stadt durchgesetzt wird. Andererseits die wilden Parties, die man mit etwas Glück doch machen kann, wenn man weiss, wann die Wächter Pause machen. Da kursieren CDs mit dem Filmton von EYES WIDE SHOT und Drogen aller Art, was zeigt, dass der Ausflug in die Freiheiten auch mit Risiken verbunden ist und auch nicht immer politisch motiviert ist. In PERSEPOLIS war noch von Doppelmoral die Rede, aber hier sieht man, dass dreissig Jahre nach der islamistischen eine kulturelle Revolution im Gange ist mit einer Generation, die den Schah nicht mehr erlebt hat, die den Revolutionswächtern noch einiges Kopfzerbrechen verbreiten wird und den Iran zu einem gesellschaftspolitisch hochinteressanten Land machen. Der Film, der mit der Kamera ganz nah an den Leuten ist, leistet eine Immersion in den iranischen Alltag, die manches Vorurteil über die islamistischen Gesellschaften revidieren wird.
Matthias Bürcher, artfilm.ch

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