artfilm.ch
Preis: 35.00 CHF
An Lager
DVD-R Kopie
PAL 4:3
Region 0
Sprachen: English Yidish Russian Deutsch
Untertitel: Deutsch
Spuren verschwinden
CH 1998 79'
Regie: Walo Deuber
Drehbuch: Walo Deuber
Kamera: Guido Noth
Ton: Zoltán Imely
Schnitt: Jürg Messmer
Musik: Dmitri Shostakovich, Frédéric Chopin
Produktion: Doc Productions, Rose-Marie Schneider
Stichworte
Geschichte
Juden
Dokumentarfilm
Stichworte vorschlagen
Spuren verschwinden
Fading Traces. Postscripts from a Landscape of Memory
Walo Deuber
Sicht- und erfahrbar liegt in der westlichen Ukraine ein Stück europäischer Geschichte offen da, das in der Zukunft aufzugehen droht, ehe es in der Gegenwart richtig erinnert ist. Seit der Öffnung der Sowjetunion ist dieser bedeutende Teil der einst mit rund fünf Millionen Angehörigen grössten je zusammenhängend existierenden jüdischen Lebenswelt wieder zugänglich geworden. Den Spuren dieser Welt folgt der Film und trägt deren unendlich bitteres Ende nach.
In einem Wald (Drohobycz), auf einer Lichtung (Petschora) und auf einem alten Flugplatz (Berditschew) zeugen abgelegene Massengräber mit Zehntausenden von Opfern vom Holocaust, der im Baltikum, Weissrussland und der Ukraine ab Juni 1941 Hitlers Ueberfall auf die Sowjetunion folgte.
Jahrzehntelang haben Überlebende das Gedächtnis in der sowjetischen Ukraine einsam bewahren müssen. Jetzt erst erzählen Esther und Michail Bartik aus Tultschyn, Genija Burmenko und Raissa Tamara Halperina aus Berditschew offen davon, was sie damals erlebt, wie sie ihre Eltern, ihre Geschwister und die Nachbarn verloren haben.
"Vergessen verlängert das Exil. Das Gedächtnis ist das Tor zur Erlösung", gibt der Baal Schem Tow, Begründer des chassidischen Volksglaubens zu Bedenken. Sein Grab liegt in Medshibosh, im Herzen jener noch immer magisch-faszinierenden ukrainischen Landschaft, die im 18.Jh. Quell seiner Frömmigkeit war. Bis zum 2. Weltkrieg war das Gebiet von Juden dicht bevölkert. Hier erklang die jüdische Musik und in vielen Dörfern wurde jiddisch gesprochen. Der Film nimmt dies mit authentischer ukrainischer Klezemer-Musik (arrangiert von Joel Rubin) auf und mit den Protagonisten, deren 'eigene' Sprache bis heute das Jiddische geblieben ist.
Der jüdische Kosmos, der an der Nahtstelle zwischen europäisch-West und europäisch-Ost seine Spuren hinterliess, hat uns ein reiches kulturelles Erbe vermacht. Davon - und von der Bedeutung der jiddischen Sprache, die einst mit 12 Millionen Sprechenden die sechste Weltsprache war, erzählt der jiddische Schriftsteller Josef Burg in Czernowitz.
Die in den literarischen Texten Joseph Roths, Paul Celans, Rose Ausländers, Manès Sperbers und anderer formulierten Erinnerungen bringt "Spuren verschwinden" mit den Erlebnisberichten der noch Lebenden zusammen. So entsteht die Wechselrede der Erinnerung, die inmitten einer zeitlosen Landschaft jene Welt noch einmal vergegenwärtigt, welche die Ueberlebenden - und wir mit ihnen - verloren haben.
Der Film wurde im Sommer 1997 gedreht. Eine der Protagonistinnen, Rosa Roitman aus Tultschyn, ist zwei Monate später gestorben. Ihre Erinnerungen sind inzwischen auch nurmehr Teil des Gedächtnisses ... Spuren verschwinden.
Mit David Kahane, Felix Landau, Mauricy Weiss, Josef Burg, Erika Ginsburg, Isaak Weissglas, Rosa Roitman, Esther und Michail Bartik, Sonja Eismann, Ster Jelisavetskij, Genija Burmenko und Raissa Tamara Halperina.
"«Vergessen verlängert das Exil. Die Erinnerung ist das Tor zur
Erlösung», schreibt Baal Schem Tow, ein Begründer des Chassidismus.
Walo Deuber stellt diese Sätze seinem Film als Motto
voran. In der Ukraine traf er Überlebende des Holocaust. Wider
das Vergessen mahnen seine Bilder an die Verbrechen der
Nationalsozialisten und an die jüdischen Traditionen, welche
durch die Faschisten ausgelöscht werden sollten.
Deuber benötigt für sein Vorhaben keine historischen Aufnahmen.
In ruhig gefilmten, erschütternden Interviews, aber auch in
Zitaten von Buber, Roth, Döblin, Celan oder Babel, macht er die
Vergangenheit gegenwärtig. Die Texte der Schriftsteller werden
zu einem literarischen Gedächtnis, das Deuber mit Land- und
Stadtaufnahmen verbindet. Isaak Babel etwa notierte über Brody,
einst jüdisches Zentrum des kaiserlichen Österreich-Ungarn:
«Sehr schöne Synagoge. Welch ein Glück, dass wir wenigstens
die alten Steine haben. Das ist eine jüdische Stadt, das ist Galizien
». Während dieser Tagebucheintrag im Off gelesen wird, ist
ein Friedhof zu sehen. Der Kontrast zwischen Ton und Bild vergegenwärtigt
die Verbrechen der Nazis. Die fruchtbare Landschaft
der Ukraine birgt die furchtbare Geschichte, sie wird zu einer
Landschaft der Erinnerung, die Deuber und sein Kameramann
in ausführlichen Zooms, Schwenks und Travellings festhalten.
Der Film SPUREN VERSCHWINDEN versteht sich als «Nachtrag ins
europäische Gedächtnis». Er erinnert uns daran, dass auch die
Ukraine nicht von den Greultaten der Nazis verschont geblieben
ist.
Visions du Réel Nyon 1998
Walo Deuber
Geboren 1947 in Freiburg. Schule und Studium in Zürich und Berlin. 1976 Promotion als Dr.phil. in Zürich. Bis 1981 Journalist für verschiedene Schweizer Zeitungen, Lektorat im Limmat-Verlag Zürich. Seit 1980 Autor und Regisseur für Film und Fernsehen. Drehbücher für Spielfilme. 1992-1995 Chefredaktor der Kino-Sendung «Close-up».
2006 ER, DER HUT, SITZT AUF IHM, DEM KOPF
2004 RICORDARE ANNA
1998 SPUREN VERSCHWINDEN (FADING TRACES)
1988 KLASSEZÄMEKUNFT (STEPHANIE GLASER COLLECTION)
1985 VIDEOPOLY
1984 DER SCHWARZE TANNER
Videos
Internet




Bestellen