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Spaghetti alle vongole

Lila Ribi

Ein schlecht rasierter Mann sitzt am Küchentisch, schaut ab und zu in die Kamera, um danach seinen Blick wieder abschweifen zu lassen. Er raucht, greift zumWhiskyglas und kaut unaufhörlich an den Nägeln. Den Fragen seinerTochter, welche ihm gegenüber im Off sitzt und die Kamera führt, weicht er aus. Seine Unfähigkeit, sich auszudrücken, scheint schwer auf seinen nach vorne gebeugten Schultern zu lasten.
Die Regisseurin Lila Risi unternimmt in SPAGHETTI ALLE VONGOLE den Versuch, die schwierige Beziehung zu ihrem Vater aufzuarbeiten. Auf trotzig-kindliche Art setzt sie alles daran, den geliebten, oft schmerzlich vermissten Vater mit Fragen und Erinnerungsstücken aus der Reserve zu locken.
Doch zum Zeitpunkt des Drehs befindet sich Luc in einer psychisch nahezu auswegslosen Lebenssituation.
Der Film gliedert sich in einen erstenTeil, dessen Szenen sich abwechslungsweise bei Luc oder im Hause seiner Mutter abspielen; im zweiten Teil unternehmen Vater und Tochter eine lang ersehnte Reise ans Meer.Trotz einiger Anlaufschwierigkeiten beim Verfassen ihrer vorgesehenen Flaschenpostnachrichten kommt es zu einer berührenden Begegnung zwischen den beiden.
Mit ihrem filmischen Vorgehen stösst Lila nicht immer auf Verständnis. Oft stört die zwar diskrete, aber omnipräsente Handkamera das Gegenüber. Mehrere Male muss die Filmemacherin die Kamera ausschalten, umsie danach heimlich wieder anzustellen. Dadurch entstehen gewagte und raffinierte Aufnahmen, auf der Schneide zwischen on und off, Gezeigtem und Angedeutetem.
Visions du Réel Nyon 2009

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