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Sennen-Ballade
Erich Langjahr
In diesem Film erlebt der Zuschauer, ohne Kommentar, den Alltag einer Sennen-Familie am Ende des 20. Jahrhunderts.
„Film kommt vom Bild. Dass Film so geschwätzig geworden ist, hat uns das Fernsehen beigebracht.“
Erich Langjahr
Erich Langjahr geht immer wieder von der Gewissheit aus, dass im Kleinen die Welt geborgen liegt, dass sich in der Reduktion, in der Betonung des Ausschnitts, in der Konzentration auf scheinbar Weniges womöglich mehr zeigen, mehr erkennen lässt.
SENNEN-BALLADE handelt also weder von der Alpromantik noch von der Kunst des Bauerns - es ist ein Film zur Kunst des Lebens. Wunderschön Erich Langjahrs Bogen von der gelben Alpaufzugs-Hose des Buben Christian, der am Ende im Bemalen der Holzfiguren wieder aufgegriffen wird. Ebenso sanft, wie wir eingestimmt wurden, werden wir wieder in die Unterlandskälte entlassen, über die Miniatur des Lebens. Da gibt es weiter nichts zu sagen, da gibt es nur zu schauen: Zuschauen im besten Sinn
Walter Ruggle, Tages Anzeiger
Die grobe, schwielige Hand des Sennen, die die zerbrechlichen Kühlein und Hündchen aus weissem Holz zärtlich streichelnd zuschneidet, gehört zu den magischen Momenten.
Wie die Teile der SENNEN-BALLADE - erst Frühling und Sommer, dann Herbst und Winter - einander bedingen, beleuchten, erläutern und erweitern, das hat schon lange kein Eidgenosse mehr mit soviel simpler Wirksamkeit zuwege gebracht.
Filmbulletin, Pierre Lachat
Nach MÄNNER IM RING (1990) kehrt Erich Langjahr in seinem
jüngsten Werk erneut in den Ostschweizer Kanton Appenzell Ausserrhoden
zurück. Dieses Mal aber konzentriert er sich nicht auf
die Charakteristika der lokalen Politik, sondern widmet sich dem
Jahresrhythmus des bäuerlichen Lebens. In seinen Zyklus
schreibt sich als Besonderheit die sogenannte Transhumanz ein:
Im Frühsommer wird das Vieh auf die höher gelegenen Weiden
und von dort im Herbst wieder zu Tal getrieben. In beschaulichen
Bildern, die eine Liebe zum Detail und eine Sensibilität für diese
bäuerliche Lebensform offenbaren, lässt uns der Autor durch
sein Kameraauge am Alpwesen der Familie Meili teilhaben.
Wie selbstverständlich fügt sich in dieses Bild die Tradierung des
Wissens von Generation zu Generation ein: der Sohn hilft dem
Vater und erlernt dabei Handwerk und Bräuche seines Standes.
Es ist ein stilles, sorgfältiges und naturverbundenes Schaffen,
das den Alltag auf der Alp prägt. In der Frühe des Tages werden
die Kühe gemolken, danach wird die Milch im Innern der Hütte
zu Käse und Butter verarbeitet; die Schweine trinken die Molke,
während der Mist der Kühe auf den Wiesen verzettelt wird.
Diese alltäglichen, natürlichen Kreisläufe wiederspiegelt Erich
Langjahr auch formal in der Montage. Zu Beginn erwacht das
gemalte Reliefbild eines farbenfrohen Alpaufzugs zu gelebter
Tradition, am Ende schnitzt und malt die Familie Meili in langen
Winternächten ein neues Reliefbild. Der Film sennen-ballade
vertraut ganz auf seine ruhige, präzise Bildsprache und verzichtet
nahezu auf erklärende Worte. Dennoch fördert er das Gespräch
über den Bauernstand hinaus und erinnert die Schweiz an ihre
Wurzeln, ohne sie zu verklären.
Visions du Réel Nyon 1997
Ironisch-sarkastisch, ja provokativ wirkt zunächst der Untertitel Zum 150. Geburtstag der modernen Schweiz, in Anspielung auf das Jubiläum des 1848 gegründeten eidgenössischen Bundesstaates. Denn die bäuerliche Lebensweise der Meiles steht in unvereinbarem Gegensatz zur Welt des Neokapitalismus mit seine Profitmaximierung, der Shareholder-Values, des New Management, des Konsumismus, des Raubbaus an den Ressourcen, der esoterischen Sinnsuche und des rasenden Werte- und Paradigmenwandels. Werner Meiles Dasein wird von ganz anderen Gesetzen als die moderne Schweiz und eine wildgewordene, entsolidarisierte Marktwirtschaft bestimmt: Vom Wechsel der Jahreszeiten, von den Bedürfnissen des Viehs, vom Rhythmus der täglichen Arbeit. Und dennoch steht Meiles Welt mitten in dieser Zeit - als Anachronismus, heile Welt, Provokation? Doch davon später...
Wer im Kino den schnellen, flüchtigen Reiz sucht und sich Augen und Gehirn von pausenlos wechselnden Bildern und Ereignissen überfluten lassen will, kommt hier nicht auf seine Rechnung. Dafür schafft Langjahrs Film Zeit und Raum für die Beobachtung kleinster Details, für das eigene Empfinden und Denken. Er überfällt das Publikum nicht mit einer Kaskade von Reizen, sondern breitet eine komplexe, fascettenreiche Wirklichkeit aus, mit der man sich identifizieren oder zu der man auf Distanz gehen kann. Jede Tätigkeit - sei es die Alpfahrt oder das Schnitzen einer Kuh - bekommt die Zeit, die sie braucht, um ihren Sinn, ihre Nützlichkeit oder Schönheit wahrzunehmen.
Erich Langjahr weiss sehr wohl um die Krise der Bauern, um Rinderwahnsinn, industrielle Tierhaltung und Zerfall des Fleischpreises. Dank der sorgfältig durchdachten Montage seines Films gelingt es ihm aufzuzeigen, was auf dem Spiel steht, wenn Bauern wie Werner Meile, bei dem auf der Alp so gut wie nichts EG-konform ist, gezwungen werden, sich dem alleinigen Gesetz von Produktion und Rendite zu beugen. Damit verschwände eine - gewiss kleine - Welt, in der die Umwelt schonend genutzt wird, in der Kinder auf die natürlichste Weise die Kenntnisse und Anforderungen des Bauerns erlernen, in der Tiere nicht als reine Produktionsmaschinen instrumentalisiert werden. Es verschwände eine der in der modernen Schweiz nicht mehr allzu zahlreichen Daseinsformen, in der Arbeit, Mensch und Tier ihre Identität und Würde besitzen.
Franz Ulrich, Zoom
Erich Langjahr
Geboren 1944 in Zug. Seit 1971 selbständiger Filmschaffender. 1994 Gründung der Langjahr Film GmbH zusammen mit Silvia Haselbeck (Produktion von Kino-Dokumentarfilmen, Verleih der eigenen Produktionen sowie Filme von Walter Marti und Reni Mertens, Isa Hesse und andere).
2009 GEBURT
2006 DAS ERBE DER BERGLER - ALPINE SAGA
2002 HIRTENREISE INS DRITTE JAHRTAUSEND
1998 BAUERNKRIEG
1996 SENNEN-BALLADE
1992 UNTER DEM BODEN
1990 MÄNNER IM RING
1986 EX VOTO
1978 MORGARTEN FINDET STATT
News
- SENNEN-BALLADE von Erich Langjahr 2007-07-04
Internet
Preis: 48.00 CHF
An Lager
DVD-R Kopie
PAL 4:3
Region 0
Sprachen: Schweizerdeutsch
Untertitel: Deutsch Français
Sennen-Ballade
CH 1996 100'
Regie: Erich Langjahr
Drehbuch: Erich Langjahr
Kamera: Erich Langjahr
Ton: Silvia Haselbeck
Schnitt: Erich Langjahr
Produktion: Langjahr GmbH

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